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Segeberg Widerstand gegen Windräder formiert sich
Lokales Segeberg Widerstand gegen Windräder formiert sich
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20:42 17.01.2017
Bisher stehen die Windräder nur in dieser LN-Montage in Diekhof. Hartmut Lamprecht, Bernd Nowak und Reinhard Schulte (v.l.) wollen verhindern, dass es soweit kommt. Quelle: Foto: Dreu/montage: Ln
Pronstorf

Im Osten der Gemeinde Pronstorf herrscht Fassungslosigkeit. Nicht nur, weil das Land trotz stichhaltiger Argumente, die gegen einen Windpark sprechen, eine Fläche zwischen den Ortsteilen Diekhof, Eilsdorf und Strenglin als Vorranggebiet ausgewiesen hat. Auch die neuen Abstandsregelungen stoßen bei den Einwohnern auf Unverständnis. Sie hoffen auf klare Worte der Pronstorfer Gemeindevertretung, die morgen in Eilsdorf tagt, und auf eine Neubewertung des besagten Gebietes durch die Landesplaner.

Neue Abstandsregeln und Sorge um Seeadler & Co.: Die Pronstorfer hoffen auf ein Einlenken der Landesplaner.

Sitzungstermin

In Pronstorf geht es in der Sitzung der Gemeindevertretung am morgigen Donnerstag vor allem um das neue Windkraft-Vorranggebiet. Bürgermeisterin Bettina Albert hat für 19.30 Uhr ins Eilsdorfer „Sprüttenhus“ eingeladen.

Wespenbussard, Seeadler, Baumfalken, Uhus, Schwarzstörche, Graugänse, Kraniche, Roter Milan und die unterschiedlichsten Fledermausarten, von der Bechsteinfledermaus über den Abendsegler bis hin zur Zwergfledermaus: Die Liste der Vögel und Säugetiere , die sich unweit des Europäischen Vogelschutzgebietes Wardersee und des FFH-Gebietes (Flora, Fauna, Habitat) Kuhkoppel niedergelassen haben oder im Osten der Gemeinde Pronstorf auf Nahrungssuche gehen, ist lang. Dass sie ihren Lebensraum in genau dem Gebiet haben, das das Land für Windkraft auserkoren hat, ist nicht neu. „Es wurde nicht ausreichend berücksichtigt“, sagt Reinhard Schulte, der weiß, wovon er redet.

Als Förster kennt er jeden einzelnen Horst der Seeadler. Er weiß, wo der Rotmilan auf Nahrungssuche geht und wo der Wespenbussard brütet. „In der Umgebung sind vier Seeadlerhorste vorhanden. Die gesamte Fläche ist der Lebenskorridor für Zugvögel. Der Mühlenbach, der in der EU-Wasser-Rahmenschutz-Richtlinie ausdrücklich aufgeführt ist, mäandert durch den überplanten Bereich. In dem Gewässerverlauf haben öffentlich geförderte Unterhaltungsmaßnahmen stattgefunden, die dem naturnahen Ausbau dienen. Und jetzt soll genau dort ein Windpark entstehen“, ist Reinhard Schultze sauer. Er verweist zudem auf einen Managementplan des Landes: „Darin wird ganz klar darauf hingewiesen, dass das Brutbiotop frei von vertikalen Fremdstrukturen wie Stromleitungen oder auch Windkraftanlagen zu halten ist. Sollten dort Anlagen errichtet werden, verstößt das ganz klar gegen geltendes EU-Recht“, ist Schulte überzeugt.

Die Gründung einer Bürgerinitiative, die gegen eine Ausweisung des Vorranggebietes für Windkraft arbeitet, ist für ihn kein Thema. Vielmehr setzt er zusammen mit dem Falkner Bernd Nowak und Hartmut Lamprecht, der sich ebenfalls für ein Haus in der abgeschiedenen Splittersiedlung Diekhof entschieden hat, auf Fakten, mit denen er das Land überzeugen möchte. Um das zu erreichen, haben sie schon jede Menge Vorarbeit geleistet und zahlreiche Karten anfertigen lassen, die besonders die artenschutzrechtlichen Belange untermauern.

„Das überplante Gebiet liegt mitten im Dichtezentrum der vier Seeadlerhorste. Das Dichtezentrum ist ein wesentlicher Bestandteil für einen Tabubereich. Dort jagen die Jungseeadler“, sagt Falkner Bernd Nowak, der wie Reinhard Schulte die Welt nicht mehr versteht. „Es macht doch keinen Sinn, zuerst Millionen in den Seeadlerschutz zu stecken – und die Tiere dann in Winkraftanlagen zu schreddern“, so Nowak. Die Koordinaten für die einzelnen Horste seien dem Land gemeldet worden. Als Abwägungskriterien jedoch wurden sie vom Land als „Konfliktrisiko gering“ eingestuft. Nowak: „Das kann doch nicht sein.“

Die neuen Abstandsregeln lassen alle drei Männer verzweifeln. „Das muss man sich mal vorstellen: Von einem Hügelgrab müssen Windkraftanlagen mindestens 800 Meter entfernt sein, von einem Wohnhaus aber nur 250 Meter. Das ist völlig inakzeptabel“, so Reinhard Schulte, der auf umfassende Informationen drängt. Ein zweites Wulfsfelde dürfe es nicht geben. Dort sei den Anwohnern erst beim Bau des Windparks Obernwohlde bewusst geworden, wie dicht die Anlagen an ihre Wohnhäuser heranreichen.

Was den drei Männern wichtig ist, hätte ein Regisseur nicht besser inszenieren können: Kaum war das Foto für die Lübecker Nachrichten gemacht, flogen acht Kraniche majestätisch schön über ihre Köpfe hinweg. . .

Petra Dreu

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