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Wasserkraftanlage an der Trave mitten im Naturschutzgebiet

Sühlen/Bebensee Wasserkraftanlage an der Trave mitten im Naturschutzgebiet

Umweltbehörden geben grünes Licht für die Pilotanlage an der Kreisgrenze bei der Ortschaft Sühlen / Sportangler befürchtet Beeinträchtigung der Fischbestände.

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Der Erfinder Markus Frank möchte das Kleinwasserkraftwerk Anfang Februar per Kran in die Trave heben. Die Anlage sei absolut fischfreundlich.

Sühlen. Es ist eine der schönsten Stellen an der Trave, mitten im FFH-Gebiet gelegen, einer nach der europaweit geltenden Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie naturgeschützten Region. Meerforelle und Lachs kämpfen sich stromaufwärts durch herrliche, bewaldete Bachschluchten. Seit langem wird versucht, den Otter wieder anzusiedeln. Genau hier entsteht gerade ein Wasserkraftwerk. Anfang Februar soll es ans Netz gehen. Keine klappernde Mühle am rauschenden Bach, sondern ein schwimmendes Hightech-Kraftwerk, das an der Stormarner Uferseite an dicken Stahl-Pylonen vertäut wird. Ist das erlaubt? Es ist erlaubt. Die Behörden haben die Genehmigung mit Auflagen erteilt — zum Leidwesen einiger Fischer und Naturschützer.

Doch die Bedingungen für die Natur verschlechtern sich nicht, die Wasser- und Naturschutzbehörden bei Kreis und Land gaben ihr Okay. Die Fische kommen an der der Ponton-Schwimminsel vorbei, ansonsten stören vielleicht die verbauten zehn Tonnen Stahl das ästhetische Empfinden.

„Patentiert“, „Prototyp“, „einmalig in Deutschland mit der Pontonlösung und der einseitigen Ufer-Befestigung“, „ein wichtiger Schritt zur Energiewende“ — das sind einige der Superlative, mit denen Markus Frank, Geschäftsführer des Unternehmens „H2O Future“ aus Bad Malente (Kreis Ostholstein) aufwarten kann.

Frank erklärt die Funktionsweise der 200 000 Euro teuren Anlage: Das Wasser mit der hier starken Strömung der Trave treibt den Energierotor an, die Kraft wird über eine Welle und zwei Getriebe in den Generator gelenkt, dorthin, wo Strom erzeugt wird. 30 Kilowatt die Stunde bringt das. Genug, um die zum Mehrfamilienhaus für zwölf Personen umgebaute alte Mühle mit Strom zu versorgen und dazu noch Energie ins Stromnetz einzuspeisen. „Die Fische nehmen keinen Schaden“, versichert Frank.

Wenn die Fische aus der Fließrichtung des Flusses kommen, werden sie mittels eines Rechens vorbeigelenkt, schwimmen darunter oder daran vorbei und würden nicht in den Rotor gelangen. An den Uferstreifen seien je etwa ein bis zwei Meter Platz zum Ausweichen. Sollten kleine Fische durch die 15-Millimeter Ritzen im Rechen flutschen, würden sie auch den Rotor unverletzt passieren. Frank:

„Das ist ein Langsamläufer, wir haben bis maximal 15 Umdrehungen in der Minute.“ In den großen Rotor-Kammern würden die Fische wie in einer Drehtür wieder herausgespült. Auch für die Meerforelle sei es kein Problem, die Anlage stromaufwärts zu passieren. Frank: „Die suchen die Leitströmung und schwimmen rechts und links am Rotor vorbei.“ Zu Testzwecken hatte Markus Frank die Anlage schon kurz in die Trave getaucht. Eine Einbaugenehmigung liege vor. Auch Kanus kämen am Kraftwerk vorbei, ist der Erfinder überzeugt. „Kanuten können sich an einem Hanfseil entlang hangeln.“ Warnschilder würden aufgestellt, bevor ein überraschter Paddler bei starker Strömung auf die Anlage kracht. Bei normalen Wasserständen sei es kein Problem, daran vorbeizukommen, glaubt Frank.

Nur bei Niedrigwasser im Sommer könnte es Probleme geben — dann dürfe aber ohnehin kein Kanu die Trave befahren. Nicht nur die Angelvereine hätten keine Bedenken, auch der Landeskanuverband habe zugestimmt. Frank: „Wir wollen mit allen Beteiligten einen Konsens finden.“ Außerdem werde das Projekt wissenschaftlich von der Universität Bremen begleitet. Die würden checken, ob alles fischfreundlich ist. Für Eigentümer Sven Boldt ist Idealismus gefragt, um das lange Genehmigungsverfahren für die Pilotanlage durchzustehen. Von den Menschen im Dorf gebe es „sehr positive Rückmeldungen“. Bei Fragen sei er stets bereit, Auskunft zu geben.

Doch die Trave-Wasserkraftanlage hat nicht nur Befürworter: Erklärter Gegner ist der Bebenseer Sportfischer und Naturfreund Manfred Michallik. „Bei Niedrigwasser versperrt die Anlage den ganzen Fluss, zum Beispiel der Meerforelle ist der Weg zu ihren Laichplätzen stromaufwärts versperrt.“ Für ihn sei es „unvorstellbar“, dass die Behörden in einem unter Naturschutz stehenden Gebiet eine derartige Anlage genehmigten. „Hier gilt doch das Verschlechterungsverbot, wie ist so etwas nur möglich?“ Auch versteht Michallik nicht, wie man erlauben konnte, die Stahlpfähle zur Verankerung der Anlage in das Flussbett zu rammen. „Wenn der Wasserstand 40 Zentimeter niedriger ist, kommen die Fische daran nicht mehr vorbei.“

Beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume beschäftigte man sich intensiv mit dem Wasserkraftwerk. Der Fischereibiologe habe nicht widersprochen und aus dem Kieler Umweltministerium habe es Auflagen gegeben, die der Betreiber akzeptiert habe, berichtet Sprecher Martin Schmidt. Bei Niedrigwasser dürfe die Anlage nicht auf den Grund absinken. Dazu müssten Füße oder Kufen angebaut werden. Oberstes Gebot: Die Durchlässigkeit dürfe nicht beeinträchtigt werden.

Schmidt: „Unsere Gewässerbiologen sind nicht begeistert über das Projekt, haben aber nichts Handfestes, um das Wasserkraftwerk zu verbieten.“ Ob alle Auflagen erfüllt seien, müsse der Kreis Stormarn überprüfen. Eine der behördlichen Auflagen sei es, das Wasserkraftwerk in grüner Farbe zu streichen, erzählt Markus Frank. Klar werde von ihm auch das erledigt. Hier gehe es ja auch um grünen Strom . . .

Wolfgang Glombik

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