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Wer kauft schon gern gravierte Gläser?

Geschendorf Wer kauft schon gern gravierte Gläser?

Ärger der Geschendorfer mit gescheitertem Lindenhof-Pächter geht weiter, aber ein neuer Interessent ist in Sicht.

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Jens Sela sieht im Geschendorfer Dorfkrug gewöhnlich nach dem Rechten. Hier zeigt er eines der vielen Gläser, die in der geschlossenen Gaststätte in vielen Kisten gestapelt sind. Bleibt der „Lindenhof“ geschlossen, sind die Gläser nahezu wertlos.

Quelle: Foto: Dreu

Geschendorf. Viele Geschendorfer schütteln nur mit dem Kopf: Nachdem der vermeintliche neue Pächter des Dorfkrugs „Lindenhof“ keine Gaststättenkonzession beantragt hatte und aufgefordert worden war, den Gasthof und die dazugehörige Wohnung zu räumen (die LN berichteten), stellte Pächter Michael Seegler nicht nur Strafanzeige gegen Bürgermeister Dirk Wacker, sondern reichte gar noch eine Petition beim Landtag ein, weil er sich „in seinen Menschenrechten verletzt“ fühle. Wacker indes versucht, die Lieferanten ausfindig zu machen, bei denen Seegler fleißig Bestellungen aufgegeben habe.

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Jens Sela sieht im Geschendorfer Dorfkrug gewöhnlich nach dem Rechten. Hier zeigt er eines der vielen Gläser, die in der geschlossenen Gaststätte in vielen Kisten gestapelt sind. Bleibt der „Lindenhof“ geschlossen, sind die Gläser nahezu wertlos.

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Auf der Kegelbahn und im Saal des Gasthofes stapeln sich Kartons mit Fruchtsäften, Gläsern, Geschirr und vielem mehr. Zwei neue Schau-Kühlschränke stehen neben neuen und gebrauchten Küchenutensilien.

„Einige Lieferanten waren bereits hier und haben ihre Waren wieder mitgenommen. Sie konnten alle belegen, dass sie nicht bezahlt waren“, sagte der Bürgermeister am Rande der Gemeindevertretersitzung.

Michael Seegler war für die LN gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bei den Bestellungen wurde Wert auf Qualität gelegt: Das Geschirr kam von Villeroy & Boch, die Gläser von Schott Zwiesel. Was nun daraus werden soll, weiß auch Dirk Wacker nicht. Sämtliche Gläser sind mit „Dorfkrug Lindenhof“ graviert. Die Gläser anderweitig zu verkaufen, dürfte somit kaum möglich sein. Gleich für 400 Personen soll Markenporzellan bestellt worden sein. Der Wert: 18

000 Euro. Erst gestern seien ein Großteil des Porzellans und weitere Gastro-Utensilien wieder abgeholt worden. Der Bürgermeister hofft, dass sich möglichst bald weitere Lieferanten melden, um ihre Waren wieder abzuholen und die Kegelbahn zu räumen. Es gebe nämlich einen neuen Interessenten für den Lindenhof — „eine gut situierte Firma aus der Biobranche“, die allerdings keine Gaststätte betreiben wolle. Ein Pachtvertrag ist noch nicht unterschrieben, aber wenn, dann würde auch die Kegelbahn bald gebraucht werden — möglicherweise bereits nächste Woche.

Das ist für Wacker der einzige Lichtblick am Horizont, denn momentan müsse er sich mit ganz anderen Dingen herumschlagen. Nachdem der Bürgermeister, wie berichtet, einen Strafantrag gegen Seegler wegen Betruges gestellt hatte, reagierte dieser ebenfalls mit einer Strafanzeige. Der Bürgermeister füge mit seinen Aussagen dem Ansehen Seeglers in erheblichem Maße Schaden zu. Außerdem habe ihm der Bürgermeister „am 18. Juli zwischen 11 Uhr und 11.30 Uhr mehrfach Gewalt und auch körperliche Gewalt angedroht“. Da Wacker einen Jagdhund besitze, liege der Verdacht nahe, dass er auch eine Waffe besitze, weshalb der Pächter sich noch mehr bedroht fühle.

Mit einer Petition an den Landtag setzte Michael Seegler dem ganzen die Krone auf: Der Bürgermeister verletzte seine Grundrechte und seine Menschenwürde. Das Leben in Geschendorf sei für ihn und seine Frau zu einem Spießrutenlauf geworden. In der Petition kündigte Seegler zudem an, mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen den Bürgermeister und die Gemeinde vorgehen zu wollen — wenn nötig bis zum Europäischen Gerichtshof. Seinen guten Ruf lasse er sich nicht zerstören.

Während der Bürgermeister notgedrungen dazu Stellung nehmen muss, verstehen viele Dorfbewohner die Welt nicht mehr. „Wie kann man nur so viele Sachen bestellen, die man nicht bezahlen kann“ — so wurde nach der Sitzung der Gemeindevertretung offen diskutiert.

Von New York über Bischofsheim nach Geschendorf und weiter . . .
Wie ein roter Faden zieht sich offenbar eine Masche von Michael Seegler durch die jüngsten Jahre seines Lebens: Immer wieder gibt er sich als Hotelier aus, der zusammen mit Geschäftspartnern ein Objekt als Restaurant, Café oder Hotel suche. Das war in Breitenfelde und Mölln der Fall (die LN berichteten) und wohl auch in weiteren Orten. Diese Objekte sollten zuerst gekauft werden, dann aber wollte er nur noch pachten. Eine Vermieterin aus Bischofsheim hatte ebenfalls offene Forderungen gegen Seegler und seine Frau. Wie sie den LN mitteilte, habe sie jetzt einen Pfändungstitel gegen Frau Seegler erhalten und hoffe, an die 30 000 Euro zu kommen, die ihr das Ehepaar schulde.

Ungeachtet der Situation in Geschendorf ist Michael Seegler nach einem E-Mail-Verkehr, der den LN vorliegt, bereits wieder auf der Suche nach neuen Objekten. Dabei gibt er sich als Hotelier aus, der gleich mehrere namhafte Hotels in Berlin („Marriott“) und sogar New York („Ritz Carlton“) eröffnet haben will. Mit einem Koch, der sich „auf seinen ersten Michelin-Stern vorbereitet“, interessiere er sich gleich für mehrere Objekte im Hamburger Umland, aber auch in Lübeck. Geld spielt dabei offenbar keine Rolle, denn darunter sind Immobilien im Millionenbereich, die angeblich zuerst gepachtet, später aber gekauft werden sollen. pd

Petra Dreu

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