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Segeberg Vom Pastor zum Ehrenbürger von Todesfelde
Lokales Segeberg Vom Pastor zum Ehrenbürger von Todesfelde
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22:22 14.07.2014
Klatschend begleiten die Menschen ihren Pastor Karl-Heinz „Kuddel“ Rahn (l.) zum Abschied aus der Kirche von Todesfelde. An seiner Seite: Propst Daniel Havemann. Nach dem Gottesdienst gab‘s ein Gartenfest.
Todesfelde

„So voll ist die Kirche nicht einmal Weihnachten“, raunt ein älterer Herr und quetscht sich zwischen einige andere Leute auf ein paar Zentimeter Biergartenbank, von denen etliche vor dem Todesfelder Gotteshaus aufgereiht sind, weil drinnen kein Millimeter mehr frei ist. Die grünen Holzbänke voll besetzt. Selbst auf der Empore an der Orgel sitzen Männer und Frauen eng an eng. Weit über 500 Menschen sind gekommen. Männer, Frauen und Kinder, Senioren mit Rollatoren, Babys auf den Armen ihrer Mütter. Aus Todesfelde, aus Bark, Fredesdorf, Bockhorn, Schafhaus, Vosshöhlen und Hartenholm. Dazu gleich eine ganze Riege von Pastoren und ehemaligen Gottesmännern, der Musikworkshop „Wöff“, die Chöre des Kirchspiels — alle wollen sich von Pastor Karl-Heinz Rahn, der in den Ruhestand gegangen ist, verabschieden. Selbst die Sonne schiebt sich durch die dicken dunklen Wolken und schaut pünktlich vorbei.

Karl-Heinz, das sagt niemand. Nicht einmal Propst Daniel Havemann, als vor dem Altar steht um „Kuddel“ Rahn nach 34 Jahren in „die Freiheit zu entlassen“. Havemann betont, das der Todesfelder jemand sei, der nicht warte, bis jemand auf ihn zukommen, sondern einer, der auf andere zugehe. „Er ist einer mit klarem Wort. Einer mit Ecken und Kanten, den man mag“, sagt Arne Teegen aus Fredesdorf. „Bei ihm ist es wie in einem zweiten Zuhause, er ist mehr als ein Pastor: Freund und Wegefährte. Er hat uns geprägt“, ergänzt Reiner Locklair aus Hartenholm. Er ist nicht abgehoben, einer von uns, das sagen andere und sie zeigen es auch.

Die Ansprachen sind besonders launig. Es gibt viel zu lachen an diesem so herzlichen Abschied vom Pastor, der von nun an Ehrenbürger von Todesfelde ist. Viele haben seinen letzten Arbeitstag mitgestaltet. Sein Freund und Studienkollege Hans Mader findet herzliche Worte, plaudert aus dem Nähkästchen und greift gerührt zum Taschentuch. Seine Tochter Silke singt für ihm im Gottesdienst. Und doch ist es einer von den Tagen, an denen er ganz besonders „durch die Augen schwitzt“, hat er jemandem verraten und scheint froh zu sein, dass seine Brille sich im Sonnenlicht dunkel tönt.

Kindstaufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigungen — manche Familien hat Pastor Rahn über Generationen begleitet. Nun hat er den Talar an den Nagel gehängt. „Endlich“, sagt er am Sonntag augenzwinkernd, und erinnert daran, wie die Gemeinde — „mit dem anregenden Namen Todesfelde“ — das vor 34 Jahren wohl auch gedacht haben mochte, als er mit Frau und Kindern aus dem Rheinland kam. 20 Monate sei die Stelle vakant gewesen. Der Amtszeitrekord lag zuvor bei 13 Jahren. Dass ein Bauer ihm zur Begrüßung damals „nun blev Se man bis zur Pensionierung“, mitgab und Recht behalten sollte, wer hätte das gedacht? Doch nun ist Schluss. „Alles hat ein Ende und das ist gut so. Bliebe alles stehen, wäre das das Ende alles Lebendigen. Seid gespannt auf das, was kommt“, fordert Kuddel Rahn die Menschen auf, seinen Nachfolgern offen zu begegnen und bedankt sich. „Das war eine gute und sinnerfüllte Zeit.“

Nach weit über 500 Händen, die es für ihn zu schütteln galt und etlichen Umarmungen, wurde im Pastoratsgarten weitergefeiert, weiter geredet und so manche Überraschung wartete auf ihn. Wie der Flashmob, bei dem der tuckernde Motor des alten Deutz von Nachbar Ewald Gosch (früher Friedhofsgärtner) den Grundbeat vorgab. Das Vehikel ist sein Lieblingstrecker, verrät jemand. Den habe er sogar schon einmal für eine Rundfahrt geliehen bekommen, weil er ihn so mag. Als Kind, da wollte Karl-Heinz Rahn nämlich Treckerfahrer werden, wie sein Vater. Das könnte er jetzt nachholen und so vielleicht mit einem Hobby anfangen, aber zunächst steht eine dreimonatige Radtour mit Ehefrau Helga an und was dann kommt, das wird man sehen.

Heike Hiltrop

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