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Vorbildlich: Tierische Blutspender

Wahlstedt Vorbildlich: Tierische Blutspender

Tierklinik Wahlstedt bittet zum Aderlass, denn auch Hundeleben können durch Blutkonserven gerettet werden.

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Die Erstuntersuchung: Tierärztin Lena Herbig (32) von der Tierklinik Wahlstedt nimmt Mischling „Bo“ von Brigitte Heinrich Blut ab.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Wahlstedt. Großes Gewusel im Seminarraum der Tierklinik: Schäferhund „Hanno“, Boxer „Connor“, Labrador „Kira“ und etliche andere Hunde haben es sich um ihre Menschen gemütlich gemacht und warten darauf, dass sie an die Reihe kommen: Gesundheitscheck inklusive Blutabnehmen steht an. Alles für die gute Sache. Die Hunde sollen als Blutspender registriert werden.

LN-Bild

Tierklinik Wahlstedt bittet zum Aderlass, denn auch Hundeleben können durch Blutkonserven gerettet werden.

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„Hundeblut ist knapp, weil die Möglichkeit zur Spende sehr unbekannt ist.“ Christina Grabow, Tierarzthelferin

Dafür ist die komplette DRK-Rettungshundestaffel Segeberg nach Wahlstedt gekommen.

Als erste in Schleswig-Holstein richtete die Tierklinik Wahlstedt vor einigen Jahren die erste Blutbank für Hunde ein. Statt Spenden auf Abruf, gab es fortan auch Blut auf Vorrat. Andere folgten.

Doch der Lebenssaft ist rar. „Dass Hunden damit geholfen werden kann, ist nach wie vor sehr unbekannt. Mitunter fehlt auch einfach das Vertrauen, was mit den Spenden geschieht und dann gibt es tatsächlich Leute, die glauben, das sei Tierquälerei", weiß die Tierarzthelferin und tiermedizinische Fachangestellte Christina Grabow aus ihrem Arbeitsalltag. Sie schaut auf ihre Liste und nickt Tierärztin Lena Herbig zu. Wiegen, Zähne kontrollieren, abtasten, abhören, Blutabnehmen, „der nächste Bitte“.

Es sei großartig, wenn sich gleich so viele bereit erklären, sagt die 32-Jährige: „ Aber wir brauchen dringend noch mehr Spender.“ Sie schaut auf die bunt zusammengewürfelte Truppe: ausgewachsene und pubertäre, große und kleine, Hunde mit langem Fell und mit kurzen — sie alle könnten Leben retten. Nicht nur das von vermissten Menschen, wenn sie in die Suche gehen, sondern auch das von Artgenossen. Viel braucht es dazu nicht: Kerngesund müssen sie sein, ein gewisses Gewicht und Alter müssen sie haben.

Andernorts werden Spenderlisten geführt, doch bis ein Hund im Fall der Fälle vor Ort ist, vergeht oft viel Zeit. Das mussten auch die Rotkreuzler erleben. „Wir haben gerade einen unserer Rettungshunde verloren“, erinnert Conny Böge an den schrecklichen Fall von Rhodesian Ridgeback „Frieda“. Eine Magendrehung hatte die Supernase fürs Mantrailing schlimm erwischt. Ein schwere Operation und eine dringende Blutspende waren nötig. Doch die sofort begonnene Telefonaktion dauerte einfach zu lange. „Frieda“ schaffte es nicht. Ein schwerer Schlag für ihren Halter und die ganze Staffel.

„Definitiv spielt es eine Rolle, dass es jeden unserer Hunde treffen könnte“, nennen einige aus der Runde als Grund, selbst aktiv zu werden.

In der tierischen Intensivmedizin ist vieles möglich, was vor Jahren noch undenkbar schien. Bluttransfusionen helfen bei schweren Operationen mit hohem Blutverlust, bei Notoperationen, bei schweren Verletzungen. Sie können zur Stabilisierung beitragen, bevor die eigentliche Therapie gestartet werden kann. Dabei unterscheidet man zwischen Vollblut und Blutplasma. Ersteres wird innerhalb von 14 Tagen verbraucht. Plasma, also der flüssige Teil des Blutes, der Abwehr- und Nährstoffe sowie Hormone transportiert, ist gefroren monatelang für bestimmte Behandlungen haltbar. Weit über zehn Blutgruppen unterscheidet man beim Hund. Doch anders als beim Menschen ist es unter Umständen möglich, Spenderblut, das nicht identisch ist, bei einer Transfusion zu verwenden. Die Verträglichkeit wird im Vorfeld getestet.

Die Aktion in Wahlstedt geht zu Ende. Einige Hunde waren zu leicht, einer hatte so viel Stress zu Untersuchungsbeginn, dass Tierärztin Lena Herbig abbrach: „Eine gewisse Gelassenheit der Tiere ist schon wichtig, sie sollen sich nicht schlecht fühlen.“ Hundehalterin Conny Böge pflichtet ihr bei. Dennoch: „Dass unsere Hunde Blut spenden, ist das geringste, was wir tun könne“, betont sie.

So kann Ihr Hund im Notfall andere Tierleben retten

Rundum gesund muss ein Hund sein, regelmäßig entwurmt, geimpft und deutlich über 15 Kilogramm, idealerweise mehr als 25 Kilo auf die Waage bringen, dann sind das schon beste Voraussetzungen dafür, dass er tierischer Blutspender sein kann.

Mindestens ein Jahr ; aber nicht über acht Jahre alt sollte der Hund bei der Erstuntersuchung und möglichen Spende sein. Ein gutmütiger und gelassener Charakter ist von großem Vorteil, denn derHund soll keinem unnötigen Stress ausgesetzt werden. Nach einer eingehenden Erstuntersuchung des allgemeinen Gesundheitszustandes und des Blutes — alles für den Halter kostenlos — wird festgelegt, ob der Vierbeiner als Blutspender zugelassen werden kann. Dafür wird er in die Blutspenderkartei aufgenommen und kann, wie Menschen auch alle drei Monate zum helfenden Aderlass antreten.

Je nach Körpergewicht werden dem Hund zwischen 300 und 500 Milliliter Blut abgezapft.

Weitere Informationen gibt es bei der Tierklinik Wahlstedt, Wiesenweg 2-8, Telefonnummer 04554/ 2227 oder 2228. hil

Von Heike Hiltrop

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