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Segeberg Willkommen an der Bahnsteigkante
Lokales Segeberg Willkommen an der Bahnsteigkante
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18:14 13.08.2016
Fahrt im Klv-4001 von 1952: Der Kleinwagen, eine Aufsichtsdraisine, ist ein Einzelstück. Die Eisenbahnfreunde haben ihn restauriert. Quelle: Fotos: H. Hiltrop

Der letzte Zuggast wartete am 29. September 1984 gegen 15 Uhr darauf, beim planmäßigen Halt am Bahnhof von Kleinkummerfeld zuzusteigen. Heute ruft niemand mehr: „Vorsicht an der Bahnsteigkannte“, die Nordbahn surrt im Stundentakt lediglich vorbei. Das Bahnhofsgebäude, hinter dem eine alte Diesellok ihre Endstation gefunden hat, liegt wie im Dornröschenschlaf – einsam, aber nicht verwaist. Denn die Eisenbahnfreunde Mittelholstein treffen sich hier regelmäßig. An diesem Wochenende haben sie ihr Domizil für das Publikum geöffnet.

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Das alte Stellwerk ist noch funktionsfähig, allerdings sind die Zuleitungen am Boden gekappt, weiß Jürgen Vorbeck. Darum läuft hier nichts.

Zwischen Signalanlagen, Modellzügen, Schmalspurbahn, Triebfahrzeug geht es um die pure Freude an altem Eisen, inklusive Anfassen und Mitfahren. Und so schlendern seit gestern vor allem Familien über das Gelände am Museumsbahnhof. Hier mischt sich der staubige Hauch von Nostalgie mit dem Spaß an Technik von vorgestern, werden aus Männern wieder kleine Jungen, deren Augen beim Blick über die 450 Meter Vereins-Schienennetz, die Waggons und Wagen zu glänzen beginnen. „Die Signale sind zum Teil noch aktuell“, sagt Besucher Michael Kostrzewa. Er muss es wissen, denn der 36-Jährige ist Lokführer.

Schon seit 20 Jahren – von der H0-Modellbahn quasi direkt auf die 1536, die richtigen Regionalzüge. Sein Revier liegt zwischen Flensburg, Hamburg und Lübeck. Ein Familienausflug hat ihn zum ersten Mal nach Kleinkummerfeld geführt.

Dieses Mal ist es keiner der normalen Eisenbahntage, die der Verein regelmäßig ausrichtet, es gibt ein Jubiläum zu feiern: 100 Jahre Bahnhof Kleinkummerfeld. „Der zwischen den Stationen Neumünster und Rickling, rechts der Bahnstrecke Neumünster–Bad Oldesloe gelegene Bahnhof Boostedt erhält vom 1. Mai an die Bezeichnung Kleinkummerfeld. Gezeichnet Schleswig“, steht auf dem alten Dokument, das im Februar des Jahres 1916 ausgestellt worden war. August Wehking war damals Stationsvorsteher. Und er habe immer gerne zum Besten gegeben, dass bei Halt am Bahnhof anfangs aus dem hinteren Teil laut „Boostedt“ angekündigt wurde, während vorne vom Schaffner ein kräftiges „Kleinkummerfeld“ ertönte. Diese und andere Anekdoten sowie etliche Utensilien rund um den Bahnbetrieb präsentieren die Eisenbahnfreunde derzeit. Auch ein altes Foto, das einstige Bahnbedienstete zeigt, ist darunter. „Von 1906“, ergänzt Vereinsvorsitzender Kay-Uwe Kühne. Bernd Bobrowski, Gründungsmitglied des Vereins begrüßt derweil die wachsende Besucherschar an der Bahnsteigkante und gibt stilecht mit seinem altertümlich anmutenden Galoppwechsler Wechselgeld zur Eintrittskarte heraus. Während die voll besetzte Schmalspurbahn unermüdlich zwischen Kleinkummerfeld-Park und einem Stopp ein paar Minuten entfernt im Grünen pendelt, erklärt Jürgen Vorbeck das originale Stellwerk: „Die Anlage wäre noch voll funktionstüchtig, wenn die Leitungen nicht am Boden gekappt worden wären.“

Wieder saust die Nordbahn vorbei, doch von ihr nimmt niemand Notiz. Im Bahnhof regelt Paul (9) den Modellbahnverkehr:„Eisenbahn ist viel besser als Fußball . . .“

Bahnhof ist auch heute geöffnet

Die Eisenbahnfreunde Mittelholstein öffnen auch heute ihren Schalter am Kleinkummerfelder Bahnhof von 11 bis 17 Uhr . Der Eintritt beträgt zwei Euro, Kinder bis 14 Jahren sind frei.

12 Eisenbahnfans, darunter manch ehemaliger Bahnmitarbeiter, gründen am 28. Februar 1985 den Verein mit Sitz in Neumünster. Treffpunkt sind die Nebengebäude am Bahnhof Aukrug-Innien (Neumünster–Heide). Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit der Deutschen Bundesbahn wird der Verein am 1. Dezember 1986 Besitzer des stillgelegten Bahnhofs in Kleinkummerfeld (Am Bahnhof 16). Infos im Netz: www.efm-ev.de. hil

Heike Hiltrop

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