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Segeberg Weihnachten bei arabischen Christen: Fasten und Schlemmen
Lokales Segeberg Weihnachten bei arabischen Christen: Fasten und Schlemmen
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20:25 23.12.2015
Klischa heißt das Gebäck, das Racha Anton zu Weihnachten backt. Ihr Sohn Pierre liebt die arabischen Lebkuchen. Quelle: Fotos: Silvie Domann

„Die Krippe ist Pflicht in jedem arabisch-christlichen Haus“, sagt Racha Anton und zeigt auf die Nachbildung der Geburtsstätte Jesus. Diese sei nur klein, in Syrien würden die Krippen größer ausfallen. Mit speziellem Papier wird eine Landschaft um den Weihnachtsbaum gestaltet. Wichtig dabei, es muss eine Höhle dabei sein, in der Jesus, Maria und Josef Platz finden. Der Baum ist aus Plastik mit Lichterkette, geschmückt mit goldenen Sternen und roten Bällen. „In Syrien darf kein Baum gefällt werden und Kerzen benutzten wir nur bei Stromausfall“, erklärt die 36-jährige Syrerin, die seit 2001 in Deutschland lebt. Sie berichtet von Unterschieden und Ähnlichkeiten.

Die Vorbereitung auf Weihnachten ist wichtig. Da sind zum einen Gebäck und Weihnachtsspeisen, die zubereitet werden, zum anderen aber auch das Fasten. Eigentlich 40 Tage vorher, dann wird nur vegan gegessen. „Die nette Variante ist, in der ersten und letzten Woche auf tierische Produkte zu verzichten“, sagt Racha Anton. Sie schätzt, dass sich etwa 75 Prozent der arabischen Christen am Fasten beteiligen. „Fasten macht Spaß, denn Weihnachten bedeutet für uns auch Freude am Essen zu haben“, so die Mutter dreier Söhne. Da das gemeinsame Mahl im Kreis der Familie reichlich ausfalle, werde erst nach dem Morgengottesdienst am 25. Dezember gegessen. Zum Beispiel gefüllte Hühnchen, Weinblätter und Lammbraten.

Ein besonderer Tag für die Kinder ist der vierte Dezember. Am Barbaratag feiern sie Fasching. „Wir sind damals verkleidet durch die ganze Stadt gelaufen, dieses Jahr wurde nur in kleinem Kreis gefeiert“, berichtet Racha Anton. Ein spezielles Gebäck gibt es für diesen besonderen Tag, aber vegan, ohne Milch und Eier gebacken.

„In Syrien bekommen nur die Kinder Geschenke zu Weihnachten.“ Neue Kleidung und Spielzeug, bis sie etwa 13 Jahre alt sind. Auch der Weihnachtsmann ist in Syrien bekannt, meist spielt ihn jemand aus der Familie. In manchen syrischen Städten kommt er allerdings erst Silvester.

„Am 24. Dezember wird groß gefeiert, mit Freunden und Musik. Es ist eher eine Party“, sagt Racha Anton. Das hat die Arabisch-Evangelische Gemeinde auch in den vergangenen Jahren im Saal der Gemeinde Gottes getan. Doch die Gemeinde der arabischen Christen ist nun auf etwa 60 Personen gewachsen. Zu viele für eine gemeinsame Feier. „Zumindest haben wir keinen ausreichend großen Raum finden können, nun feiern wir innerhalb der Familien“, sagt Racha Anton. Solch eine Feier ist auch zu Silvester üblich, im letzten Jahr hat es ein Spanferkel gegeben. „Hier dürfen wir Schweinefleisch essen, und tun es auch, denn es schmeckt.“ In Syrien sei der Verzehr von Schweinefleisch verboten.

Auch westliche, christliche Elemente hat die Familie Anton zu Weihnachten übernommen. Seit einigen Jahren macht der älteste Sohn, Arjos, beim Krippenspiel mit. „Ich freue mich auf die Aufführung.

Arjos hat einen traditionellen Anzug eines syrischen Hirten.“

Am 26. Dezember , um 12 Uhr findet dann in der Gemeinde Gottes ein arabischer Gottesdienst statt. Vielleicht wird „Jingle Bells“ auf arabisch gesungen. „Wenn interessierte Deutsche kommen, wird auch auf deutsch übersetzt“, so Racha Anton.

„In Syrien darf kein Baum gefällt werden und Kerzen benutzten wir nur bei Stromausfall.“
Racha Anton (36) aus Syrien

Silvie Domann

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