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Vortrag weckt Erinnerungen an die Kindheit

Bad Segeberg Vortrag weckt Erinnerungen an die Kindheit

Heimatforscher Hans-Werner Baurycza referierte über den historischen Handel in Bad Segeberg bis vor etwa 50 Jahren.

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Eine Reise in die eigene Vergangenheit war der Vortrag für die Schwestern Kerin Witt (l.) und Britta Wesche. Ihr Großvater war Inhaber der Firma C.F. Vogt gewesen.

Quelle: Fotos: Silvie Domann

Bad Segeberg. 100 Liter Freibier (Ricklinger Landbrauerei), Schmalzbrote (Bäckerei Gräper), Kaffee (Kalkberg Kaffee) und eine Menge Geschichte waren der Renner am Mittwochabend im Rathaussaal. 260 Zuhörer folgten den spannenden Ausführungen von Hans-Werner Baurycza. Dieses Mal referierte der Heimatforscher über die Bad Segeberger Geschäftswelt vor mehr als 50 Jahren.

LN-Bild

Heimatforscher Hans-Werner Baurycza referierte über den historischen Handel in Bad Segeberg bis vor etwa 50 Jahren.

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Alte Schwarz-Weiß-Fotografien, Postkarten, Quittungen und Werbungen hatte Baurycza zusammengestellt, zu jedem Gebäude und Inhaber wusste er etwas zu erzählen. Kaum warf er einen Namen der Zuhörerschaft zu, ging ein Raunen durch den voll besetzten Saal. „Ja, genau so war das.“

Bis in die 1960er Jahre hinein florierte die Wirtschaft der Kalkbergstadt. 25 Milchläden, Lebensmittelgeschäfte, vier Schlachtereien in der Oldesloer Straße, Textilfabriken, Schuster, Tischler und viele Betriebe mehr hatten sich in Bad Segeberg angesiedelt. In den Häusern der Innenstadt wechselten sich Handwerk und Handel ab. Auch die ersten Autohäuser hatten ihre Ausstellungsräume in der Innenstadt.

„Irgendwie musste Autohaus Jansen die Autos in sein Geschäft in der Kurhausstraße bekommen. Durch die Tür passten die Mercedes nicht“, erzählte Baurycza. Er zeigte anhand eines Fotos die Lösung des Problems. Durch das große Kipp-Schaufenster wurden die Wagen hineinbugsiert. Die Konstruktion dafür hatte die Firma Schweim gebaut.

Witzig waren auch die Anekdoten, die Baurycza zu vielen Fotos erzählte. So gab es zum Beispiel bei Radio Abraham einen Automaten, aus dem für fünf Euro Schallplatten gezogen werden konnten. Es gab nicht nur alles zu kaufen, einige Waren konnten auch ausgeliehen werden: Bücher bei Köhrsen, Geschirr in einem Warenhaus. Nicht zu vergessen Händler F. Jürgens, der eine Marktlücke entdeckte und sich auf die Requisiten für die Karl-May-Spiele spezialisiert hatte. „Jürgens war sogar in den USA und hat dort Sachen verkauft“, erzählte Baurycza.

„Bei Thams & Garfs haben wir uns in den Pausen Süßigkeiten gekauft“, erinnerten sich die Freundinnen Bärbel Brumshagen und Magret Thiegs. Für zwei Pfennige konnte man dort als Kind noch Bonbons kaufen. Schokolade und Marzipan gab es lose. „Die beim Abschneiden heruntergefallenen Reste wurden abends von den Lehrlingen zusammengefegt, in eine Tüte getan und dann verkauft“, berichtete Baurycza und vermutete, dass der Lebensmittelladen deshalb liebevoll „Hammel und Gammel“ genannt wurde.

Für Frauke Brettin war der Vortrag wie ein Rückblick in ihr Leben. „Fräulein Reher war mein Lieblingsladen als Kind“, sagte die 68-Jährige. In der Großen Seestraße ist sie aufgewachsen, da war es nur ein Sprung zum Süßwarenladen von Fräulein Reher an der Kurhausstraße. „Maiblätter waren mein Favorit, die gab es für zehn Pfennig und schmeckten nach Waldmeister.“ Als Jugendliche war dann die Eisdiele wichtig. Und wie viele Segeberginnen hatte auch sie ihr schwarzes Konfirmationskleid bei Schierbeck gekauft. „Und die Gardinen haben wir bei Greve erstanden“, so Frauke Brettin, die Baurycza viele alte Postkarten ihres Mannes zur Verfügung gestellt hat.

„Ich bin total begeistert, das war meine Kindheit, auch wenn ich vieles nur noch aus Erzählungen von meinem Vater kenne“, sagte Kerin Witt aus Freiburg. Sie war zu Besuch bei Mutter und Schwester Britta. „Unser Großonkel war der Bäcker Wesche, unser Opa hatte die Firma C.F. Vogt in der Kirchstraße“, erzählte Britta Wesche. Eisenwaren, Porzellan und Küchengeräte gab es dort seit 1809 zu kaufen.

Silvie Domann

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