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Segeberg Wettbewerb um Kirchenfenster
Lokales Segeberg Wettbewerb um Kirchenfenster
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10:05 28.04.2016
Die Künstler Thomas Kuzio (Sommersdorf), Günter Grohs (Wernigerode), Jürgen Drewer (Nettetal), Lukas Derow (Stuttgart) und Marie-Luise Dähne (Berlin, v.l.) lassen die Kirchenatmosphäre auf sich wirken. Quelle: Fotos: Domann

Etwas nüchtern wirkt die Atmosphäre der St. Jürgen-Kirche in Schlamersdorf. Weiße Wände bestimmen den Kirchenraum im unteren Teil. Auch die zehn Seitenfenster im oberen Teil sind schlicht gehalten, Bleiglasfenster im Gitter-Look, darüber sind farbige Rundfenster. Vor 30 Jahren wurden die Fenster von einem Bosauer Künstler und Glashandwerker entworfen. Nun haben Wind und Wetter den zehn Langhausfenster so zugesetzt, dass sie erneuert werden müssen. Aus diesem Grund hat die Kirchengemeinde einen Wettbewerb ausgeschrieben.

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Scheiben von St. Jürgen in Schlamersdorf müssen erneuert werden — Fünf Künstler wollen Entwürfe einreichen.

Unterstützt werden die Gemeindeglieder von Dr.-Ing. Heiko Seidel vom Landeskirchenamt in Kiel und dem Architekten des Kirchenkreises Plön-Segeberg, York Oldehus. Im Vorfeld wurden die fünf Glaskünstler Marie-Luise Dähne (Berlin), Lukas Derow (Stuttgart), Jürgen Drewer (Nettetal), Günter Grohs (Wernigerode) und Thomas Kuzio (Sommersdorf) ausgewählt, die sich nun einen ersten Eindruck von der Kirche und den Fenstern machten.

Unter anderem sollen sich die Künstler bei ihren Konzepten Gedanken um Lichtführung und Außenwirkung des Kirchenbaus machen. Außerdem soll „die Neugestaltung als zeitgemäße Interpretation eine Lösung für den ausgewählten Ort im denkmalpflegerischen Kontext sein“, so der Wortlaut in den Wettbewerbsunterlagen.

„Wir wollen die Zukunft nicht verpassen und sind Änderungen gegenüber offen“, betonte Kirchengemeinderat Peter Stoltenberg. Allerdings könnten sich die Mitglieder aufgrund der Kosten (vor sieben Jahren waren 90000 Euro eingeplant) auch eine Lösung unter Einbeziehung vorhandener Elemente vorstellen. Bürgermeister Gerd Lentföhr sprach sich für den Versuch des goldenen Mittelweges aus. Sowohl etwas Neues für die Zukunft zu schaffen, als auch Schönes zu reparieren.

Die Künstler stellten bautechnische Fragen an den Bauingenieur und fragten die knapp 30 Gemeindeglieder nach ihren Wünschen. So wirklich eindeutig waren die allerdings nicht. So soll eine Neugestaltung der Fenster die Kirche nicht dunkler machen. Andererseits blende aber strahlender Sonnenschein in den Sommermonaten die Gottesdienstbesucher. Ein Diskussionspunkt, auch scheinbar unter Kirchgängern, war allerdings das Rundfenster auf der Ostseite. Es stellt den Namensgeber der Kirche, St. Jürgen, als Drachentöter dar. Als martialisch empfinden das einige, für andere gehört die Drachendarstellung zu ihrer Kirche.

Wie sollen die Künstler mit diesem Glasfenster umgehen? Mit in ihr Konzept einbeziehen oder neu planen. „Unterbreiten Sie Ihren Vorschlag, das Preisgericht wird entscheiden“, riet Seidel den anwesenden Künstlern.

„Farben machen Atmosphäre“, warb Marie-Luise Dähne und riet, sich nicht nur an Bilder zu hängen. Denn auch abstrakte Elemente könnten den Betrachter zur inneren Wirklichkeit führen. Dem widersprach Uwe Fossemer, Künstler aus Itzstedt. „Der Weg zur inneren Wirklichkeit ist immer individuell, einer findet ihn über Bilder, der andere nicht.“

Nun sind erst einmal die Künstler gefragt. In den kommenden acht Wochen können sie ihr Gestaltungskonzept ausarbeiten und den Entwurf bis zum 4. Juli einreichen. Die werden dann von York Oldehus geprüft, bevor sie am 15. Juli dem Preisgericht vorgelegt werden. Das besteht aus Gemeinderatsmitgliedern und Fachleuten.

Fehler beim Einbau

Bleiverglast sind die Seitenfenster von St. Jürgen, jedoch wurden sie beim Einbau in die Isolierglasscheiben vor 30 Jahren nicht verkittet. Da außerdem die Verbundelemente die Bewegungen des Mauerwerks nicht aufnehmen können, sind kleine Risse in den Fugen entstanden. Feuchtigkeit ist eingedrungen. Zum einem korrodieren so metallische Farben, die aufs Glas aufgebracht wurden. Die Farbintensität wird geringer. Zum anderen wird das Isolierglas matt und es beginnt im Verbundsystem zu schimmeln. Sind die Fenster zu nass, greift die Feuchtigkeit die Windeisen und das Mauerwerk an.

sd

Von Silvie Domann

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