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Segeberg Wasser unterm Boden: Mehrzweckhalle geschlossen
Lokales Segeberg Wasser unterm Boden: Mehrzweckhalle geschlossen
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21:31 13.10.2017
Ein See unterm Schwingboden: Unbemerkt sickerte Wasser in die Halle ein. Schulleiter Frank Ulrich Bähr ist jetzt Krisenmanager. Quelle: Fotos: Glombik
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Bad Segeberg

„Eine Katastrophe.“ Der sonst so gelassene Amtsleiter Dirk Gosch spricht Klartext. Ausgerechnet im Winterhalbjahr muss jetzt saniert werden. Das zieht einen Rattenschwanz an Problemen nach sich und betrifft nicht nur die 824 Schüler des Städtischen Gymnasiums, sondern auch viele Freizeitsportler. Für alle müssen Ausweichsportstätten gefunden werden. Das wird kaum gelingen, zumal auch die anderen Bad Segeberger Hallen gut ausgelastet sind.

Die Mehrzweckhalle im Städtischen Gymnasium ist wahrscheinlich sechs Monate geschlossen. Unterhalb des Schwingbodens hat sich Wasser ausgebreitet. Es drang aus Löchern und Spalten in verrosteten Regenfallrohren vermutlich über Monate unbemerkt in die große Halle.

Vereine betroffen

Wo gibt’s noch Hallenzeiten? Sportler von MTV Segeberg, SC Rönnau und Ruderclub sind betroffen, so Kirsten Arnhold von der Stadt. Hockey-, Basketball- und Handball-Sparten könnten in der Mehrzweckhalle nicht trainieren. Turniere, Veranstaltungen müssen ausfallen oder verlegt werden. Dabei seien die anderen bereits Hallen ausgelastet.

Keiner darf hier ’rein: Schon jetzt ist die Halle für die Schüler gesperrt. Der Hausmeister hat die Schlösser ausgetauscht. Schulleiter Frank Ulrich Bähr zeigt die in den Wänden inzwischen freigelegten, verrosteten Fallrohre. Hinter dem Mauerwerk versteckt, passiert das Malheur. Überall sieht man die Spalten und Risse an den Krümmern der verrosteten Rohre. Von hier aus drang Regenwasser unbemerkt unter den Hallenboden. Tückisch. „Wir werden vermutlich den Winter über die Halle nicht zur Verfügung haben.“ Bähr hatte zunächst darum gebeten, mit der Sanierung nach Behebung der Ursache bis März zu warten, doch die Versicherung befürchtet, dass durch die Feuchtigkeit unter dem Hallenboden noch mehr Schaden entstehen könnte.

Die Fallrohre werden in den Herbstferien repariert, meint Schulleiter Bähr, der über die Folgen auch schon den Schulelternbeirat informiert hat. Am kommenden Dienstag ist ein Krisengespräch mit Versicherer, Schulträger und dem Bausachverständigen geplant. Dann wird die Entscheidung fallen, in welchem Umfang der Hallenboden saniert werden muss. Schätzungen über Schadenssummen gibt es noch nicht. Die Versicherung wird für den Wasserschaden aufkommen.

Zuletzt war Sportlehrern aufgefallen, dass sich die Stahlträger für die Reckstangen nur sehr schwer aus den Verankerungen im Hallenboden lösten. Außerdem waren die Stangen feucht, wenn man sie aus der Verankerung zog. Das war kein Grundwasser, wie erst vermutet wurde, hier hatte sich Regenwasser unter dem Boden verbreitet. Außerdem habe man bemerkt, dass im Geräteraum „der Boden nachgab“, berichtet Bähr.

Bad Segebergs Bauamtsleiterin Antje Langethal berichtet außerdem, dass man beim Bohren der Löcher für neue Reckstangenhalterungen der Sache auf den Grund kam. Die im Mauerwerk der Halle liegenden Fallrohre habe man nicht kontrollieren können. Je länger das Wasser in der Halle stehe, desto größer werde der Schaden. „Wir wollen nicht auch noch ein Raumluftproblem mit Schimmelbefall bekommen und müssen deshalb schnell reagieren.“ Sie gehe davon aus, dass der Hallen-Schwingboden nach Beseitigung des Wasserschadens neu verlegt werden muss.

Jetzt rotieren Rathausmitarbeiter und Schulleitung, um Ausweichhallen zu suchen. Es geht darum, vor allem die Sportprofilkurse der Oberstufe zu versorgen, erklärt Schulleiter Frank Ulrich Bähr. Diese müssten jetzt zuerst in anderen Hallen unterkommen, schon weil der Sportunterricht relevant für die Abiturnote sei. Hier zeichne sich ab, so Bähr, dass die Schüler der Oberstufe nachmittags in die Sporthalle der Dahlmannschule ausweichen können. „Wir müssen zusehen, dass wir für Schüler der Mittelstufe und Orientierungsstufe Möglichkeiten suchen, im Winter draußen Sport zu treiben. Vielleicht könnten auch Klassenräume mit Matten ausgelegt werden.“ Die Halle war übrigens schon häufiger Sorgenkind: In den vergangenen 20 Jahren musste sie dreimal längerfristig für Sanierungsarbeiten geschlossen werden.

 Wolfgang Glombik

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