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Wegen Nazi-Vergangenheit: Neuer Name für Grundschule

Trappenkamp Wegen Nazi-Vergangenheit: Neuer Name für Grundschule

Die Schule in Trappenkamp heißt ab sofort nur noch "Grundschule Trappenkamp mit Förderzentrum" - der Beiname Dr.-Gerlich-Schule wird abgelegt. Das haben die Gemeindevertreter gestern Abend auf ihrer Sondersitzung beschlossen.

Trappenkamp. Der Name von Dr. Gerhard Gerlich soll kein Bestandteil des Namens der Trappenkamper Grundschule mehr sein. Das beschloss am Donnerstagabend die Gemeindevertretung mit SPD- Mehrheit. Die sechs anwesenden Vertreter der Trabi-Fraktion sprachen sich für den Erhalt des Namenszusatzes aus. Es ist das Ende einer mehrjährigen Diskussion über den Umgang mit Gerlich und seiner NS-Vergangenheit.

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Der einstige CDU-Politiker Gerlich war nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der SS gewesen – das fand 2010 die damalige Schülerin Christina Schubert bei Untersuchungen zu den Kieler Landtagsabgeordneten der Nachkriegszeit heraus – für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Ihr Aufsatz erschien 2012 im dazugehörigen Sammelband „Skandale in Schleswig-Holstein“ – und Grundschulleiter Sven Teegen erhielt den ersten Anruf, ob er wisse, dass seine Schule nach einem Nazi benannt sei. Hinter den Kulissen begannen die Diskussionen zwischen Schule, Schulträger und dem Sudetendeutschen Kulturwerk (SKW), dessen Vorsitzender Gerlich gewesen war.

LN-Bild

Namenspate mit NS-Vergangenheit: Mit 9:6 stimmt die Trappenkamper Gemeindevertretung für die Änderung.

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Das SKW beauftragte daraufhin den Biografen Dr. Ulrich Erdmann mit weiteren Untersuchungen zu Gerlich, die er 2013 vorlegte. Doch bis zur Veröffentlichung vergingen zwei Jahre, weil sich Gemeinde und SKW nicht über die Veröffentlichung des Gutachtens einig wurden, schilderte Bürgermeister Harald Krille den zeitlichen Verlauf. Da hatte die Schulkonferenz längst beschlossen, den Namen ablegen zu wollen. Weil Gerlich im Entnazifizierungsverfahren über seine SS-Mitgliedschaft nachweislich gelogen hatte . Und er in seiner SS-Akte angegeben hatte, den Schuldienst von „untragbaren Elementen“ gesäubert zu haben.

Dass so einer der Schule seinen Namen gibt, sei für viele an der Schule unerträglich, zitierte Gemeindevertreterin Merle Schultz (SPD) aus dem Schreiben einer Lehrerin. „Mit seiner Mitgliedschaft in der NSDAP und SS hat Dr. Gerlich den Nationalsozialismus aktiv unterstützt“, so Schultz in einer energischen Rede für die Umbenennung der Schule. „Die Nazidiktatur steht für Rassenhass und Ausgrenzung.“ Das habe in einer Gemeinde, die für eine starke Willkommenskultur stehe, keinen Platz. Auch habe Gerlich nicht zu seinem Fehler gestanden. Damit stehe sein Name nicht für die Philosophie der Schule, die auf Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit basiere.

„Wir sind keine Historiker“, entgegnete Trabi-Fraktionschef Sven-Uve Jahn in seinem Plädoyer für die Beibehaltung des Namens. Seine Fraktion finde es „beschämend und moralisch verwerflich“, einen Menschen 71 Jahre nach dem NS-Regime und 54 Jahre nach dessen Tod zu bewerten und zu verurteilen. Gerlichs Handlungsweise sei heute nicht mehr zweifelsfrei nachzuvollziehen, seine Lüge eine Notlüge. Jahn: „Für uns gilt jedenfalls, gerade bei Dr. Gerlich: Im Zweifel für den Angeklagten!“

Er wisse nicht, wie er sich damals verhalten hätte, sagte Axel Barkow (SPD), aber die Ehrung Gerlichs 1969 erfolgte unter einem anderen Erfahrungshorizont. Die heutige Gemeindevertretung dürfe das Recht in Anspruch nehmen unter neuen Erkenntnissen, Änderungen herbeizuführen. Und unter diesen sei Gerlich kein beispielgebendes Vorbild für die Schüler. Dieter Schütte (Trabi) mochte die Kriegszeit nicht bewerten und sprach sich mit einem Gandhi-Zitat für Vergebung für Gerlich aus.

Schließlich stimmten unter namentlicher Nennung die neun SPD-Vertreter für die Ablegung des Namen Gerlichs, die Trabis zu sechst dagegen. Bürgermeister Harald Krille zeigte sich erleichtert. Nun werde die Änderung beim Ministerium beantragt. Der metallene Schriftzug der Schule soll dann einen Platz im Gemeindearchiv erhalten. „Mit einem Kommentar.“ Gerlichs Name solle nicht einfach verschwinden. Die Entscheidung, die sich keiner leicht gemacht habe, solle sauber dokumentiert werden.

 Nadine Materne

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