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Segeberg WZV will alle 180000 Mülltonnen chippen
Lokales Segeberg WZV will alle 180000 Mülltonnen chippen
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18:35 09.10.2018
Der WZV möchte die Papiercontainerstellplätze im Kreis Segeberg nicht mehr bewirtschaften. Quelle: FOTO: Irene Burow
Bad Segeberg

Es wird optimiert und gerechnet beim WZV: Der Wege-Zweckverband der Kreisgemeinden will alle Mülltonnen im Kreis mit einem Chipping-System versehen. Der Abfallausschuss hat sich am Montag dafür ausgesprochen. Stimmen auch Hauptausschuss und Verbandsversammlung zu, betrifft das alle 180000 Behälter, in denen Papier, Bio- und Restmüll gesammelt wird. Für die Bürger bedeutet das: Steht die falsche oder eine Tonne am falschen Tag an der Straße, wird sie nicht geleert. Außerdem fliegen Schwarzbehälter, also gestohlene oder nichtgemeldete Tonnen, auf. Sogenannte Doppelleerungen belaufen sich laut WZV zwischen drei bis sieben Prozent. „Jede Tonne extra kostet uns“, sagt Julia Hobohm, die den Bereich Abfall beim WZV leitet.

Tonne wird mit Haushalt „verknüpft“

Der Chip ist so groß, wie eine Zwei-Euro-Münze und wird am oberen Rand der Mülltonne verankert. Er bekommt eine Codenummer, mit der die Mülltonne und das dazugehörige Grundstück oder ein Haushalt eindeutig identifiziert werden können. Gespeichert werden Adresse, Behältergröße und Abfallart. Wenn die Mülltonne geleert wird, werden gleichzeitig die Daten ausgelesen. Die Fahrzeuge werden mit entsprechenden Lesegeräten ausgestattet, die Datum, Uhrzeit und GPS-Position festhalten.

So sieht der Chip aus, der an jeder Tonne befestigt werden soll. Quelle: WZV

Fehlangaben werden nachvollziehbar

Für den WZV bedeutet das neue System eine bessere Kontrolle. „Wir wissen dann, welche Tonne wo steht und bekommen einen exakten Behälterstand“, sagt Julia Hobohm. Werden bei der Erfassung falsche Tonnengrößen oder zu viele Behälter festgestellt, wird das angepasst - und ein im Regelfall höheres Entgelt berechnet. Der WZV kann aber auch besser Auskunft bei Reklamationen geben: Zum Beispiel kann einen Tag später genau gesagt werden, wann welche Tonne wo geleert worden ist.

WZV hinkt hinterher

„Viele Hunde sind inzwischen gechipt, damit nachvollziehbar ist, wem sie gehören“, sagte die Ausschussvorsitzende Karin David. „So ähnlich ist das dann auch bei unseren Mülltonnen.“ Sie hält das für sinnvoll. „Andere Abfallwirtschaften arbeiten schon lange damit, wir hinken hinterher.“

Ellerau wird Testgemeinde

Damit die Umrüstung nicht ad hoc passiert, wird Ellerau zur Testgemeinde. Hier sollen die Tonnen schon im Sommer 2019 gechipt werden. Die 6000-Einwohner-Gemeinde hat 4900 Mülltonnen. Die Erfahrungen sollen später genutzt werden. Die Umrüstung kostet drei Euro pro Tonne, also mehr als eine halbe Million Euro für alle Mülltonnen im Kreisgebiet. Nach etwa drei bis fünf Jahren soll sich das neue System auszahlen.

Es werden Daten erfasst

Die Ausschussmitglieder äußerten am Montag Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Die Gesellschaft sei derzeit höchst sensibel, sagte etwa Knut Hamann, Bürgermeister von Gönnebek. „Es wird sicher kritische Bürger geben“, merkte Hamann an. Das Ziel sei aber eine höhere Entgeltgerechtigkeit, betonte Nis Nissen, Geschäftsführer der WZV-Entsorgung. „Wenn wir uns jetzt nicht damit beschäftigen, verschlafen wird die Moderne.“ Nissen: „Sie haben recht, wir sammeln Daten. Die Position der Tonne und zu welchem Haushalt sie gehört. Aber alles in Übereinstimmung mit Landes- und Bundesdatenschutzgesetzen.“ Der Hauptausschuss kommt Ende Oktober zusammen, um das Chipping-System weiter zu besprechen.

Betriebe entsorgen Kartonage unerlaubt

Der WZV bringt weitere Projekte auf den Weg, um effizienter zu arbeiten. Ein „entscheidendes Rädchen für Optimierung“, so Nissen: Der WZV will seine 34 Standorte für Papiercontainer ab 2019 im Kreisgebiet aufgeben. Rund 64000 Euro sollen so jedes Jahr gespart werden. Für den Zweckverband sind sie unwirtschaftlich: Die Leerung mit Spezialfahrzeugen ist aufwendig und teuer und steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Grund dafür ist auch, dass Betriebe immer wieder ihre Kartonage unerlaubt entsorgen – dafür müssen sie zahlen.

Der WZV dokumentiert immer wieder verdreckte Papier-Stellplätze. Quelle: WZV

Gemeinden klagen über verdreckte Plätze

Zudem sind die Plätze oft verdreckt; Bürger stellen beliebigen Müll daneben. Die Gemeinden klagen immer wieder. „Bei uns ist das ganz schlimm. Sperrmüll, Sessel und Bettgestelle stehen da“, sagte Karl-Heinz Ziegenbein, Bürgermeister in Todesfelde. Er und andere befürchten, dass der Müll ohne die Containerstellplätze zunehmend in der Umwelt landet. „Wir haben bisher mit der Firma Brockmann zusammengearbeitet. Nur weil wir uns zurückziehen, heißt das nicht, dass keine Entsorgung mehr möglich ist“, sagte Julia Hobohm. Papier können die Bürger weiter in blauen Tonnen entsorgen oder auf Recyclinghöfen. Damit sich Bürger auf die Änderungen einstellen können, dürfen sie bis 1. Februar 2019 Übermengen neben die blauen Tonnen stellen.

Halbes Jahr Vorlauf mit Ellerau

Ein weiteres großes Thema ist die Umstellung des Gebühreneinzugs. Ab Anfang 2020 will der WZV das wieder selbst abwickeln. Die Bürger müssen den Müll dann nicht mehr über die Ämter, sondern direkt beim WZV an-, ab oder ummelden. An einem benutzerfreundlichen System wird derzeit gearbeitet. Auch hierfür soll Ellerau Testgemeinde werden. Der Verwaltungsaufwand soll insgesamt verkleinert und die Bestandszahlen korrekter werden. Ämter und WZV stehen damit vor einer großen Herausforderung.

Irene Burow

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