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Segeberg Wenn Männer zuschlagen, müssen sie zum „KAST“
Lokales Segeberg Wenn Männer zuschlagen, müssen sie zum „KAST“
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20:17 17.05.2017
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Bad Segeberg

„Gewalt in der Familie“ – hinter diesem Stichwort verbergen sich häufig Dramen. Wird ein Familienvater wegen häuslicher Gewalt verurteilt, bekommt er häufig zur Auflage, an einem Anti-Aggressionstraining teilzunehmen – 39 solcher Verfügungen gab es 2016 im Kreis Segeberg. Das Problem: Die Verurteilten müssen dazu nach Kiel fahren. Manchen ist das nur schwer möglich, andere schwänzen einfach. Das wollen die Kreistags-Abgeordnetinnen Annelie Eick (Grüne) und Annette Glage (CDU) jetzt ändern: In der Sitzung des Sozialausschusses (18 Uhr, Kreishaus) stellen sie heute den Antrag, der Kreis solle für vorerst zwei Jahre Kurse finanzieren, die nach dem Kieler Modell im Kreis Segeberg selbst angeboten werden.

Annelie Eick und Maren Berger (beide Grüne) sowie Annette Glage (CDU) haben den Antrag der Fraktionen unterzeichnet. Heute müsste der Sozialausschuss zunächst eine Empfehlung abgeben und der Hauptausschuss dann am 27. Juni die Finanzierbarkeit prüfen, bevor zwei Tage später, am 29. Juni, der Kreistag über den Antrag entscheidet. Das „Kieler Antigewalt- und Sozial-Training“ (KAST), das die beiden Fraktionen auch im Kreis Segeberg verwirklicht sehen wollen, folgt dem sogenannten „Kooperations- und Interventionskonzept gegen häusliche Gewalt“ (KIK) des Landes. Weil die Landesmittel aber begrenzt sind, werden die Anti-Aggressionskurse allein in Kiel angeboten – viele Segeberger Männer fahren nicht hin, obwohl sie dazu verpflichtet wären. Anordnungen aber, die nicht befolgt werden, helfen den von Gewalt bedrohten Familien nicht: CDU und Grüne beantragen deshalb, dass der Kreis für zwei Jahre durch die Ko-Finanzierung des Programms übernimmt, damit KAST-Kurse auch im Kreis Segeberg angeboten werden können. In welchen Orten, ist noch nicht ermittelt. Das landesweite Programm wurde in enger Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, Jugendhilfe, Frauenhäusern und örtlichen Beratungseinrichtungen entwickelt. Die beiden Abgeordnetinnen Annelie Eick und Annette Glage hatten kürzlich Barbara Eibelshäuser, Koordinatorin gegen häusliche Gewalt, in der Bad Segeberger Beratungsstelle von „Frauenzimmer“ besucht und nach dem Gespräch festgestellt: „Von Kreisseite muss hier endlich gehandelt werden.“ Barbara Eibelshäuser wird heute auch im Kreistagssitzungssaal vor dem Sozialausschuss erscheinen, um den Antrag der beiden Fraktionen mit Zahlen und Fakten zu untermauern.

Nach zwei Jahren soll nicht Schluss sein: „Der Kreis Segeberg ist damit auch zuständig, aus welchen Mitteln nach erfolgreichem Ablauf von zwei Jahren die Maßnahmen mit Bezuschussung weiter getragen werden“, heißt es in der Antragsbegründung.

Steigende Fallzahlen

21 Fälle von Männern, denen vom Gericht zur Auflage gemacht wurde, an einem KIK-Projekt teilzunehmen, gab es 2014 im Kreis. Im Jahr darauf waren es schon 31 und im Vorjahr 39 Fälle.

200 Einsätze einschlägiger Art verzeichnete die Polizei 2016 bei Gewaltvorfällen in Familien – die meisten davon am Wochenende. Gut 80 bis 90 Prozent der Beteiligten, so erklärte der stellvertretende Direktionschef Jan-Hendrick Lewering kürzlich im Polizeibericht vor dem Hauptausschuss, hätten unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden.

Lothar Hermann Kullack

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