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Segeberg Werden Windräder Segebergs Landschaftsbild dominieren?
Lokales Segeberg Werden Windräder Segebergs Landschaftsbild dominieren?
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10:35 27.06.2017
„Windkraftanlagen mit einer möglichen Höhe von 180 Metern wird man in Bad Segeberg schon merken.Jan Claussen Interessengemeinschaft Schieren
Bad Segeberg

Kurze Blitz-Umfrage in der LN-Lokalredaktion: Wo in Bad Segeberg kann man Windräder sehen? „Nirgends“, lautet die Rückmeldung. „Und wenn, wäre mir das auch lieber als ein Atomkraftwerk“, heißt es von einem Kollegen. Aber im Ernst. Schon in wenigen Jahren könnten an die 180 Meter hohe Windkraftanlagen zwischen Schieren und Weede die Aussicht vom Bad Segeberger Kalkberg aus bestimmen. Von einer 127 Hektar großen Vorrangfläche für Windenergienutzung im Regionalplanungsentwurf hat auch Bad Segeberg einen Anteil von immerhin 21 Hektar. Der mit 87 Hektar größte Batzen befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Weede. Acht bis elf Anlagen seien auf der Fläche als Repowering-Anlagen vorgesehen, berichteten die LN kürzlich.

In den Gemeinden kocht die Volksseele hoch, jetzt machen auch Windkraftgegner in Bad Segeberg mobil. Geschäftsfrau Heide Mau warnt vor nachteiligen Auswirkungen für die künftige Entwicklung Bad Segebergs als Tourismusstandort durch die geplanten Windkraftanlagen. Auch den Zuzug von Familien sieht Mau gefährdet. Die geplanten Neubaugebiete im Ostteil der Stadt Richtung Weede liegen nahe am Wind-Vorranggebiet. „Es kommt zu Schlagschatten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen.“ Sie warnt auch davor, dass die Ausweisung von Baugrundstücken an der jetzt noch sehr attraktiven östlichen Stadtgrenze bei Christiansfelde und Bornwischen hinfällig werden könnte. Der direkte Blick auf den Windpark würde Bauherren abschrecken, zu einem Verfall der Grundstückpreise führen.

Ihr Mitstreiter in der Interessengemeinschaft Schieren, Jan Claussen, rechnet damit, dass in dem Vorranggebiet 180 Meter hohe Anlage gebaut werden dürfen. Da würden Einschränkungen im Kieler Koalitionsvertrag nicht greifen. Überhaupt mahnt er, die Größendimensionen nicht zu unterschätzen. „Von meinem Haus stehen in 3,5 Kilometer Entfernung die neuen, 150 Meter hohen Anlagen bei Neuengörs. Das ist auch so schon ein sehr aufdringlicher und eklatanter Eingriff.“ Und wenn neue Anlagen, 1,3 Kilometer entfernt von Bad Segeberg, gebaut werden, „wird man das in der Kreisstadt schon merken“. Von der Seepromenade aus würde man die neuen Riesen sehr dominant wahrnehmen. Ähnliches sei jetzt schon im Ostseebad Eckenförde zu besichtigen, berichtet Mau. Für sie sei es „kaufmännisch dumm“, sich nicht dagegen zur Wehr zu setzen.

In der Stadtverwaltung sieht man das Thema gelassener. Schon im März hatte die Stadtvertretung die brisante Berichtsvorlage zur Regionalplanung nur zur Kenntnis genommen. Bauamtschefin Antje Langethal hatte den LN mitgeteilt, dass die Windkraft-Planung keinen Einfluss auf das geplante Baugebiet „Havkamp Ost“ im Ostteil der Stadt mit rund 80 Einfamilien- und Doppelhäusern haben werde. Da lägen rund 1,8 Kilometer Entfernung dazwischen. Sie sehe kein Problem für die bauliche Entwicklung.

Doch Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt will das Thema Windkraftanlagen nicht zu den Akten legen. Er fühle sich „überfahren“. Die Politik habe nicht aufgepasst. Auf seine Bitte hin soll nun am Mittwoch, 28. Juni, 18.30 Uhr (Bürgersaal) hierzu von der Verwaltung berichtet werden. Auch Heide Mau will dann Flagge zeigen.

 Wolfgang Glombik

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