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Segeberg Wie geht es weiter mit der Moorbahn?
Lokales Segeberg Wie geht es weiter mit der Moorbahn?
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22:42 14.12.2017
Am 2. Advent tuckerte die Oskar-Alexander-Kurbahn vorerst zum letzten Mal mit Gästen und mit vielen Infos zur Natur durch das Moor. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop
Bad Bramstedt

„Oskar-Alexander-Kurbahn“ haben die Mitglieder des sehr aktiven Fördervereins die Moorbahn getauft, nachdem sie die 1300 Meter lange Schmalspurstrecke bis 2013 in vier Jahren Eigenarbeit erneuert haben. Die Männer sind also krisenerprobt. Jetzt stehen sie vor technischen Problemen, deren Lösung die Mitglieder erneut vor eine Herausforderung stellt: Konzipiert und gebaut wurde die Strecke vor allem für den Transport von Torf, Holz und anderen Materialien aus und ins Moor für die Heilanwendungen in der nahen Klinik. Weil die Touren gut ankommen und die Menschen sich für das Naturmoor interessieren, gibt es gelegentlich auch Fahrten mit Moorbesuchern. Mit dieser Personenbeförderung in den jahrzehntealten Schmalspurloks in das sumpfige Gebiet hat man sich offenbar in einer Grauzone bewegt, die der Gesetzgeber nun geschlossen hat.

Letzte Fahrt der Moorbahn durch Hamanns Sumpf bei Bad Bramstedt. Betriebsleiter und Förderverein hoffen, dass das nur für die Winterpause und nicht für immer gilt. Denn für zukünftige Personenbeförderungen fehlt eine Sicherheitsfahrabschaltung, falls dem Lokführer etwas passiert.

Das Problem: Die Loks werden nur von einer Person bedient, verfügen aber über keinen so genannten „Totmannknopf“ oder eine Sicherheitsfahrschaltung (Sifa). Beides bremst einen Zug, wenn der Lokführer handlungsunfähig ist. Die Zugmaschinen sind zu alt. „Niemand in Deutschland hat sich bisher Gedanken gemacht, eine Sifa und eine Druckluftbremse in eine Arbeitsbahn einzubauen. Das ist eigentlich unverantwortlich“, sagt Betriebsleiter Andreas Knopf. „Wenn heutzutage Torfbahnen durch die Gegend fahren, die diese Einrichtung schon haben und wir fahren mit Personen rum und haben das nicht – da hört der Spaß auf.“

Bisher habe es weder ein Regelwerk dazu gegeben noch eine zuständige Aufsichtsbehörde und damit keine Rechtssicherheit, ergänzt Knopf. Das werde sich 2018 ändern. Doch eine Umrüstung ist bei den bummelig 60 Jahre alten Loks nicht möglich. „Baujahr 1980 müssten sie sein oder jünger, dann ginge das“, hat sich Knopf genau informiert. Vor allem mit Blick auf das Projekt „TALIT“ (Technik, Arbeit, Landschaft, Industriekultur) des Fördervereins. Denn ab 2019 wird das Moorbewegungsbad der Kliniken dicht gemacht. Die Idee hinter TALIT: Das Heilmoor als Naturerlebnisraum über Ende kommenden Jahres hinaus erhalten und weiter dafür sorgen, dass das Gebiet nicht verlandet.

Auch solle die Moorbahn dann wieder bis zur Klinik fahren. Zwar wird zukünftig weiter Material, etwa Holz, Sand und anderes, befördert werden können. Doch ob es die beliebten Fahrtage auch noch geben wird, hängt davon ab, ob das Problem logistisch gelöst werden kann – etwa durch eine alte Lokomotive mit Platz für eine Zweitbesetzung im Führerstand. Eine, die ganz ohne Lokführer auskommt oder eine alte Lok, die umgerüstet werden kann und dem Verein leihweise zur Verfügung gestellt wird.

Ein Neukauf, der bei 180000 Euro läge, sei nicht möglich, betont Christian Stockmer aus dem Vereinsvorstand. Derzeit werden verschiedene Lösungen durchdacht. Stockmer: „In der Jahresversammlung Anfang Januar werden wir den Mitgliedern die Ergebnisse aus unseren Gesprächen mitteilen, dann wird eine Entscheidung gefällt.“

Zupackender Förderverein

Fast 90 Jahre alt ist die Schmalspurstrecke der ehemaligen Moorbahn, die durch „Hamanns Sumpf“ führt. Der Betrieb bis zu den Kliniken wurde 1977 eingestellt. Übriggeblieben ist eine Materialbahnroute über 1,3 Kilometer durch das Moor. Mit viel Energie startete der Förderverein 2009 eine Sanierung, die vier Jahre lang dauerte. 16 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Sonnabends stehen Arbeitsfahrten der Bahn an. Dazu werden im Jahr 17 bis 20 Personenfahrten organisiert. Mehr Infos unter www.kurbahn-bad-bramstedt.

 Heike Hiltrop

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