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Segeberg Wieder Havarie an der Biogasanlage Brokenlande
Lokales Segeberg Wieder Havarie an der Biogasanlage Brokenlande
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22:19 15.01.2018
Eine Umweltkatastrophe sei nicht zu befürchten. Die Feuerwehr habe das Gelände mit einem Wall abgesperrt, so dass gegenwärtig nicht die Gefahr bestehe, dass Gülle in öffentliche Gewässer oder ins Grundwasser gerät. Quelle: Daniel Friedrichs
Brokenlande

Die Feuerwehr war Montagvormittag kurz nach zehn Uhr alarmiert worden, als ein Dichtungsventil an einem 5000-Kubikmeter-Tank aus noch ungeklärter Ursache nachgab und die Flüssigkeit auf das Betriebsgelände sprudelte. „Es fließen etwa 1000 bis 1500 Kubikmeter in der Stunde aus“, sagte Sönke Möller, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes am Vormittag vor Ort. Den 70 Einsätzkräften der Feuerwehr, darunter der ABC-Zug aus Bad Segeberg, sei es aber rechtzeitig gelungen, einen Wall aufzuschütten, um die stinkende Masse auf dem Betriebsgelände zu halten. Eine Gefahr für umliegende Gewässer und das Grundwasser soll demnach nicht bestanden haben. Auch für die Bevölkerung sei von der Einsatzstelle keine Bedrohung ausgegangen, sagte Möller. Wie die Polizei am Nachmittag klarstellte, habe es sich nicht um tierische Gülle, sondern um ein „gülleänhliches Gärsubstrat“ aus Maissilage gehandelt.

Im Laufe des Nachmittags war es der Feuerwehr und Angestellten der Firma gelungen, das Leck provisorisch abzudichten. Nach Schätzungen von Polizei und Unterer Wasserbehörde des Kreises waren bis dahin aber bereits zwischen 1,6 und zwei Millionen Liter aus dem mit etwa fünf Millionen Litern Gärsubstrat randvoll gefüllten Tank ausgelaufen. Umliegende Landwirte und Lohnunternehmer hatten den Gülle-See im Laufe des Tages abgepumpt und zum Teil auf Felder in der Umgebung aufgebracht. Feuerwehr und Wasserbehörde überwachten die Arbeiten, die bis in den späten Abend andauerten.

Die Anlage in Brokenlande war in der Vergangenheit bereits häufiger in die Schlagzeilen geraten: Im Januar 2014 waren bei einer ähnlichen Havarie rund zwei Millionen Liter Gülle ausgetreten, hatten großflächig das Erdreich und einen Bach verunreinigt. Das Kieler Umweltministerium führte den Unfall damals auf ein Ventil zurück, das falsch eingebaut und nicht für die Anlage geeignet gewesen sei. Wegen diesem und anderer Zwischenfälle – 2012 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen unsachgemäßer Lagerung von Silage und unzulässiger Ableitung belasteten Wassers – prüfte das Ministerium anschließend sogar eine Stilllegung der Anlage, zu der es zwar nicht kam. Im August 2015 wurden die beiden Betreiber aber wegen der Grundwasserverunreinigung rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt.

Eine Stillegung der Anlage wird derzeit nicht mehr angestrebt, teilte das Kieler Umweltministerium am Montag auf Anfrage mit. Nach der Havarie von 2014 habe der Betreiber alle Auflagen der Behörden erfüllt, „die Untersagung des Betriebes ist zurzeit kein Thema mehr“, stellte Sprecherin Jana Ohlhoff klar. Der Betrieb in Brokenlande sei zudem in mehrere Anlagen unterschiedlicher Gesellschaften aufgeteilt, die zwar auf dieselbe Person zurückgingen, jedoch separat voneinander genehmigt seien. Bei der Havarie vor vier Jahren sei ein benachbarter Tank betroffen gewesen, der zu seiner anderen Gesellschaft gehöre.

Die letzte Störfallinspektion der betroffenen Anlage war im Sommer 2015 vorgenommen worden und muss turnusmäßig erst im Juni 2018 erneuert werden. Die Ermittlungen der Polizei zur Ursache des Unglücks dauern aber noch an.

Von Oliver Vogt

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