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Segeberg Wenn sich alles um‘s Essen dreht
Lokales Segeberg Wenn sich alles um‘s Essen dreht
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22:28 23.10.2013
Zwanghafte Kontrolle von Gewicht und Essen, verzehrte Selbstwahrnehmung: Beate Mönkedieck (v. l.), Dagmar Höppner-Reher, Christina Regner, Barbara Eibelshäuser, Sabine Ivert-Klinke und Marion Laaser wollen auf das Problem Essstörung aufmerksam machen. Quelle: Materne

Eine Selbsthilfegruppe zum Thema Essstörungen würde es in Bad Segeberg längst geben, wenn es nach Sabine Ivert-Klinke von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe ginge. Doch entweder werde das Problem durch die Betroffenen nicht erkannt oder sie seien mit anderen Baustellen beschäftigt. „Das Thema kommt in den verschiedenen Gruppen aber immer wieder auf.“ Sie ist nicht die Einzige, die diese Beobachtung seit einiger Zeit macht. Barbara Eibelshäuser vom Frauenzimmer arbeitet regelmäßig mit Schülern. „Sobald es um Körperlichkeit geht, brechen einige Mädchen in Tränen aus“, sagt sie. „Dann wird deutlich, dass sie kreuzunglücklich sind und nichts Positives an ihrem Körper wahrnehmen.“ Ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper und zum Essen, falsche Vorbilder in den Medien identifizieren sie als Ursachen. Während der Themenwoche „Essstörungen“ soll nun auf die Problematik aufmerksam gemacht werden.

„Hunger nach Leben“ lautet das Motto der Aktionswochen vom 6. bis 27. November in Bad Segeberg. Zentrale Veranstaltung ist dabei das Tanztheater Schattenriss vom Theater „Monteure“. Dort geben drei Tänzerinnen und drei Musiker Jugendlichen einen Einblick in die Erlebniswelt Betroffener auf der Basis autobiografischen Materials. Es geht um Sehnsüchte, Ängste, um Rollenerwartung und Ideale, um Familie und Gesellschaft — all die Aspekte, die reinspielen bei gestörten Essverhalten.

„Zu beobachten ist eine Tendenz in den Medien“, sagt Kreis- Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Höppner-Reher. In Formaten wie „Germany‘s next Topmodel“ werde die Selbstkasteiung propagiert: „Alles muss erduldet werden, um Erfolg zu haben.“ Dabei bleibe die Eigenwahrnehmung und das Wohlbefinden auf der Strecke, stimmt Beate Mönkedieck, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Segeberg, zu. Zum Einfluss von Medien auf Essstörungen wird es einen Vortrag geben.

„Wenn ich im Workshop mit Schüler nach dem Gewicht frage, wissen die Mädchen fast alle genau, was sie wiegen“, berichtet Christina Regner von der Jugendakademie. Mit Kontrolle über Essen und Kalorienzählen, ständigem Wiegen fange es an bei der Essstörung. Auch Jungen seien betroffen, nur dass es bei ihnen um Muskeln statt Kilos gehe. Schon 13- und 14-Jährige gingen deshalb regelmäßig ins Fitnessstudio, statt Fahrrad zu fahren. In einem Schulklassenworkshop sollen deshalb die Themen Körperbewusstsein, Ideale und Grenzen bearbeitet werden. Das Thema Essstörung ist auch in den Schulen angekommen. Doch die Antwort beschränke sich hier auf „gesunde Ernährung“, kritisiert Regner. „Aus Hilflosigkeit.“ Um Handlungsoptionen und Interventionsmöglichekiten geht es deshalb in einem Workshop „Essstörungen im schulischen Kontext“ für Pädagogen.

Ausgewählte Programmpunkte der Themenwochen vom 7. bis 27. November
Einfluss von Medien auf Essstörungen: Vortrag von Medienpädagogin Mareike Häseker am Mittwoch, 6. November, 19.30 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses; ohne Anmeldung.


Körper und Grenzen: Schulklassenworkshops zum Körperbewusstsein von Jungen und Mädchen am 7., 11., 12. und 27. November, jeweils 9 bis 13 Uhr in der Jugendakademie. 25 Euro pro Klasse, Anmeldung: 0 45 51/38 18.


Tanztheater Schattenriss: Schulklassenvorführung am 14. und 15. November, 9.30 und 12 Uhr, öffentliche Vorführung am 14. November, 19.30 Uhr, Jugendakademie. Eintritt fünf Euro. Anmeldung unter 0 45 51/9 59 10.


Essstörungen im schulischen Kontext: Workshop für Pädagogen, Montag, 25. November, 14 bis 18 Uhr, Juka, 10 Euro. Anmeldung: 0 45 51/95 15 88.

Nadine Materne

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