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Segeberg Wahlkampfhilfe aus Brüssel
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20:18 14.09.2013
Ein Präsent aus der Karl-May-Stadt für Martin Schulz (M): Bürgermeister Dieter Schönfeld (r.) überreichte ihm Freitag Abend in der Jugendakademie eine Friedenspfeife. Der Präsident des Europa-Parlaments unterstützte den SPD-Direktkandidaten Franz Thönnes beim Wahlkampf. Quelle: Fotos: urs

Seine europäische Karriere begann 1994, als er in das EU-Parlament gewählt wurde, seit dem vergangenen Jahr ist er dessen Präsident — und das Gesicht der SPD, wenn es um Europa geht. Martin Schulz (58) steht für klare Bekenntnisse und deutliche Worte, aber auch für Witz, Humor und Selbstkritik. Was er sagt, kommt schnell und pointiert — der Beifall ist ihm sicher.

Eine geschickter Zug von Franz Thönnes, dem SPD-Direktkandidaten für den Wahlkreis 8 (Segeberg-Stormarn-Mitte), sich Martin Schulz gewissermaßen als Wahlkampfhelfer zu holen. Beide Männer verbindet eine durch langjährige politische Zusammenarbeit gewachsene Freundschaft. Verständlich, dass Schulz für Thönnes wirbt: „Wenn ich in Segeberg wohnen würde, würde ich den Franz wählen.“ Das Publikum in der Jugendakademie lachte und klatschte. Etwa 80 Besucher waren am Freitag Abend gekommen, neben den Offiziellen wie Landrätin Jutta Hartwieg, Bürgermeister Dieter Schönfeld, Jens Kretschmer (Wege-Zweckverband), Vertreter der Europa-Union und der örtlichen SPD.

„Europa gemeinsam gestalten“ — unter diesem Titel umriss Schulz seine Vorstellungen von einem zukünftigen Europa. Er gab ein klares Bekenntnis zur Europäischen Union ab. Gäbe es eine Alternative?

„Ja“, sagte er, „die gibt es. Eben keine Europäische Union.“ Nur sei diese Alternative — das Auseinanderbrechen des europäischen Verbundes — kein Schritt nach vorn. Nationalstaaten werde es immer geben, doch müsse man damit aufhören, Misserfolge zu europäisieren und Erfolge zu nationalisieren.

Die EU müsse sich künftig darauf ausrichten, was sie machen könne und solle. „Nicht alles muss in Brüssel gemacht werden“, unterstrich Schulz. Was lokal gemacht werden könne, müsse lokal gemacht werden, ebenso regional und national.

Der Parlamentspräsident warnte die EU-Mitglieder davor, den Blick nur auf das eigene Land zu richten und nicht über die Grenzen der Union zu blicken; es gebe lediglich rund 507 Millionen Europäer, was bedeutet, das etwa 92 Prozent der Menschen auf dem Globus nicht in Europa lebten. „Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert, in dem die unverrückbare Vormachtstellung des Westens zu Ende geht“, betonte er. Welche Rolle werde Europa später wohl spielen?

Schnelle Hilfe forderte Schulz zum Abbau der gewaltigen Arbeitslosigkeit unter den EU-Jugendlichen. Und rief in diesem Zusammenhang dazu auf, kleine und mittlere Unternehmen in den hoch verschuldeten EU-Ländern Griechenland und Italien finanziell zu fördern, denn Geld sei vorhanden. Diese Unternehmen seien der Schlüssel zum Erfolg, könnten Arbeits- und Ausbildungsplätze bereitstellen. „Dort haben die Leute eine Fülle von Ideen und Aufgaben. Aber keiner bekommt Kredite“, kritisierte er.

Der Partei eng verbunden
Martin Schulz, geboren am 20. Dezember 1955 in Hehlrath, damals Gemeinde Kinzweiler, heute Stadt Eschweiler geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lernte Buchhändler und eröffnete 1994 eine eigene Buchhandlung in Würselen. Seit 1974 ist er SPD-Mitglied, hatte verschiedene Aufgaben und Funktionen auf kommunaler Ebene inne, war von 1987 bis 1998 Bürgermeister der Stadt Würselen. Ein Jahr später wurde er in den SPD-Parteivorstand und in das Parteipräsidium gewählt.

Schulz gehört seit 1994 dem Europäischen Parlament an, war 1999 Europa-Wahlkampfleiter, von 2000 bis 2004 Vorsitzender der SPD-Gruppe im Europäischen Parlament und dort auch stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas. Im Januar vergangenen Jahres wurde Martin Schulz zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.

In seiner Freizeit spielt der 58-Jährige gern Fußball — er ist Fan des 1. FC Köln — und liest viel.

Ein Abend mit dem EU-Präsidenten: Max-Fabian und „Jung gegen Rechts“
Es war ein besonderer Abend für den 18-jährigen Max-Fabian Wolff-Jürgens aus der kleinen brandenburgischen Gemeinde Kyritz: Der Präsident des Europa-Parlaments, Martin Schulz, nahm sich für ihn trotz engen Terminkalenders eine knappe halbe Stunde Zeit. „Ich will ihm die Initiative ,Jung gegen Rechts‘ vorstellen“, erklärte Max-Fabian vorab. Eine Initiative, die er zusammen mit anderen in seinem Heimatort gegründet hat. „Wir wollen junge Leute dazu motivieren, sich mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auseinanderzusetzen“, so der 18-Jährige.

Doch Information und Aufklärung genügen nicht, die Praxis ist entscheidend. Deshalb hat Max-Fabian mit anderen Heranwachsenden in Kyritz einen Sportverein gegründet, den 1. FC Absturz, in dem verschiedene Nationen vertreten sind:. „Alle können mitspielen, alt und jung, Profis und Amateure.“ Nach der Schule will Max-Fabian studieren, eventuell auch in Amerika. Dort hat er mit seiner Familie sieben Jahre gelebt, spricht fließend Englisch. Auch der Eintritt in die SPD steht bevor. „Meine Eltern haben mich politisch erzogen und mir bestimmte Werte mitgegeben“, erklärte er. Der Abend mit Martin Schulz wird ihn sicherlich darin bestärken. urs

Ursula Kronlage

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