Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Wie Kinder vor sexueller Gewalt geschützt werden können

Bad Segeberg Wie Kinder vor sexueller Gewalt geschützt werden können

Der Kinderschutzbund und das Jugendamt geben neue Broschüre mit nützlichen Tipps für Eltern und Erzieher heraus – die Wichtigste Regel: „Glaube deinem Kind!“.

Voriger Artikel
Der neue Blitzer räumt ab: 750 Verkehrsverstöße pro Woche
Nächster Artikel
Kleines Theater: Gesang, Gaudi, Gefühle

Gerti Teske (v.r.) Margrit Brandt, Marion Laaser, Susanne Lipponen und Lars Petersen haben die Broschüre erarbeitet. Die Sparkasse Südholstein, vertreten durch Kai Gräper, hat den Druck bezuschusst – genauso wie die Kabarettgruppe „Die Schwarzbunten“.

Quelle: Spreer

Bad Segeberg. „Gut geschützt vor sexueller Gewalt“: Das ist der Titel einer neuen Broschüre des Kinderschutzbundes (KSB) Segeberg. Konkret geht es um den Schutz von Mädchen und Jungen – vom Baby bis zum Jugendlichen. Denn die sind viel häufiger Opfer der verschiedensten Arten sexueller Gewalt als es aus Statistiken hervorgeht. Die Dunkelziffer ist enorm. Jedes Delikt weniger wäre ein Erfolg. Die Broschüre soll dazu beitragen.

„Die wenigsten sexuellen Grenzverletzungen werden angezeigt und geahndet.“ Susanne Lipponen, Rechtsanwältin

„Das Dunkelfeld ist gewal- tig, Fachleute schätzen es etwa sieben Mal so hoch ein.“ Gerti Teske, Fachberatungsstelle des KSB

Sie ist in einer Auflage von 3000 Exemplaren von Gerti Teske und Lars Petersen (KSB), Marion Laaser (Kreis-Jugendschutzbeauftragte), Diplom-Psychologin Margrit Brandt und der Bornhöveder Rechtsanwältin Susanne Lipponen erarbeitet worden. Dieses nützliche Heft mit 80 Seiten, das in Verwaltungen, dem KSB, Schulen, Kitas und Praxen ausliegen wird, ist vor allem Eltern und Erziehern zu empfehlen. Es enthält eine Fülle von Hinweisen, wie sexuelle Gewalt erkannt werden kann, wo man Hilfe findet und was man selber tun kann.

Die Täter, die Kinder und Jugendliche missbrauchen, sind fast nie die bösen Mitschnacker, sondern sie kommen in den meisten Fällen aus der Mitte der Gesellschaft. Sie seien oft sympathisch, Verwandte oder Nachbarn. „In der Mehrzahl der Fälle geschieht sexuelle Gewalt geplant in der Familie, in der Verwandtschaft oder im nahen Sozialraum wie Kindergarten, Schule oder Sportverein“, heißt es in der Broschüre. Und: „Fast 30 Prozent der betroffenen Kinder ist unter sechs Jahre alt. Die Gruppe der Grundschulkinder (6 bis 10 Jahre) ist mit 40 Prozent betroffen. Elf Jahre und älter sind knapp ein Drittel der Betroffenen.“ Was erstaunt: 35 Prozent der Täter sind unter 18 Jahren alt – sie stellen die größte Gruppe. Und: „20 Prozent aller Jungen, die sexuelle Gewalt erfahren, werden von Frauen missbraucht“, so steht es in der Broschüre.

Wie Lars Petersen ausführte, seien 2015 insgesamt 202 junge Opfer bei Gerti Teske in der Fachberatungsstelle des KSB gegen sexuelle Gewalt gewesen. „Das Dunkelfeld ist gewaltig, Fachleute schätzen es ungefähr sieben Mal so hoch ein“, sagt sie. Sie habe auch festgestellt, dass die Opfer zuerst zum KSB oder zum Jugendamt gingen, bevor sie einen Vorfall bei der Polizei anzeigten. Was viele nicht wissen dürften: Weder der KSB noch das Jugendamt sind verpflichtet, solche Angriffe der Polizei zu melden. Viele Opfer wollten das auch gar nicht, sagen die Fachleute.

Entsprechend wenige Fälle landen vor Gericht. Lipponen: „Die wenigsten sexuellen Grenzverletzungen werden angezeigt und geahndet.“ Und noch seltener würden die Täter verurteilt, ärgert sich die Bornhöveder Anwältin. „Das ist schlimm.“ Sie ist Nebenklagevertreterin von Opfern, hat oft miterlebt, wie schwer es ihren Schützlingen fällt, vor Gericht auszusagen. Aber sie weiß, wie deren Position im Gerichtssaal gestärkt werden kann. Besonders schlimm sei es, wenn die Opfer erst ein Jahr nach dem Vorfall oder noch später vor Gericht erscheinen müssten. Lipponen: „Das ist eine Zumutung.

Irgendwann muss dieser Mensch ja die Tat auch mal für sich selber verarbeitet haben.“

Sexuellen Missbrauch kann man nicht völlig verhindern. Aber man kann sich und andere sensibilisieren, Dinge und Verhaltensweisen aufmerksamer wahrzunehmen, ohne überall „Gespenster“ zu sehen. Wie die Fachleute betonen, sollten Eltern ihren Kindern grundsätzlich glauben, was sie erzählen – wenn sie denn überhaupt etwas erzählen. Viele gäben sich für das, was ihnen zugefügt wird, selbst die Schuld, sagt Margrit Brandt. Die Psychologin versichert: „Ich habe in meiner Praxis noch nie erlebt, dass Kinder sich etwas ausgedacht haben.“

Hohe Dunkelziffer bei den Straftaten

162 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden im vergangenen Jahr im Bereich der Polizeidirektion Bad Segeberg angezeigt. Die tatsächliche Zahl der Straftaten sei äußerst schwer zu quantifizieren, sagte Polizeisprecher Jan-Hendrik Wulf. Die Dunkelziffer sei hoch. Denn ein Großteil solcher Taten wird von den Opfern nicht angezeigt. Und nicht jedes wendet sich an Beratungsstellen.

75 Straftaten wurden alleine 2015 angezeigt, bei denen Kinder und Jugendliche die Opfer waren. 24 davon gegen 14- bis 18-Jährige und 51 gegen Kinder bis 13 Jahren. 2014 wurden insgesamt 88 Straftaten angezeigt, davon waren 18 an 14- bis 18-Jährigen verübt worden und 70 an Kindern bis 13 Jahren. 2013 wurden 101 Taten gegen Kinder angezeigt, 46 wurden an 14- bis 18-Jährige verübt und 55 an Kindern bis 13.

 Christian Spreer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt.

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt. mehr

  • Lifestyle
    Unser Lifestyle-Portal

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Reisetipps
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

Karl-May-Spiele

Nachrichten zu den Karl-May-Spiele am Kalkberg in Bad Segeberg.

Kinokritik

Kurz und knapp erklärt, ob sich ein neuer Film lohnt oder nicht.