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Segeberg Wasserkraftanlage auf der Trave ist umstritten
Lokales Segeberg Wasserkraftanlage auf der Trave ist umstritten
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12:19 18.02.2016

 Er zweifelt daran, dass die Lachse, die zum Laichen die Trave hochschwimmen, daran vorbeikommen. Er glaubt, „die EU-Wasserrahmenrichtlinie würde sagen, das ist ein no go. Ich begreife nicht, wie das genehmigt werden konnte.“

Und doch haben die Behörden ihr Okay gegeben. Denn sowohl die Untere Wasserbehörde des Kreises Stormarn als auch die Fischereibehörde des Landes, erklärte Dr. Thomas Haarhoff, Fachdienstleiter Wasserwirtschaft des Kreises, hätten festgestellt, dass mit der Planung, und wenn diese auch so ausgeführt wird, „mit einer Verschlechterung in diesem FFH-Gebiet momentan nicht zu rechnen ist“, erklärte er. „Beide Behörden haben aus fachlicher Sicht keine grundsätzlichen Bedenken, eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist gemacht worden.“ Eine Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange, wie bei einem Planfeststellungsverfahren sei hier nicht vorgesehen.

Das empört Angler, Kanufahrer und die Politik. „Diese Maßnahme“, so Lothar Krebs, erster Vorsitzender des Bundesverbandes Kanu, „ist ein erheblicher Eingriff“. Ihm geht es um die Sicherheit für die Kanufahrer. „Die Anlage wird die meiste Fläche für die Kanuten versperren“, glaubt er. Und er befürchtet vermehrt Unfälle. Manfred Michallik ist als Naturschützer gegen das Wasserkraftwerk. Das soll die Zettler Mühle, die zum Wohnhaus umgebaut wurde, mit Strom versorgen und auch noch Energie ins Stromnetz einspeisen. Michallik versteht nicht, dass es dafür eine Genehmigung geben konnte. Aus der Wasserrahmenrichtlinie ginge eindeutig hervor, dass dieses FFH-Gebiet „frei von menschlichen Beeinträchtigungen bleiben muss, das ist das Leitbild“, unterstrich er.

Markus Frank, Geschäftsführer der Firma H2O, die die Anlage baut, versteht die Aufregung nicht. „Wir haben die Anlage vor langer Zeit als Modell vorgestellt. Man konnte es früh genug in den Zeitungen lesen“, erklärt er den LN. Er rechnet damit, dass die Anlage im März in Betrieb geht. Schilder sollen die Kanuten dann rechtzeitig warnen. Und auch den Fischen, so Frank, „kann nichts passieren“.

Die Wasserkraftanlage wird direkt an der Grenze zum Kreis Segeberg gebaut. Arne Hansen, Vorsitzender des Segeberger Umweltausschusses, ist überzeugt: „Ich schätze unsere Umweltbehörde so ein, dass die Anlage auf Segeberger Gebiet nicht genehmigt worden wäre.“ Es habe früher Überlegungen gegeben, ein kleines Wasserkraftwerk bei Herrenmühle zu installieren. Damals seien schon lange vor konkreten Plänen die Kreisbehörden mit Hinweis auf das FFH-Gebiet entschieden dagegen gewesen.

kks/wgl

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