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Segeberg Wie kriminell ist Bad Segebergs Jugend?
Lokales Segeberg Wie kriminell ist Bad Segebergs Jugend?
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19:02 02.11.2018
Oberkommissar Uwe Pawlowski (58) hat den genauen Blick auf die Jugendszene in der Kreisstadt. Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Ist die Innenstadt von Bad Segeberg ein unsicherer Ort geworden? Viele Einwohner machen sich inzwischen Sorgen wegen „Jugendbanden“, die in den Abendstunden an öffentlichen Plätzen „herumlungern“. Meldungen über Vandalismus und Übergriffe tragen ein Übriges zum Gefühl der Unsicherheit bei. Erst am Mittwochabend war ein 16-Jähriger auf dem Hof der Dahlmannschule verprügelt und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, vor einigen Wochen hatte es eine Raubtat am Kirchplatz gegeben. Auch hier waren Täter und Opfer Jugendliche.

Oberkommissar Uwe Pawlowski, Jugendsachbearbeiter bei der Bad Segeberger Polizei, kennt die Szene ganz genau. Dass die Stadt ein größer werdendes Problem mit Jugendkriminalität hat, verneint der 58-Jährige aber. Auffälligkeiten habe es in der Stadt seit Jahrzehnten immer wieder gegeben. Die Skinhead-Szene Anfang der Neunziger Jahre zum Beispiel, die später durch gewalttätige, russlanddeutsche Jugendliche abgelöst wurde. Aktuell sei es eher eine „bunte Mischung“. Zuwanderer aus dem arabischen Raum spielten dabei ebenso eine Rolle wie deutsche Kinder und Jugendliche aus der Stadt und den umliegenden Dörfern.

Hof der Dahlmannschule ist „angesagt“

In jüngster Zeit hätten sich dabei bestimmte Treffpunkte herauskristallisiert. Die Ecke Marktplatz/Kirchplatz zum Beispiel sei vor allem für junge Zuwanderer attraktiv, weil es dort einen Internet-Hotspot gebe. Groß angesagt bei jungen Segebergern sei zurzeit aber insbesondere der Hof der Dahlmannschule, wo es in jüngster Zeit immer wieder zu Vandalismus gekommen war. „Sehen und gesehen werden ist für die meisten Jugendlichen einfach ungeheuer wichtig, deswegen halten sich viele an solchen Plätzen auf.“ Mit „Gangbildung“ habe das erst mal nichts zu tun. Über ihre Smartphones seien die Jungen allerdings hervorragend vernetzt, so dass sich in kürzester Zeit viele am selben Ort zusammenfinden. Dabei komme es dann gelegentlich auch zu Straftaten, oft aus jugendlichen Übermut oder Angeberei heraus. „Schädliche Neigungen“ nennt das die Polizei.

Insbesondere vielen älteren Menschen mache das Angst, räumt Pawlowski ein. Vor allem weil sich die Bad Segeberger Jugend wegen der Zuwanderung der vergangenen Jahre auch „optisch“ verändert habe. Dabei hätten Außenstehende in der Regel nichts zu befürchten. Zu Gewalt komme es meist untereinander. Und auch dann selten spontan, die meisten Taten hätten eine Vorgeschichte. Die Prügelei am Mittwoch sei zum Beispiel auf eine Nachricht in einem sozialen Netzwerk zurückgegangen, von der sich der Täter von seinem Opfer beleidigt gefühlt habe. Der Raub am Kirchplatz sei die Eskalation eines Streits gewesen, der bereits im Sommer zwischen den Beteiligten ausgebrochen war.

Beleidigungen Auslöser von Konflikten

Allerdings habe die Zuwanderung die Lage auch nicht eben einfacher gemacht, räumt der Oberkommissar ein. Viele Hinzugekommene gehörten einer Kultur an, in der Wörter auf die Goldwaage gelegt werden und man sich sehr schnell sehr beleidigt fühle. Eine leicht daher gesagte und unter Jugendlichen gebräuchliche Beleidigung wie „Hurensohn“ zum Beispiel verletze nicht nur die eigene, sondern auch die Familienehre. Das sei oft Auslöser von Konflikten. Schaltet die Polizei dann bei Bedarf die Eltern ein, sei es aber meist vorbei mit kulturellen Unterschieden: „Egal, ob die Eltern aus Syrien, Afghanistan oder aus Deutschland stammen – sie schämen sich für ihre Kinder“, sagt Pawlowski.

Wirkliche jugendliche Intensivtäter, die immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten, gebe es in Bad Segeberg zwar auch. Ihre Zahl sei im Vergleich allerdings gering, „es handelt sich höchstens um eine Hand voll, eher zwei bis drei“, erklärt der Beamte. An die sei mit erzieherischen Methoden auch nicht mehr heranzukommen, sie werden deshalb von der Ermittlungsgruppe Jugend der Kriminalpolizei gesondert betreut. Die Regel sehe aber anders aus. „90 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die bei uns so durchlaufen, sehen wir einmal und dann nie wieder“, sagt Pawlowski. Wenn ein erzieherisches Gespräch als mildestes Mittel nicht fruchte, folgten gemeinnützige Arbeitsstunden oder ähnliche Sanktionen erzieherischer Art. In der Regel genüge das dann, um das Unrechtsbewusstsein zu wecken. Im Übrigen werde unangepasstes oder kriminelles Verhalten auch unter Jugendlichen keinesfalls gebilligt, betont der Polizist. Viele Straftaten werden von ihnen selbst bei der Polizei angezeigt.

Einrichtung von Jugendcafé geplant

Thomas Minnerop, Leiter des Projekts „Jugendgerechte Kommune“, weiß ebenfalls um die Probleme, die sich an den beliebten Treffpunkten in Bad Segeberg abspielen. Leider fehle es in der Stadt noch an einem zentral gelegenen Treffpunkt, der vor allem in den Abendstunden aufgesucht werden könne. Deshalb werde seitens der Stadt auch die Einrichtung eines Jugendcafés vorangetrieben. Aber auch das könne nicht alle Probleme lösen, denn wer Randalieren wolle, der mache das einfach, gleichgültig wie gut die Angebote sind. Außerdem müsse es auch Orte geben, an denen die Jungen frei von pädagogischer Aufsicht unter sich sein könnten. „Wir können deshalb nur immer wieder an alle appellieren, sich die letzten Orte, an denen sie sich noch ungestört aufhalten dürfen, durch ihr eigenes Verhalten nicht zu versauen“, sagt Minnerop. Sonst könnte die Dahlmannschule bald ebenso abgezäunt werden wie der Sportplatz am Städtischen Gymnasium.

Oliver Vogt

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