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Segeberg Vorwurf der Vernachlässigung: Baby hätte fast nicht überlebt
Lokales Segeberg Vorwurf der Vernachlässigung: Baby hätte fast nicht überlebt
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21:16 20.04.2016

Sie haben ihrem wenige Wochen alten Säugling so wenig Nahrung gegeben, dass er diese Vernachlässigung beinahe nicht überlebt hätte. So der schwere Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen einen 26-jährigen Wahlstedter und seine 25-jährige ehemalige Freundin, die Mutter des Kindes. Der behinderte Junge ist heute zweieinhalb Jahre alt und lebt in einem Pflegeheim im Herzogtum Lauenburg. Zu einem Urteil kam es gestern vor dem Bad Segeberger Schöffengericht, wo sich die Eltern wegen Misshandlung eines Schutzbefohlenen verantworten müssen, noch nicht.

„Mir fehlt die Kraft,

da jetzt hinzufahren.“ Vater Sven G. auf die Frage, warum

er seinen Sohn seit zwei Jahren

nicht besucht habe

Aus dem

Amts-

gericht

„Als Eltern

haben Sie beide sich

abgemeldet.“Richterin Sabine Roggendorf an die

Adresse der beiden Angeklagten

Es ist der 10. Dezember 2013. Beim Neumünsteraner Kinderkardiologen Dr. Johannes Kandzora erscheinen die jungen Eltern Daniela D. und Sven G. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert). Ihre Wahlstedter Kinderärztin habe ihnen empfohlen, einen Kardiologen aufzusuchen, da sie beim knapp sechs Wochen alten Roger untypische Herzgeräusche festgestellt habe. Mit dem Herzen von Roger ist alles in Ordnung, nicht aber mit seinem Zustand: „Erschreckend“, fand der Kardiologe, dessen Frau ebenfalls Kinderärztin ist. Das Arzt-Ehepaar ruft den Notarzt und lässt das Baby ins Friedrich- Ebert-Krankenhaus bringen. Der Säugling wiegt da noch 2320 Gramm — das sind 540 Gramm weniger als bei seiner Geburt. Außerdem ist das Kind völlig dehydriert, wurde also nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt. Außerdem wird bei Roger im Krankenhaus eine Temperatur von nur 33,8 Grad gemessen — eine starke Unterkühlung, weil der Junge zu wenig Kleidung angezogen bekam, sagt Staatsanwalt Dr. Achim Hackethal.

Das Schlimmste aber: Roger weist auf seinem kleinen Köpfchen, genauer gesagt an der Stirn, zwei Hämatome auf, ein jüngeres und ein älteres. Wurde er geschlagen oder gedrückt? Am ersten Verhandlungstag gibt es dazu keine Aufklärung. Die Mutter dementiert energisch und behauptet, die Blutergüsse seien nicht dagewesen, als sie dem Jungen vor dem Arztbesuch die Mütze aufgesetzt habe.

Ein Wunschkind, so die Mutter zuvor in der Verhandlung, sei Roger nicht gewesen — sie sei ungewollt schwanger geworden. Doch dann habe sie sich mit ihrem damaligen Freund Sven G. zusammengesetzt und man habe besprochen, dass man das schon schaffen werde mit dem Kind. Und anfangs sei man auch glücklich gewesen als kleine Familie, wie der Vater vor Gericht bekennt.

Gestillt wurde der kleine Roger nur zwei, drei Tage lang. Dann sei die Milch bei ihr versiegt, sagt Daniela D.. Welche Marken Babykost sie danach verwendet habe, könne sie nicht sagen — sie habe da verschiedenes ausprobiert. Roger habe keinen großen Appetit gehabt, habe zwar nicht genug zu jeder Mahlzeit, über den Tag verteilt aber genug gegessen. Er sei dünn gewesen, aber dass dies schon bedenklich sei, sei beiden nicht in den Sinn gekommen.

Als Richterin Sabine Roggendorf für die Prozessbeteiligten erstmals die Akte mit den Fotos herausholt, die den kleinen Roger bei der Einlieferung ins Friedrich-Ebert-Krankenhaus zeigen, kehrt Daniela D. zu ihrem Platz zurück, beginnt zu weinen. Warum das so sei, fragt die Richterin sie später. Sie habe ihren kleinen Roger so nicht in Erinnerung, und außerdem habe das Krankenhauspersonal bei den Fotos damals sicher mit dem Licht manipuliert. Das habe man selbst im Jugendamt gesagt.

Dr. Maria Thuresson hat diese Fotos gemacht. Von Manipulationen weiß sie nichts, wohl aber, dass der Flüssigkeitsmangel Roger am Anfang fast das Leben gekostet hätte, sagt sie. Ob seine Eltern am Ende auch verantwortlich sind für die Behinderung des Jungen, konnte am ersten Tag nicht geklärt werden. Seit zwei Jahren haben weder Vater noch Mutter den kleinen Roger besucht.

Von Lothar Hermann Kullack

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