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Segeberg Willkommen im Leben, kleiner Wanderfalke!
Lokales Segeberg Willkommen im Leben, kleiner Wanderfalke!
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22:23 17.04.2017
Drei Tage ist dieses Wanderfalken-Küken alt, das schon mächtig Gewicht zugelegt hat. Quelle: DREU
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Pronstorf

Wanderfalken sind die am weitesten verbreitete Vogelart schlechthin. Bis auf die Antarktis ist die größte Falkenart, deren Sturzflüge aus großer Höhe spektakulär sind, in allen Erdteilen zu finden. Ob im Gebirge, auf dem platten Land oder aber in Großstädten – Wanderfalken haben sich ihrer Umgebung angepasst. Sie brüten dabei bevorzugt in Felsen.

Bei Falkner Bernd Nowak in Pronstorf sind im Abstand von jeweils drei Tagen drei Küken geschlüpft.

Wenn sich ihnen aber wie am Bad Segeberger Fernsehturm eine umgedrehte Maurerbütt als Nistmöglichkeit bietet, machen sie auch davor nicht Halt. Heute ist der Bestand nicht mehr gefährdet, was in den 70er Jahren allerdings noch ganz anders aussah.

„Damals hatte das Pflanzenschutzmittel Dichlordiphenyltrichlorethan, abgekürzt DDT, zu einem großen Bestandsrückgang geführt. Der Deutsche Falkenorden hat mit Nachzuchten dafür gesorgt, dass sich der Bestand wieder erholt hat“, erzählt der Pronstorfer Falkner Bernd Nowak. In seinem Büro stehen drei Brutschränke, in denen schon viele Küken seiner Greifvögel das Licht der Welt erblickt haben. Im Abstand von jeweils drei Tagen haben bei ihm jetzt wieder drei Wanderfalken-Küken den Kampf mit der schützenden Eihülle gewonnen.

Die Eischale ist mittel- und dunkelbraun gesprenkelt, inzwischen liegt sie zerbrochen in einer kleinen Schachtel mit feinen Kieselsteinen, die mit einem Blatt von der Küchenrolle bedeckt sind. Einen ganzen Monat lang hat sich ein kleiner Wanderfalke in dem Ei entwickelt, ist gewachsen und langsam zu Kräften gekommen. Nach ziemlich genau 31,5 Tagen jedoch wird es dem kleinen Greifvogel zu eng. Er pickt gegen die Hülle – ein Kraftakt. Zwei ganze Tage lang dauert es, bis das Falken-Küken das Ei rundherum angepickt hat und die Schale schließlich zerbricht.

Seine letzten Kraftreserven sind aufgebraucht. Es liegt weiterhin im Brutkasten, den Bernd Nowak auf eine konstante Temperatur von 37,4 Grad Celsius eingestellt hat. Es ist unfähig, auch nur den Kopf zu heben, so sehr hat der Schlüpfvorgang an seinen Kräften gezehrt. Die Lebensgeister des Jungvogels wachen erst wieder auf, als der Falkner zu Tisch bittet. Auf dem Speiseplan: Babyspeckmäuse. Diese zerteilt Nowak mit Fleisch und Knochen in kleine Häppchen, die er dem Falkenbaby mit einer Pinzette vor den Schnabel hält. Kaum ist das erste Stück heruntergeschluckt, beginnt es: das anfangs noch zaghafte Piepen, der Ruf nach Futter, der bei seinem drei Tage älteren Geschwisterchen schon viel lauter ist.

Mit Kameras in seinen Volieren hat Bernd Nowak das Liebesleben seiner Greifvögel ganz genau im Blick. Und er hört, wann die eigentliche Befruchtung des Weibchens durch das viel kleinere Männchen, das Terzel genannt wird, stattgefunden hat. Über sie führt er mit Datum und Uhrzeit genau Buch. Sind die Eier, in der Regel sind es vier Stück, erst einmal gelegt, verbleiben sie zwischen sieben und zehn Tage bei den Eltern, und werden dann maschinell bebrütet. Mit etwas Glück legt sein Wanderfalken- Paar dann sogar noch ein zweites Mal Eier.

Dass es bei Bernd Nowaks Wanderfalken so gut mit dem Nachwuchs klappt, der dann auch noch auf ganz natürliche Weise entsteht, ist nicht selbstverständlich. Viele andere Falkner müssen auf eine künstliche Befruchtung zurückgreifen. „Wanderfalken sind sehr wählerisch. In der Natur sucht sich das Weibchen seinen Terzel selbst aus. In Gefangenschaft aber ist es wie bei einer Zwangsehe. Wenn die Chemie nicht stimmt, geht gar nichts.“

 

 Petra Dreu

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