Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Was tun mit dem maroden Obdachlosenheim?
Lokales Segeberg Was tun mit dem maroden Obdachlosenheim?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:51 25.10.2013
Der erste Eindruck ist positiv — von außen. Von innen stellt sich die Situation im Obdachlosenheim Oering für die Ausschussmitglieder anders dar.

Von außen sieht das Obdachlosenheim in Oering beinahe wie ein normales etwas langgestrecktes Wohnhaus mit mehreren Eingängen aus — besser als erwartet. Aber wie das so ist mit ersten Eindrücken: Sie täuschen oft. Beim Betreten der Schlichtwohnungen ist gleich klar: Hier möchte man nicht wohnen müssen. Mit dem Zustand der Immobilie und möglichen Verbesserungen hat sich der Zentralausschuss des Amtes Itzstedt befasst.

Acht Menschen könnten in den keinen Wohnungen leben. Sie bestehen aus Ein- und Zweibettzimmern mit je einem Waschbecken und mit einer Toilette je Wohnung. Für alle Bewohner gibt es zudem ein gemeinsames Duschbad. Das Haus ist kalt, es gibt keine Zentralheizung — in jedem Raum gibt es einen Ofen. Auf einem der Schornsteine hat sich eine Birke prächtig entwickelt. Isolierung? Fehlanzeige.

Das Gebäude ist etwa 40 Jahre alt, ist 1981 zuletzt saniert worden: „Verblendstein, Elektrik und Wasserversorgung“, berichtete ein Amtsmitarbeiter. „Ansonsten ist keine wertige Sanierung vorgenommen worden.“ Zurzeit leben dort zwei Menschen. Kaum vorstellbar, dass hier eine „ganz normale“ Familien mit Kindern untergebracht werden müsste, deren Haus beispielsweise abgebrannt ist. „Die müssten wir im Hotel unterbringen“, sagte jemand aus der Verwaltung.

Das Auskommen der dort untergebrachten zwei Personen mit den Nachbarn, die unmittelbar angrenzend leben, geht nicht immer ohne Reibungen ab. Eine Frau machte den zwölf Ausschussmitgliedern, einigen Amtsmitarbeitern und einem halben Dutzend Bürgern klar, dass sie die Unterkunft lieber woanders sähe. Mit den jetzigen Bewohnern habe sie zwar keine Probleme, es habe aber schon genügend Situationen gegeben, die sie nicht wieder erleben möchte. Ein Bürger stimmte ihr zu: „Der nächste Laden ist fünf Kilometer entfernt, wie sollen die dorthin kommen?“ So eine Einrichtung wäre besser in Orten mit entsprechender Infrastruktur untergebracht, meinte er.

Ähnlich sieht dies der einstimmig gewählte Ausschussvorsitzende Holger Criwitz (seine Stellvertreterin wurde die Sether Bürgermeisterin Maren Storjohann). Criwitz ist Bürgermeister von Tangstedt, wo es eine „sehr gute Obdachlosenunterkunft“ gebe. Wie er den LN sagte, habe sich der Ausschuss vertagt. Bevor eine Entscheidung getroffen werden solle, ob die Immobilie in Oering saniert oder ob ein neues Heim dort oder anderswo gebaut werden sollte (beides würde gut eine viertel Million Euro kosten), wolle sich der Ausschuss, der nach den Neuwahlen das erste Mal getagt hat und dem einige neue Gesichter angehören, die Einrichtung in Tangstedt ansehen. Ohne eine Entscheidung vorwegzunehmen: „Ich glaube, an dieser Stelle in Oering würde man nicht neu bauen, das liegt mitten im Ort und es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten.“ Er könne sich vorstellen, die Unterkunft woanders hin zu verlegen, statt sie an der selben Stelle zu modernisieren.

„Ich glaube, an dieser Stelle würde man nicht neu bauen, das liegt mitten im Ort und es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten.“
Ausschussvorsitzender Holger Criwitz

Christian Spreer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige