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Segeberg Warum nicht über Aldi wohnen?
Lokales Segeberg Warum nicht über Aldi wohnen?
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21:40 30.04.2018
„Wir werden mit Aldi und Edeka noch einmal sprechen.Antje Langethal Bad Segeberger Bauamtsleiterin
Bad Segeberg

Die Not ist groß: Es gibt kaum günstigen Wohnraum in Bad Segeberg. Da liegt es nahe, jedes Bauvorhaben in der Stadt daraufhin abzuklopfen, ob dort auch Wohnungsbau möglich ist. Schon im Februar 2016 fasste die Stadtvertretung den Beschluss, eine Bebauungsplanänderung für das Einkaufszentrum am Wohngebiet Christiansfelde zu ermöglichen. Das 2001 errichtete Nahversorgungszentrum soll modernisiert und erweitert werden. Der Discounter Aldi will am Standort seinen bisherigen Fachmarkt abreißen und durch einen Neubau mit bis zu 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche ersetzen. Edeka will seine zulässige Verkaufsfläche auf etwa 2200 Quadratmeter erweitern und zudem einen Backshop mit Café errichten. Am Standort gibt es noch den Drogeriefachmarkt Rossmann mit jetzt 587 Quadratmetern Verkaufsfläche. Auch hier sollen mehr Quadratmeter möglich sein.

So viel Fläche soll neu überbaut werden? Warum lassen sich da im Obergeschoss nicht noch Wohnungen einrichten, Büros oder Arztpraxen? Jetzt intervenierte der Bauausschuss, beschloss bei drei Enthaltungen einstimmig die Verwaltung zu beauftragen, während einer Pause im Planverfahren Gespräche mit den Investoren zu führen. Mit dem Ziel, eine Neuplanung plus Verdichtung mit integrierten Wohneinheiten zu erreichen.

Die Idee dazu war Wolfgang Tödt von der Wählergemeinschaft bei der Lektüre der Lübecker Nachrichten gekommen. Dort wurde am 8. April berichtet, wie Discounter in Großstädten mit dem zunehmenden Platzmangel umgehen. Eingeschossige Flachbauten mit üppigen Parkplätzen zum Einkaufen – dieses Bild in deutschen Städten dürfte seltener werden. Lebensmittelhändler errichten zunehmend Filialen mit angeschlossenen Wohnungen, Arztpraxen und Büros. Die „Nachverdichtung“ gewinne an Fahrt. Aldi Süd habe danach ähnliche Pläne: In Ballungsräumen wie Köln würden Filialen in Kombination mit Wohnungen realisiert. Den Konzernen werde deutlich, dass mehrgeschossige Handelsimmobilien betriebswirtschaftlich effizienter und nebenbei näher am Kunden seien.

Klar ist: Bad Segeberg ist nicht Frankfurt oder Köln. Aber auch hier wird der Platzmangel für Bauprojekte immer größer. Über Verdichtung in bestehenden Wohnquartieren wird immer häufiger abgestimmt.

Jörg Röhling (SPD) hielt es in der Bauausschusssitzung ebenfalls für eine gute Idee, die Investoren darauf anzusprechen. „Wenn man ihnen die Möglichkeit einräumt, statt Gebäude mit neun Metern Höhe nun mit 15 Metern zu bauen und im Obergeschoss Wohnungen zu errichten, könnte das doch auch attraktiv sein.“ Und wenn der Grundstückseigentümer nicht möchte, könne er ja immer noch eingeschossig bauen. Henning Vollert (Grüne): „Vielleicht können wir auf positives Entgegenkommen hoffen.“ Norbert Reher (CDU) hingegen sieht die Stadt „in der Pflicht, über den Antrag des Investors zu entscheiden“ und nicht über dessen Gemütslage zu diskutieren. Man sollte hier die Kirche im Dorf lassen, mahnte er.

Auch die Verwaltung ist skeptisch, ob die Investoren bereit seien, von ihren ursprünglichen Plänen noch abzurücken. Doch vielleicht habe sich die Geschäftspolitik in den Chefetagen der Konzerne ja zwischenzeitlich verändert. Die Verwaltung sei bereit, hier noch einmal nachzuverhandeln.

 Von Wolfgang Glombik

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