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Segeberg Werner-Rennen: Veranstalter beschwichtigt Anwohner
Lokales Segeberg Werner-Rennen: Veranstalter beschwichtigt Anwohner
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21:34 26.07.2017
Große Andrang: Rund 300 Einwohner kamen zur Versammlung mit den Werner-Veranstaltern - darunter auch viele Fans. Quelle: Vogt
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Hartenholm

Dass sich „viele in Hartenholm auf das Werner-Rennen freuen“, wie Bürgermeister Hans-Burkhard Fallmeier zu Beginn der Einwohnerversammlung in der Gerhard-Lawerentz-Halle anmerkte, war auf den ersten Blick zu sehen: Familienväter mit Werner-T-Shirts, Motorsport-Mützen tragende Frauen und gut gestimmte Hartenholmer, viele mit einer Flasche „Bölkstoff“ in der Hand, stellten die große Mehrheit der rund 300 Anwesenden. Aber, schränkte Fallmeier ein, es gebe eben auch einige, „die Angst haben, die so etwas wie vor 30 Jahren nicht nochmal erleben möchten“.

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2018 steht das Großereignis in Hartenholm an – Nicht alle sind begeistert.

Jene Minderheit, zumeist Alteingesessene, hatte sich vor allem hinten in der Halle platziert. Von Fröhlichkeit keine Spur. Stattdessen verschränkte Arme, ernste Gesichter und die apokalyptischen Bilder vom September 1988 im Hinterkopf: Als 200 000 Fremde in ihren gemütlichen Ort eindrangen, Straßen verstopften, Autos anzündeten, gewaltige Müllberge hinterließen und aus Mangel an Toiletten die hiesigen Gärten aufsuchten. Nicht nur für die vielen Fans, die das Werner-Rennen bis heute als Kult-Ereignis feiern, auch für viele Anwohner waren es unvergessliche Tage.

Kann und wird sich aber im nächsten Jahr alles so nicht wiederholen, versprechen jedenfalls die Veranstalter, namentlich Holger Hübner und Thomas Jensen, die alljährlich auch das Wacken-Open-Air auf die Beine stellen. Wie einige Tage zuvor in Hasenmoor waren die Verantwortlichen am Dienstagabend in Hartenholm, um Bedenken zu zerstreuen und „gut Wetter“ zu machen – Freibier, Bratwurst, T-Shirts und allerlei Werner-„Tüdelkram“ zum Verschenken inklusive.

Marten Pauls, Kommunikationschef beim Veranstalter, bombardierte das Hartenholmer Publikum dabei geradezu mit Informationen: Wie viele Besucher kommen? Wisse man wegen der personengebunden Tickets heute genau. 35 000 bis 50 000 Menschen ist die bisherige Prognose. Toiletten? Parkplätze? Campingflächen? Sicherheitsdienst? Verpflegung? Müllentsorgung? Für alles werde ausreichend und professionell gesorgt sein. „Unsere Zuständigkeit hört nicht am Festivalgelände auf“, versicherte er. So werde der beauftragte Entsorger während des Festivals auch im Ort Müll einsammeln. Zudem stehe während der ganzen Zeit eine Hotline für Anwohner bereit. Man halte „Reaktionsteams“ vor, die unmittelbar auf Missstände reagieren könnten.

Auch in das geplante Programm gab es erste Einblicke. Neben dem namengebenden Rennen zwischen Rötger „Brösel“ Feldmann auf seinem „Red-Porsche-Killer“ und Holger „Holgi“ Henze im roten Porsche, auf das Anfang 2018 ein neuer Werner-Comic hinführen soll, werde es an den drei Festivaltagen auf dem Flugplatz vom 31. August bis zum 2. September ein großes Begleitprogramm aus Musik, Show, Party, Spielen und Motorsport geben. Bei den Musik-Acts werde auch der ein oder andere „große Name“ dabei sein, spruchreif sei bisher aber noch nichts. Für das Showprogramm könne man sich Otto Waalkes, Helge Schneider oder Atze Schröder vorstellen, die Verhandlungen mit den jeweiligen Künstleragenturen dauerten aber noch an.

Dass ein solches Großereignis einen enormen Aufwand bedeutet, räumte Pauls ein. Bis zu 2500 Personen werden vor Ort mit der Organisation befasst sein. „Inklusive Vorarbeiten, Auf- und Abbau werden Sie dann insgesamt 30 Tage merken, dass wir hier sind“, kündigte er den Hartenholmern an. Die haben aber auch etwas davon: Am „Warm-Up-Tag“ am Donnerstag sowie zum großen Rennen am Sonntag erhalten sie freien Eintritt beziehungsweise Rabatt für die anderen Festivaltage. Direkte Anwohner dürfen sogar an allen Tagen kostenlos aufs Gelände.

Auch das kam gut an. Marten Pauls wurde mit Applaus verabschiedet. In der letzten Reihe fiel der aber etwas verhaltener aus.

Hintergrund

Die Idee für das erste Rennen stammt aus dem 1985 veröffentlichten Comic „Werner - Eiskalt“. Darin geht es um eine Wette zwischen Brösels Alter Ego Werner und seinem Freund Holgi. Das in dem Buch gezeigte Motorrad, der „Red-Porsche Killer“, wurde dann von Wolfgang „Ölfuß“ Ußleber tatsächlich gebaut. Brösel unterlag jedoch gegen den 1967er Porsche 911 wegen eines Schaltfehlers. Zur Strafe wurde er mit „Katzenscheiße“ beworfen.

 Oliver Vogt

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