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Segeberg Weder Freud noch Leid im Kreishaus
Lokales Segeberg Weder Freud noch Leid im Kreishaus
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22:04 25.04.2017
Wahlen 2009: Versteinerte Mienen bei SPD-Spitzenkandidat Franz Thönnes (r.), Landrätin Jutta Hartwieg und SPD-Kreisvorsitzender Andreas Beran. Quelle: Hiltrop
Bad Segeberg

„Der hohe Einsatz an Personal samt Überstunden und Sonntagszuschlägen stand in keinem Verhältnis zum Nutzen mehr“, sagt Landrat Jan-Peter Schröder zur Begründung. Denn aus der Bevölkerung sei schließlich kaum jemand ins Kreishaus gekommen: „Nur die üblichen Verdächtigen – Politiker und Journalisten.“

Landrat Schröder will sparen: Kein Wahltreff zur Landtagswahl – Kaum Resonanz bei den Bürgern.

Nach Kommunalwahlen fanden im Kreishaus häufig noch an den Wahlabenden erste „Koalitionsgespräche“ statt – und das wird auch so bleiben. Denn nach Kommunalwahlen, so Schröder, soll es nach wie vor Wahltreffs geben, das nächste Mal also 2018.

Doch auch nach Bundes- und Landtagswahlen ging es im Kreishaus immer spannend zu. Vor 30 Jahren kamen die Bürger noch zum Politiker-Gucken, denn hier war man nah dran am Wahlgeschehen. Welcher Kandidat schlägt angesichts der Hochrechnungen die Hände vors Gesicht? Wer konnte hingegen jubeln und tanzen? Welche Mini-Gemeinde hatte zuerst ihre Stimmen ausgezählt? Schon Segebergs ehemaliger Landrat Anton Graf Schwerin von Krosigk (er amtierte von 1966 bis 1990) schritt – mit einem heißen Würstchen bewaffnet – die Ergebnistafeln ab. An den Stellwänden wurden die aktuell eintreffenden Wahlergebnissen aus den Dörfern angeheftet.

Das öffentliche Interesse ist heutzutage allerdings abgeflaut. Nun soll das Kreishaus geschlossen bleiben, nur noch die einlaufenden Ergebnisse werden dann von den Kreismitarbeitern ins Internet auf die Kreisseiten gestellt. „Wir brauchen dann nur noch halb so viel Personal, sonst waren wir am Wahlsonntag immer mit zwölf Mitarbeiten beschäftigt“, berichtet Kreismitarbeiterin Carola Boldt den LN.

Ergebnisse mussten ausgedruckt und aufgehängt, das Catering organisiert werden. Der große Fernseher wurde im Foyer extra aufgebaut.

Edda Lessing, Fraktionschefin der SPD, gehört zu denen, die den Kreishaus-Wahltreff gar nicht vermissen. „Wie viele andere auch möchte ich den Wahlabend lieber vor Ort, in Henstedt-Ulzburg, zubringen.“ Vor allem, so die Fraktionsvorsitzende, wenn es um Kommunalwahlen gehe: „Dann feiert man natürlich am liebsten mit den Leuten, die einen auch nominiert haben.“ Die Entfernung Henstedt-UlzburgBad Segeberg sei so groß, dass es meist kaum gelohnt habe, beides versuchen zu wollen: Kreis- und heimische Wahlparty. So sei sie mit der neuen Regelung recht zufrieden und feiere den Landtagswahlabend mit ihrem Ortsverein im Clubheim der Henstedter Tennisanlage.

Wolfgang Schnabel (FDP) findet es „ein bisschen traurig“, dass es diese Wahltreffen im Kreistag nicht mehr gibt. Aber er weiß selbst: Die Bevölkerung kommt nicht mehr ins Kreishaus, sondern will die Hochrechnungen eher zu Hause am Fernseher verfolgen. Es sei doch „mehr und mehr zu einer internen Veranstaltung der Politiker geworden“, sagt er. Die Bürger schauen die Wahlberichterstattung im Fernsehen und parallel dazu noch den „Tatort“. Und schade sei es doch. Man habe sich witzig unterhalten, den politischen Kontrahenten „auf den Arm genommen“, wenn es bei dem am Wahltag mal nicht nicht so gut lief. „Es war immer eine sehr nette Atmosphäre“, so Schnabel. Egal ob mit SPD, CDU und Grünen, „im Kreishaus hatte man das Gefühl, wir sind alle eine große Familie“. Schnabel selbst will am Wahlabend zum Landeshaus fahren. Noch sei nicht geklärt, ob die FDP im Kreis Segeberg ein „Extra-Meeting“ anbiete.

Claus Peter Dieck (CDU) war über Jahre Stammgast bei den Treffen im Segeberger Kreishaus. „Ich habe mich immer gern vor Ort über die Ergebnisse informiert, dabei auch die Stimmung bei den Parteien erlebt.“ Er wisse noch, wie ihm selbst bei Wahlen „die Gesichtszüge entglitten sind – das ist doch menschlich, das gehört dazu“.

 Wolfgang Glombik und Lothar Kullack

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