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Segeberg Wilsons Liebeserklärung an „Mum“
Lokales Segeberg Wilsons Liebeserklärung an „Mum“
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22:59 23.06.2018
Auch diese Terracotta-Figur zählt zu den Ausstellungsstücken im Café.
Groß Niendorf

Eines der Bilder, die Patrick Wilson jetzt im Groß Niendorfer Hofcafé zeigt – ja, das ins Auge springt – fand Ausstellungsorganisator Claus Bärwald kürzlich beim Künstler – nicht ganz fertig – im Atelier. „Das musste einfach hierher“, bekräftigt Bärwald bei der Ausstellungseröffnung. Nun hängt es überm Kaffeetisch am Fenster. Ganz frisch. In Pastell. Ein Traum von Gelb. Wilson hat es auf einer Feld-Staffelei draußen in der Natur gemalt. Der Raps bauscht sich im Wind, er verschwimmt wie bei einer Langzeitbelichtung. Am Horizont formiert sich ein dunkles Wolkengebilde. Dazwischen bricht sich das Licht der Sonne. Gewitter. Stimmungen von Landschaften: Patrick Wilson vermag sie einzufangen. Der 83-Jährige ist als Künstler vielseitig. „Er will Eindrücke möglichst realistisch einfangen“, sagt Bärwald zu den Bildern. Und was noch wichtiger ist: Patrick Wilson ist Kunsterzieher, er vermittelt Kunst, er teilt sein Wissen um die Einwirkung des Lichts auf Ausdruck der Farbe und Form. Seit 1967 arbeitet er als Kunsterzieher in Norderstedt, davon 23 Jahre am Lessing-Gymnasium. Noch heute unterrichtet der Dozent von Malerei, Grafik und Figürlichem Gestalten angehende Kunststudenten, bevor sie ihre Mappen in den Kunsthochschulen einreichen.

Es war kein leichtes Unterfangen, die oft sehr großformatigen Bilder von Patrick Wilson im Hofcafé Groß Niendorf aufzuhängen. Der Lehrer und Dozent für Malerei und Figürliches Gestalten aus Kisdorf zeigt hier einen imposanten Ausschnitt seiner Kunst aus über 50 Jahren.

Kunst im Café

Den ganzen Sommer über, ab jetzt bis zum 23. September, ist die Ausstellung von Patrick Wilson im Hofcafé in Groß Niendorf, Dorfstraße 29, zu sehen. Das Café ist freitags, sonnabends, sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Gezeigt werden 18 Werke von dem bekannten Kunsterzieher aus Kisdorf.

Seit Jahren arbeitet er auch mit Flüchtlingen. Mit Ton etwas formen, das gehe auch ohne Sprache, sagt er. Die Kinder, mit denen er Schalen oder weihnachtliche Iglus brenne, seien zwischen fünf und 14 Jahren alt. „Es ist mir anfangs sehr schwer gefallen, die richtige Art des Umgangs mit ihnen zu finden“, gibt er zu. Wilson, der in den sechziger Jahren aus Südengland nach Deutschland kam, kann vieles nachfühlen. „Sie sollen etwas machen, was schön ist“, sagt er.

In der Diele des Hofcafés steht „Mum“, das zwei Meter hohe Porträt seiner Mutter. Als Findelkind nahm sie Patrick auf. Seine leibliche Mutter war Irin, die ihr Kind auf der Durchreise einfach bei Familie Wilson zurückließ. Da war er vielleicht drei Wochen alt.

Das Bild ist eine Liebeserklärung in Ölfarbe an seine Mutter May Wilson aus St. Albans in Süd-England. Eine zarte Frau mit weißen Haaren, gütig blickend, den Fliederstrauß in ihren erstaunlich langen Armen mit den erstaunlich großen Händen. Es gibt kaum Fotos von ihr, Wilson hat sie aus der Erinnerung gemalt und ihr die Dinge ins Bild gegeben, die sie liebte.

Wolfgang Glombik

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