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Segeberg Winnetou und der Kampf gegen die Schweden
Lokales Segeberg Winnetou und der Kampf gegen die Schweden
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11:13 25.06.2018
Schauspieler stehen nach der Premiere von «Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg» bei den Karl-May-Spielen im Freilichttheater am Kalkberg auf der Bühne, während Feuerwerk aufsteigt. Quelle: Georg Wendt/dpa
Bad Segeberg

Für so manchen Fan war es keine leichte Entscheidung: Winnetou oder Deutschland gegen Schweden? Doch am Ende siegte wie immer auf dem Kalkberg in Bad Segeberg der edle Apachenhäuptling. Knapp 7000 Fans pilgerten am Samstagabend zur Premiere von „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ - beim Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld im nahen Hamburg waren es zur selben Zeit mit 10 000 Fußballfans auch nicht wesentlich mehr.

Und so begeistern die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg wieder die Zuschauer. Der edle Apache Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand sind auch in diesem Jahr angetreten, um gegen das Böse zu kämpfen. Mit der Premiere des Stücks „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ starteten die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg am Samstag in ihre 67. Saison. Stilecht mit einem Schuss aus dem Colt erklärte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Karl-May-Festspiele 2018 für eröffnet.

Auch der CDU-Politiker bekannte, dass er eigentlich einen wichtigen „privaten Termin“ gehabt habe - er wollte das Spiel gucken, aber dann sei er natürlich doch zu Winnetou gekommen. Das sei schließlich auch eine willkommene Abwechslung zu Berlin, sagte er mit Blick auf den Streit zwischen CDU und CSU und fügte hinzu, er habe beim Hereinkommen geguckt, ob es irgendwo eine Friedenspfeife gebe, aber er habe nur Kriegsbeile gesehen.

Die werden dann auch gleich in der Arena geschwungen. In „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ kämpfen diesmal kriegerische Yumas - unter ihrem Häuptling Vete-Ya, der Große Mund (Nicolas König) - an der Seite von Erzschurke Harry Melton (Jochen Horst). Er will zusammen mit seiner fiesen Geliebten Judith Silberstein, mit viel Bosheit gespielt von Fernsehstar Christine Neubauer, einen Treck deutscher Siedler ins Verderben führen. Die Deutschen sollen in den mit Quecksilber vergifteten Stollen unter der in den Bergen Mexikos versteckten Felsenburg als Sklaven Gold abbauen. Natürlich haben sie die Rechnung ohne Winnetou und Old Shatterhand gemacht.

Das Stück, bei dem es auch um ein mexikanisches Dorf und eine heiße Liebesgeschichte zwischen der Wirtstochter Felisa (Melanie Böhm) und dem Häuptlingssohn Yuma-Shetar (Sascha Hödl) geht, stößt wie immer bei den loyalen Fans auf große Begeisterung. Wenn Winnetou-Darsteller Jan Sosniok zur bekannten Winnetou-Melodie einreitet, brandet Gänsehaut-Applaus auf. Doch diesmal sind die Zuschauer zumindest in der ersten Hälfte des Stücks etwas abgelenkt.

Auch wenn Festspiel-Geschäftsführerin Ute Thienel in ihrer Eröffnungsrede darum bat, keine Smartphones zu benutzen, schielen doch viele Zuschauer immer wieder auf ihr Handy, um sich über das Fußballspiel in Sotschi zu informieren. Schließlich hatte ja nicht nur der Ministerpräsident mit sich gerungen. „Ich habe drüber nachgedacht, das Spiel zu gucken“, gesteht Bernd aus Bad Segeberg. „Aber man ist halt soldarisch“, sagt er, der seit 15 Jahren regelmäßig zu den Karl-May-Festspielen kommt. Auch Frank zuckt immer wieder das Handy und hofft auf ein Tor der Deutschen. Aber auch für ihn war klar, dass er sich die Premiere anschaut. „Gibt auch noch andere Dinge im Leben als Fußball.“

Zur Freude der Fans sind sie jedoch nicht nur auf ihre Handys angewiesen. Old Shatterhand (Joshy Peters) rettet wie immer die Situation. Als er morgens aus einer mexikanischen Hütte herauskommt, antwortet er auf die Frage, ob alles gut sei: „Das kann man sagen, Deutschland hat gerade das 1:1 geschafft.“ Kurz vor der Pause auf dem Kalkberg fällt dann in Sotschi das erlösende Tor und das Publikum kann sich im zweiten Teil ganz auf den Kampf Winnetous gegen die Fieslinge konzentrieren.

Am Schluss gibt es dann viel Applaus für das Stück, die Darsteller und das Feuerwerk. Und beim Nachhauseweg wird natürlich genauso viel über die Retter des Wilden Westens wie über die Retter Deutschlands in Sotschi gefachsimpelt.

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