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Segeberg Verschuldet: Ansturm auf Beratungsstelle
Lokales Segeberg Verschuldet: Ansturm auf Beratungsstelle
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22:24 06.11.2013
Barbara Lüdtke-Nunnenkamp und Kathrin Holst (l.) von der Bad Segeberger Schuldnerberatung.
Bad Segeberg

Zum Ende des Jahres werden die Mittel der Schuldnerberatung knapp. Der Strom Hilfesuchender reißt auch in Bad Segeberg nicht ab. Und dabei werden nicht alle Betroffenen erreicht, glaubt Barbara Lüdtke-Nunnenkamp, Leiterin der Schuldnerberatung in Bad Segeberg. 413 Klienten im Jahr 2012 klinge zwar nicht viel, davon seien jedoch 188 Langzeitberatungen gewesen. Mit 1,5 Stellen sei das nur schwer zu schaffen. Und weitere Fälle sind in der Warteschleife: Beim Projekt Finanz- und Haushaltskompetenz werden Schuldner auf die eigentliche Beratung vorbereitet.

Aufstellungen über Einkommen, laufende Ausgaben und Gläubiger — zum ersten Termin bei der Schuldnerberatung müssen die Klienten jede Menge Unterlagen mitbringen. „Darauf weisen wir bei der Terminvergabe hin“, so Lüdtke-Nunnenkamp. Eine Aufgabe, die Schuldner oft auch überfordert — und dann kommen sie erst gar nicht zum vereinbarten Termin. Manche von ihnen hätten überhaupt keinen Überblick über ihre Schulden und Gläubiger. „Da werden Briefe einfach nicht mehr geöffnet“, sagt Kathrin Holst, Betreuerin für das Projekt Finanz- und Haushaltskompetenz. Sie nimmt sich dieser Klienten an, die oft über das Jobcenter geschickt würden und denen häufig grundlegende Finanz- und Haushaltskompetenzen fehlten.

Holst geht mit den Klienten die laufenden Ausgaben und Einnahmen durch: Versicherungen, Kreditraten, Energiekosten. Häufig könne bei Versicherungen gespart werden. „Da wird eine Hausratversicherung bezahlt, die in keinem Verhältnis steht, aber keine acht Euro für eine Privathaftpflicht bezahlt.“ Kathrin Holst stellt mit den meisten Klienten erstmals einen Haushaltsplan auf, aus dem ersichtlich ist, was überhaupt übrig bleibt für den Einkauf.

126 solcher Beratungen, die bis zu einem halben Jahr in Anspruch nehmen, hat Holst 2012 abgearbeitet. Sind die Gläubiger sortiert und aufgelistet, sind die Schuldner bereit für die eigentliche Schuldner- und Insolvenzberatung. Einsparungen bei Stromkosten, die laut Holst ein immer größeres Problem werden, und Versicherungen reichten in der Regel nicht aus, um die Schuldenproblematik zu lösen. Viele kommen um das Insolvenzverfahren nicht herum. Lüdtke-Nunnenkamp: „56 Prozent der Schuldner haben mehr als zehn Gläubiger. 56 Prozent haben mehr als 20 000 Euro Schulden, 23 Prozent sogar über 50 000 Euro.“ Häufig über Jahre angesammelt. Die durchschnittliche Verschuldung betrage 45 000 Euro. Die höchsten Beträge fallen bei Kreditinstituten an. Mit dem Dispo beginne oft eine Abwärtsspirale: hohe Zinsen, Umschuldungskredite, neue Überziehungskredite. Dazu kommen womöglich Raten bei Versandhäusern — wenn dann der Verdienst absinkt, schnappt die Falle zu.

Die Fallzahlen sind konstant hoch. „Wir sind seit Jahren überlaufen“, fasst Lüdtke-Nunnenkamp zusammen. Ein Ende der Problematik scheint nicht in Sicht.

Hier gibt es Hilfe
3 Millionen Haushalte sind in Deutschland überschuldet. Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein besteht seit 1987. Sie hilft bei der Verhandlung mit Gläubigern, bei Anträgen und Widersprüchen, prüft Forderungen. Das Projekt Finanz- und Haushaltskompetenz hilft ALG II-Empfängern bei der Führung eines Haushaltsbuches und Organisierung der Finanzunterlagen. Kontakt in Bad Segeberg: Tel. 0 45 51/90 84 40.

Nadine Materne

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