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Segeberg Von der Mär des gesunden Rauchens
Lokales Segeberg Von der Mär des gesunden Rauchens
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20:13 14.06.2017
Anschauliche Einblicke für die Schüler aus Sülfeld: Oberarzt Christian Herzmann erklärt die Atmung an einer echten Schweinelunge am Beatmungsgerät.

„Ist die echt?“ Ungläubig betrachten die Schüler die präparierte Schweinelunge. Noch hängt sie schlaff in der Vorrichtung auf dem Tisch, die Luftröhre über ein Ventil gestülpt. „Sie ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen“, erklärt Annette Heß und schaltet es ein. Es dauert ein paar Sekunden, dann blähen sich die Lungenlappen vor den Augen der staunenden Schüler auf. Biologie ganz praktisch erlebten die Neuntklässler der Schule im Alsterland gestern am Leibniz-Forschungszentrum Borstel. Dabei ging es um Lungenerkrankungen, insbesondere Tuberkulose, und was das mit Shisha-Rauchen zu tun hat.

Schüler-Projekt mit anschaulichen Experimenten zur Lungenforschung am Zentrum in Borstel – und den Risiken des Shisha-Rauchens.

Bilder einer Lungenspiegelung geben den Schülern Einblick in das Innere der Lunge. „Wie ein Baum verzweigen sich die Bronchien“, erklärt Oberarzt Dr. Christian Herzmann. Immer feiner. Bis zu den Lungenbläschen, die am Ende zu Tausenden traubenartig angeordnet sind. „Hier passiert der Luftaustausch“, erklärt der Lungenarzt. Über die Oberfläche der Bläschen, die ausgebreitet auf dem Boden die Größe eines Tennisplatzes ergeben würde, gelangt der Sauerstoff in die Blutbahn.

Verkleben die Lungenbläschen etwa durch Teer vom Rauchen, verringert sich diese Fläche, das Atmen fällt schwerer. Auch der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien über kleinste Härchen werde durch Rauchen lahmgelegt. Dann sehe die Lunge aber nicht so schön rosig aus wie die des Schweines auf dem Tisch, sondern grau, verdeutlicht der Arzt.

Zigaretten rauchen scheint bei den Jugendlichen heute längst nicht mehr so cool zu sein, dafür im Trend sind Wasserpfeifen, Shishas genannt. Die gesunde Variante des Rauchens? „Das ist eine Mär“, stellt Assistenzärztin Dr. Claudia Bedstedt klar. Mit Hilfe eines Quiz arbeiten sich die Schüler bei ihr und Kollegin Dr. Charlotte Runge an die Risiken heran. Das Wasser filtere keine Schadstoffe aus dem Rauch, wie viele glaubten. Es kühlt lediglich. „Somit lässt sich der Rauch noch tiefer inhalieren als bei einer Zigarette, und der Dreck verteilt sich überall in der Lunge.“ Selbst wenn kein Tabak, sondern lediglich Steine mit Aromastoffen angezündet werden, entstünden dabei Chemikalien. Was die auf lange Sicht anrichten, sei noch unbekannt.

Fakt aber ist, dass über Wasserpfeifen Bakterien übertragen werden können. Herpes, bronchiale Erkrankungen. . . Was sich so alles auf dem Mundstück einer Shisha tummelt, werden die Schüler in ein paar Tagen erfahren, wenn der Abstrich ausgewertet ist, den sie selbst abnehmen durften.

Tuberkulose-Bakterien werden darauf wohl nicht zu finden sein, über die die Schüler am Vormittag beim Test einer Aufklärungs-App informiert wurden und die ein spezieller Forschungsschwerpunkt in Borstel sind. Aber, so betont Ärztin Charlotte Runge, es seien Fälle dokumentiert, bei denen die schwere Lungenerkrankung über Wasserpfeifen übertragen wurde – unter anderem auch in Deutschland.

„Ich wurde darin bestärkt, nicht mit dem Rauchen anzufangen“, sagt Schüler Henner Loeding am Ende des Tages in Borstel, der viel spannender gewesen sei als gedacht: „Es hat Spaß gemacht.“

Schüler testen Aufklärungs-App zu Tuberkulose

Explain TB – erkläre Tuberkulose – heißt die Smartphone-App, die das Forschungszentrum Borstel zur Aufklärung über die Lungenkrankheit entwickelt hat. Weltweit erkranken jährlich neun Millionen Menschen an TB, vor allem in armen Ländern, aus denen auch Flüchtlinge nach Deutschland kommen. In 38 Sprachen erklärt die App Vorsichtsmaßnahmen, Ansteckungsgefahr, Behandlungsansätze und vieles mehr – in Textform und als Audioversion. Ob die App tatsächlich hilft, Wissen über TB zu verbreiten, soll ein Pilotprojekt mit den 110 Schülern aus Sülfeld und Nahe klären. Dazu sollten sie vor und nach dem Konsum der App-Informationen Fragen beantworten.

Nadine Materne

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