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Segeberg Windkraft durch die Hintertür?
Lokales Segeberg Windkraft durch die Hintertür?
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20:10 26.04.2017
„Es ist mal wieder alles an der Gemeinde vorbei eingetütet worden. Gesche Gilenski Bürgermeisterin Groß Rönnau
Bad Segeberg

Es war am 6. Dezember, als das Land den neuen Entwurf des Regionalplans zum Thema Windenergie veröffentlich hat. Flächen, die zuvor als Windeignungsflächen gekennzeichnet waren, waren aus dem Plan verschwunden. Viele Gemeinden gingen davon aus, dass sich damit Windkraft auf ihrem Gebiet erledigt hätte. Das ist nicht der Fall, wie die Groß Rönnauer jetzt feststellen müssen. Sie sind von einer Planung hinter dem Rücken der Gemeinde eiskalt erwischt worden. Dass Groß Rönnau kein Einzelfall ist, glaubt nicht nur Kreisplaner Frank Hartmann.

Flächen in Groß Rönnau sollen offenbar in den Regionalplan – Gemeinde nicht beteiligt.

„Spargel“-Verbot

Aufatmen: In Negernbötel werden keine „Spargel“ aufgebaut. Bürgermeister Dieter Beuk teilte in einer Einwohnerversammlung mit, dass bei den in der Diskussion befindlichen Flächen der Flugplatz, Fledermausschutz und eine Wetterradarstation gegen Windenergienutzung sprechen würden.

„Ein solches Vorgehen ist nicht unüblich. Die Investoren hoffen, die Landesplaner davon überzeugen zu können, dass die Flächen, die sie sich ausgesucht haben, weniger Konfliktpotenzial bieten als andere. Die Möglichkeit, dass diese Flächen doch in den Regionalplan aufgenommen werden, ist durchaus gegeben“, sagt Hartmann. Die sogenannten Windvorrangflächen seien lediglich die Gebiete, die das Land als Flächen mit dem geringsten Konfliktpotenzial herausgefiltert habe. Die Investoren hätten natürlich ein großes Interesse daran, dass ihre Flächen in der „Rangliste“ weiter nach oben steigen.

Gar kein Verständnis hat dafür Volker Matusch aus Groß Rönnau: „Dass das nicht unterbunden wird, wundert mich.“ Er sei entsetzt darüber, dass es bereits Treffen hinter verschlossenen Türen zwischen der Windprojektfirma Nadeva Wind GmbH aus Glücksburg und den Landeigentümern gegeben habe. Auf der 112 Hektar großen Fläche entlang der L 68 in Richtung Schlamersdorf (siehe Grafik) möchte das Unternehmen bis zu elf Anlagen mit einer Höhe von jeweils 180 Metern errichten. „Bei den Treffen waren auch drei Gemeindevertreter dabei, denen in dem Gebiet ebenfalls Land gehört. Das waren geheime Treffen. So etwas ist doch nicht in Ordnung“, sagt Matusch. Das sieht Bürgermeisterin Gesche Gilenski ähnlich: „Es ist mal wieder alles an der Gemeinde vorbei eingetütet worden.“

Unterstützung bekommen sie und Volker Matusch von Klaus Rahtje, offenbar einziger Kritiker des Vorhabens in der Runde der Landeigentümer, und den Groß Rönnauern, die sich gegen einen möglichen Windpark wehren wollen. „Wir werden auf jeden Fall eine Bürgerinitiative gründen“, kündigt Matusch an, der davon überzeugt ist, dass die Einwohner in Krems II von dem Windpark sogar noch stärker beeinträchtigt sein würden als die Groß Rönnauer. Als nächstes plant er, ein Faltblatt mit den wichtigsten Informationen zu erstellen.

Erheblichen Widerstand gibt es auch in der Gemeinde Pronstorf, in der die gleiche Windprojektfirma im Ortsteil Diekhof ebenfalls bereits aktiv geworden ist. Sechs Anlagen sollen dort errichtet werden. Vorverträge seien bereits abgeschlossen worden, heißt es. Der dort wohnende Falkner Bernd Nowak glaubt nicht, dass die Nadeva einziger Interessent für das Areal vor seiner Haustür ist. „Hier sind gleich mehrere Vogelgutachter unterwegs, die für verschiedene Investoren die Gegend auskundschaften. Alle wollen sie nur profitieren“, sagt Nowak, der Angst um den Bestand der Großvögel hat. Von der Firma Nadeva war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wo sich weitere Potenzialflächen außerhalb der Windvorranggebiete befinden, kann jeder auf der interaktiven Karte der Landesplaner herausfinden, die im Zuge des Beteiligungsverfahrens auf der Internetseite www.bolapla-sh.de zu finden ist. Auf ihr können verschiedene Filter ein- und ausgeschaltet werden. Wer dort bis auf die Filter „Harte Tabuzonen“ und „Weiche Tabuzonen“ alle anderen Filter ausschaltet, kann in den lilafarbene Flächen genau erkennen, wo überall der Bau von Windkraftanlagen ausgeschlossen ist. Aber vereinzelt sind auch weiße Flächen zu sehen, bei denen es sich um „Potenzialflächen“ wie die „Windvorrangflächen“ handelt.

Petra Dreu

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