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Segeberg „Viele Diskussionen sind mit Mehltau belegt“
Lokales Segeberg „Viele Diskussionen sind mit Mehltau belegt“
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16:17 21.09.2017
Heiko Evermann möchte für die AfD in den Bundestag einziehen und dort den Wahlkreis 8 vertreten. Quelle: Oliver Vogt
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Ellerau

Gemeinhin wird gesagt, das Thema Flüchtlinge habe die AfD erst wichtig gemacht. Und tatsächlich ist deshalb auch Heiko Evermann aus Ellerau Mitglied der Partei geworden, nachdem er zunächst jahrelang der Wählergemeinschaft „Aktives Ellerau“ angehört hatte. Hintergrund war der vom SPD-Bürgermeister angestrebte Bau einer Flüchtlingsunterkunft.

Zu teuer und gemessen an Elleraus Aufnahmequote zu überdimensioniert, befand Evermann und stellte einen Alternativplan mit 30 Plätzen vor, der später auch von der Gemeindevertretung parteiübergreifend angenommen worden sei.

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Diese Episode – „der Bürgermeister hat dieses Projekt mit Platz für 120 Flüchtlinge lange Zeit als alternativlos hingestellt“ – habe ihn gemeinsam mit bundespolitischen Gründen im April 2016 zum Übertritt in die AfD bewogen. „Ich hatte mich aber vorher schon dafür interessiert“, sagt der vierfache Familienvater. Angefangen habe das, als bei der letzten Kommunalwahl sämtliche Wahlplakate der AfD in Ellerau anscheinend systematisch zerstört worden waren.

Für den studierten Informatiker ein Anlass, sich genauer mit der Partei zu befassen. „Ich bin der Meinung, man muss in einer Demokratie über alles reden können. Viele Diskussionen, wie zum Beispiel das Flüchtlingsthema, sind hierzulande aber mit einer Art Mehltau belegt, so dass sie nicht offen geführt werden können“, erklärt Evermann seine Auffassung. Wäre die Debattenkultur eine andere, womöglich wäre er gar nicht in die AfD eingetreten.

Evermann ist nicht gegen Migration per se. Anfang der 2000er stand er selbst vor der Entscheidung, nach Neuseeland auszuwandern. Und dort gelte bereits, was auch für Deutschland angemessen sei: „Man muss von jedem, der dauerhaft bleibt, erwarten können, dass er sich mit diesem Land identifiziert und unsere Sprache beherrscht.“ Evermann war es auch, der beim Parteitag 2016 eine völlige Abschottung der AfD gegenüber Zuwandern verhinderte. Kurz vor Ende des ersten Sitzungstages war ein „100-Prozent-Zuwanderungsstopp“ von den Delegierten fast nebenbei durchgewinkt worden.

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„Vielen war dabei anscheinend gar nicht bewusst was das bedeuten würde“, sagt Evermann. Die AfD hätte sich damit zum Beispiel gegen das selbst propagierte Einwanderungsmodell nach kanadischem Vorbild gestellt. Im Übrigen habe er es nicht mit seinen Werten vereinbaren können – Evermann bezeichnet sich als christlich-konservativ und ist Mitglied in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten –, Menschen aus fremden Kulturen grundsätzlich als Problem zu betrachten. Das sahen die Delegierten offenbar ein. Nach Evermanns Wortmeldung wurde der Antrag zurückgezogen, der Leitantrag der Programmkommission wiederhergestellt.

Mit der derzeiten Zuwanderung ist der gebürtige Lübecker gleichwohl nicht einverstanden. Er hält die Zuwanderungszahlen insbesondere in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen für zu hoch. Deswegen nennt er das Stichwort „Demografie“ als eines der wichtigsten Themen einer Amtszeit im Bundestag. „Ich möchte, dass meine Kinder und deren Kinder noch in einem Deutschland leben, das diesen Namen noch zu Recht trägt. Derzeit habe ich daran Zweifel“, sagt Evermann.

Auch die Gefahr einer „Islamisierung“ hält der Christ für real. „Die Verfolgung und Unterdrückung von Christen in den meisten muslimisch geprägten Ländern ist eine Tatsache.“ Auch das „Gender-Mainstreaming“ und die Meinungsfreiheit hat Evermann auf seiner Themenliste. Letztere sieht er durch das „Netzwerksdurchsetzungsgesetz“ in Gefahr: „Wenn handfeste Islamisten heute Beiträge verfassen, sperrt Facebook nicht die, sondern die der Kritiker“, behauptet er. „Das kann in einer Demokratie nicht sein.“

Von Oliver Vogt

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