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Verletzungsgefahr durch marode Mauern

Bad Segeberg Verletzungsgefahr durch marode Mauern

Bad Segebergs Amtsgericht muss saniert werden. Kosten von mehr als zwei Millionen Euro, auch Isolierung ist mangelhaft.

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Bad Segeberg. Zwar fällt es noch nicht auseinander, das Bad Segeberger Amtsgericht — aber es könnte passieren, dass Besuchern Ziegelbrocken aus den Verblendern auf den Kopf plumpsen.

Deshalb ist die Fassade mit Gittern abgesperrt. Das erst 1985 fertiggestellte Gerichtsgebäude muss saniert werden. Für einen Aufwand von gut 2,2 Millionen Euro hieß es bei einem Besuch der Kieler Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

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Alte Handwerkerweisheit: Nichts hält so lange wie ein Provisorium.

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Über die genaue Höhe der Sanierungskosten könne man erst mehr sagen, wenn die Planungen abgeschlossen seien, sagte den LN jetzt Barbara Müller, Pressesprecherin des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH). So müsse noch entschieden werden, ob man gleichzeitig die Fenster erneuere. Die könnten noch gut zehn Jahre halten — aber vor fast 30 Jahren verstand man von Wärmedämmung eben nicht so viel wie heutzutage.

Bei besonders gefährdeten Fensterstürzen belässt man es nicht bei Absperrgittern: Holzrahmen in den Fenstern sorgen zusätzlich dafür, dass kein Mauerwerk herabfallen kann. Das gesamte Verblendmauerwerk müsse ausgetauscht werden, weil Steine und Mörtel nicht mehr einwandfrei miteinander verbunden seien, erläuterte die GMSH-Sprecherin. Baubeginn solle im nächsten Jahr sein.

Ein wenig Eile ist schon geboten: Von einem Fenstersturz des Gerichtsgebäudes sind bereits Steine abgebröckelt. Aufmerksam auf erste Risse in der Fassade wurde man, nachdem eine zusätzliche Fluchtweg-Treppe eingebaut worden war. Im Gericht wünscht man sich, dass im Zuge der Sanierung gleich einige Verbesserungen mit in Angriff genommen werden. So könnte die Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich so umgestaltet werden, dass Rollstuhlfahrer das Gericht auch ohne fremde Hilfe erreichen können. Die 28 Jahre alten Teppichböden sind schon recht durchgescheuert, und auch im Dachbereich gäbe es noch viel in Sachen Wärmeisolierung zu tun. Welche dieser Maßnahmen mit in den Sanierungsplan aufgenommen werden, weiß die GMSH erst nach Abschluss der noch laufenden Planungen zu sagen.

Bad Segeberg steht bei weitem nicht allein da: Laut Gebäudemanagement sei in den nächsten Jahren an insgesamt gut 15 Gerichtsgebäuden in Schleswig-Holstein ein Sanierungsaufwand von zwölf Millionen Euro nötig — Bad Segeberg und Lübeck nicht eingerechnet. Das beginnt mit 430 000 Euro für die Dachsanierung des Amts- und Landgerichtes Flensburg und reicht über Brandschutzmaßnahmen (unter anderem gut 850 000 Euro für das Amtsgericht Norderstedt) bis zur Sanierung der Tiefgarage für das Kieler Amtsgericht, wofür 2,3 Millionen Euro veranschlagt werden.

Wie die LN berichteten, besteht auch an den Lübecker Gerichtsgebäuden ein großer Sanierungsstau: Dort müssen im nächsten und im übernächsten Jahr acht Millionen Euro aufgewendet werden.

So seien die alten Elektroleitungen derart überlastet, dass alle sechs Wochen die Sicherungen herausspringen würden und alle zwei Monate in den Sitzungssälen die PCs ausfallen.

Doch für den gewaltigen Aufwand von acht Millionen erwarte man künftig auch Einsparungen, hieß in Lübeck beim Ministerin-Besuch: Werden die 50 Jahre alten Fenster ausgetauscht, könne das, zusammen mit anderen Maßnahmen, 67 Prozent der Heizkosten einsparen. Dann hört es auch auf, dass Lübecker Gerichtsbedienstete ab Dezember wegen der undichten Fenster bei 16 Grad im Wintermantel arbeiten. So weit ist es in Bad Segeberg allerdings (noch?) nicht . . .

Bronze „Streithähne“ vor dem Gericht
Das Amtsgericht fällt zum Glück nicht nur durch seine Bauschäden auf, sondern auch durch ausgefallene Kunst: „Streithähne“ heißt die Bronzeplastik vorm Gericht. Geschaffen hat sie der Großhansdorfer Bildhauer Siegfried Assmann (heute 88 Jahre alt). Aufgestellt wurde die Plastik 1985. ark

Lothar Hermann Kullack

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