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Segeberg Vom Saunabetrieb zur Senioren-WG
Lokales Segeberg Vom Saunabetrieb zur Senioren-WG
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17:16 06.06.2016
Gemütlich ist die Chillout-Lounge mit Kamin, befindet dieses Seniorenpaar, das sich dieWGmal ansehen wollten. Beide sind über 80 Jahre alt, fühlen sich aber zu jung für einen Wechsel aus dem eigenen Haus. Quelle: Hiltrop
Kleinkummerfeld

„Sauna“ steht auf dem alten Schild an der gelben Hausfassade. Doch Dampfbad, Whirlpool, der Fitnessraum und die vier Schwitzstuben sind schon seit einem Jahr dicht. Es habe sich nicht mehr gelohnt, sagt Longina Möller, die den Saunabetrieb mit ihrem Mann Rainer geführt hat. Und so nahm der Traum des Masseurs und diplomierten Krankenpflegers buchstäblich hinter den Kulissen Gestalt an: eine Senioren-WG.

„Mein Mann hat schon so lange Lust gehabt, so etwas zu machen. Zwei Jahre hat die Entwicklung gedauert. Es ist die Zukunft, genau die richtige Zeit und ich habe auch Freude daran“, sagt die 54-jährige Longina Möller während sie am großen Esstisch sitzt und ein paar Besucher herzlich begrüßt, die zum Gucken vorbeigekommen sind.

„Wir haben eine Bekannte im Altenheim, und es gefällt uns nicht, dass sie nicht mehr so über sich bestimmen kann, wie sie möchte: Mittag gibt es dann und dann. Zack. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, dann ist Mittagsruhe und dann irgendwann Zeit fürs Bett“, sagt eine alte Dame, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie selbst sei schon über 80, aber so eine Fremdbestimmung wolle sie nicht erleben. „Der Tagesablauf ist fest vorgegeben. Das geht bei großen Häusern auch nicht anders“, sagt sie laut, aber es klingt, als meinte sie es eher zu sich selbst als in die Runde, die langsam größer wird. Heidy Knudsen (82), auch eine frühere Saunabesucherin, gefällt die kommunikative, Gemeinschaftsküche, und Irene Ohster (72) schwärmt von den „so gemütlichen Zimmern“. Sechs sind es. Alle mit eigenem barrierefreien Duschbad und eigener kleiner Terrasse zum Gemeinschaftsgarten raus. Alle sind sehr individuell gestaltet und zwischen 20 und 45 Quadratmeter groß. „Zwei davon können mit zwei Personen bewohnt werden, darum gibt es Platz für sechs bis acht Personen. Mein Mann und ich wohnen in der oberen Etage unseres Hauses“, wirft Longina Möller ein und betont: „Wir sind weder ein Heim noch betreutes Wohnen. Wir sind eine echte WG für ältere Menschen, die selbstbestimmt leben, aber nicht alleine sein wollen – wie eine Familie.“ Um die 100 000 Euro hätten sie in das Projekt gesteckt. Zielgruppe seien Senioren, die vielleicht sonst in den eigenen vier Wänden vereinsamen würden. Das Konzept kommt an. Man habe viel Gestaltungsspielraum, so das Urteil der Besucher, die aber betonen, für einen solchen Schritt noch nicht reif zu sein.

Zum Konzept der Möllers gehört, dass jeder Bewohner der Zimmergröße entsprechend Miete zahlt sowie eine Umlage für die Versorgung und für regelmäßige Ausflüge, Fahrten in die nächstliegende Stadt, Neumünster, etwa zum Arzt. Rainer Möller: „Wir wollen noch einen Kleinbus kaufen, in den alle reinpassen.“

Nun fehlen nur noch die Mitbewohner, eine alte Dame sei zum Probewohnen für eine Woche schon da gewesen, so Longina Möller. „Sie wird demnächst einziehen.“

 Heike Hiltrop

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