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Verwarnungen für die Eltern des kleinen Roger

Bad Segeberg Verwarnungen für die Eltern des kleinen Roger

Statt Kindesmisshandlung hieß es im Urteil des Gerichts nur noch fahrlässige Körperverletzung. Die Eltern hatten in Kauf genommen, dass ihr Säugling abmagerte.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Bad Segeberg. „Der kleine Kerl macht es Ihnen leicht, ihn liebzuhaben“: Richterin Sabine Roggendorf hält das große Foto eines zweieinhalbjährigen Kindes in die Höhe. Ein hübscher Junge mit Brille und dadurch bedingtem kleinen Höcker auf der Nase — etwa so wie Harry Potter. Seit zwei Jahren haben seine Eltern ihn nicht in der Pflegeeinrichtung im Lauenburgischen besucht, wo er wegen seiner Behinderung wohnt.

Doch wegen dieser Missachtung wurden Mutter Daniela D. (25) und Vater Sven G. (26, Namen von der Redaktion geändert) gestern vor dem Segeberger Schöffengericht nicht bestraft. Mangelnde Elternliebe oder die Unfähigkeit, sie zu zeigen, oder was immer die jungen Eltern bewegt haben mag - all das ist nicht justiziabel. Verwarnt wurden Daniela D. und Sven G. wegen fahrlässiger Körperverletzung. Sie hatten sich damit zufrieden gegeben, dass der kleine Roger in dessen ersten Lebenswochen viel zu wenig trank und so mit sechs Wochen auf 2320 Gramm, 540 Gramm unter seinem Geburtsgewicht, abmagerte.

Das Baby war abgemagert

Die Geldstrafe von je 180 Tagessätzen (à 40 Euro für die Mutter, je zehn Euro für den Vater, der in der Ausbildung ist), brauchen beide aber nur zu zahlen, wenn sie sich in der Bewährungszeit von drei Jahren etwas zu Schulden kommen lassen. Außerdem müssen beide je nach ihren Möglichkeiten zum Unterhalt ihres Sohnes beitragen, dessen Gehirn schwer geschädigt ist, der schlecht sehen kann und per Sonde ernährt werden muss. Das Segeberger Jugendamt hat die Vormundschaft für ihn übernommen. Das Jugendamt war es auch, das diesen Fall zur Anklage brachte und als Nebenkläger auftrat.

Der Fall Roger sah anfangs viel dramatischer aus, unterstrichen Richterin Roggendorf, Staatsanwalt Dr. Achim Hackethal und auch ein Mitarbeiter des Jugendamtes, der gestern am zweiten Verhandlungstag in den Zeugenstand trat: Fast nur noch Haut und Knochen, blaue Flecken am ganzen Körper, eine Hautfarbe zwischen grün und blau — so sah das sechswöchige Baby aus, als es im Dezember ins Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster eingeliefert wurde. „Als wir die Fotos sahen, wunderten wir uns, warum wir nicht sofort informiert worden sind“, sagte der Mann vom Jugendamt. Erst als ein Gutachten über Roger in Auftrag gegeben wurde, informierte man das Amt.

Eltern ließen Herz erst spät untersuchen

Für die Schwestern im Krankenhaus, aber auch für jeden, der die von ihnen angefertigten Fotos sah, schien klar zu sein: Da haben Eltern ihr Kind misshandelt, vielleicht sogar geschüttelt. So lautete die ursprüngliche Anklage gegen die Eltern auch auf Misshandlung eines Schutzbefohlenen. Doch davon blieb am Ende nichts übrig: Roger, so das Fazit eines Gutachtens des Universitätskrankenhauses Eppendorf, muss schon im Mutterleib durch eine Infektion der Mutter schwer geschädigt worden sein. Die Hämatome, die später bei ihm zu sehen waren, hätte er sich während epileptischer Anfälle auch selbst beibringen können.

Roger habe von Anfang an zu wenig getrunken, hatten beide Eltern bereits am ersten Verhandlungstag ausgesagt. Der Kinderärztin, die den Jungen an seinem neunten Lebenstag untersuchte, musste nichts aufgefallen sein, zumal Roger wenige Tage später immerhin 50 Gramm zugenommen hatte. Die Eltern aber folgten dem Rat der Wahlstedter Medizinerin, das Herz des Jungen wegen auffälliger Geräusche untersuchen zu lassen, erst einen Monat später. Und als der Kinder-Kardiologe ihn dann sah, ließ er ihn sofort mit Blaulicht ins Krankenhaus bringen.

Staatsanwalt Dr. Hackethal hatte für beide eine Haftstrafe von je sechs Monaten zur Bewährung sowie eine Geld-Auflage gefordert. Die Verteidiger Ralf Stelling und Oliver Jürgens plädierten auf Geldstrafen zur Bewährung — das Gericht folgte ihnen.

Von Lothar Hermann Kullack

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