Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
„Wir müssen sehen, dass die Stadt funktioniert“

„Wir müssen sehen, dass die Stadt funktioniert“

Helmut Knüpp, Vorstandschef der Wankendorfer Baugenossenschaft, geht in den Ruhestand – Im LN-Interview spricht er über Erfolge seiner Amtszeit und neue Ziele.

Voriger Artikel
Ein Walnussbaum als Zeichen des Miteinanders
Nächster Artikel
13-Jährige verletzt – Fahrer gesucht

Helmut Knüpp stammt aus Bochum ist also ein gebürtiger Nordrhein-Westfale. Der heute 64-Jährige kam vor 18 Jahren nach Schleswig-Holstein, um den Vorstandsvorsitz bei der Wankendorfer zu übernehmen. Helmut Knüpp ist verheiratet, hat drei Kinder aus erster Ehe und ist zweifacher Opa.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Heute ist Ihr letzter Tag bei der Wankendorfer, eigentlich hätten Sie ja noch ein paar Tage gehabt.

LN-Bild

Helmut Knüpp, Vorstandschef der Wankendorfer Baugenossenschaft, geht in den Ruhestand – Im LN-Interview spricht er über Erfolge seiner Amtszeit und neue Ziele.

Zur Bildergalerie

Die Wankendorfer

20000 Wohnungen , davon rund 8300 eigene und rund 12000 für andere verwaltete Wohnungen, befinden sich im Bestand der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein.

12000 Mitglieder gehören der Genossenschaft mit 15 Standorten (Hauptsitz Kiel) an. 220 Beschäftigte arbeiten bei der Wankendorfer, deren Bilanzsumme 387,2 Millionen Euro beträgt (Stand: 31.12.2015). hil

Helmut Knüpp: Ja, neun Monate. Aber es macht keinen Sinn, als Vorstand zu lange mit dem Nachfolger zusammenzuarbeiten. Ich freue mich, dass Dr. Schlenz an Bord ist. Er ist eine sehr erfahrene Führungskraft, und er ist Schleswig-Holsteiner, in der Wolle gefärbt. Dr. Schlenz kennt Land und Leute. Ich musste es ja erst kennenlernen, weil ich ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen gekommen bin.

Der Schreibtisch ist geräumt. Was war es, das sie unbedingt noch erledigt haben wollten?

Knüpp: Das waren noch einige Projekte, aber es ist mir zum großen Teil gelungen, sie zum Erfolg zu führen. Wir haben in Kiel eine ganz neue Form der Zusammenarbeit entwickelt. Dabei ging es um ein schwieriges, innerstädtisches Gelände, das sogenannte Hörngebiet, direkt am Wasser. Da bin ich froh, dass es mir noch gelungen ist, das Projekt gemeinsam mit neun weiteren Unternehmen auf den Weg zu bringen.

In Schleswig-Holstein hat es bisher keine so große Projektgemeinschaft mit Bauträgern und Wohnungsunternehmen gegeben. In Bad Segeberg, Bad Bramstedt und Lütjenburg ist es das Kieler Modell, das wir im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen auf den Weg gebracht haben. Die Kommunen fordern hier auch zu Recht Zusammenarbeit ein. Und die muss man so weit wie möglich praktizieren, sonst verliert ein Unternehmen wie unseres an Glaubwürdigkeit. Wir können nicht nur auf der Gewinnerseite des Lebens mitlächeln. Wir müssen gucken, welche Verantwortung wir übernehmen können.

Das Projekt „Soziale Stadt“, in dem sich die Wankendorfer engagiert, läuft in Bad Segeberg sehr erfolgreich, ist zuvor in Wahlstedt jedoch großartig gescheitert – warum?

Knüpp: Ich glaube, das lag am Umfeld. An der damaligen Stadtpolitik und an der fehlenden Fähigkeit der damaligen Verwaltung, das Projekt in den politischen Raum hinein so zu adressieren, dass es angenommen wird. Mannomann – wie man geschenktes Geld so liegenlassen kann, das ist anders nicht erklärlich.

Die Wankendorfer hat in ihrer Zeit Millionen in den Bestand und den Ausbau ihrer Immobilien investiert. Wie viel war es und von welchem Projekt sagen Sie: Ja, das war super?

Knüpp: Es waren wohl so 200 Millionen. Da gab es schwierige Entscheidungen – wie der Ausstieg aus dem für uns damals verlustbringenden Bauträgergeschäft. Aber es war auch die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, dieses Bauträgergeschäft hat sich heute im ländlichen Bereich auf viele kleinere Firmen verlagert. Wir haben damals um die 30 Stellen abgebaut, eine große Zahl. Man kennt die Menschen, die man entlassen muss, und sie haben sich ja selbst nichts vorzuwerfen.

Die Hauptsitzverlagerung der Wankendorfer nach Kiel war auch so eine schwere, aber gute Entscheidung. Die Personalbeschaffung ist heute bei dem bereits spürbaren Fachkräftemangel in Bad Segeberg oder Kiel sehr viel einfacher.

Wie sieht’s mit einer Fehlentscheidung aus?

Knüpp: Wir haben uns einmal um das Mandat einer Ferienwohnanlage mit 1700 Wohnungen in Heiligenhafen beworben. Mit Bravour haben wir den Zuschlag bekommen, die Verwaltung zu übernehmen. Und haben nach zwei Jahren das Mandat niedergelegt. Es wurden von uns Dinge verlangt, die grenzwertig in der Umsetzung waren, nicht mit unseren Wertvorstellungen übereinstimmten.

Kann man den Fehler in Zahlen ausdrücken?

Knüpp (lacht): Ach, lieber nicht. Das Engagement hätte sich gerechnet, wenn wir die Verwaltung 20 Jahre gemacht hätten.

Sie haben einmal ausländische Investoren mit ihrem kurzfristigen, auf schnelle Rendite ausgerichtetes Denken angeprangert. Hat sich da was getan?

Knüpp: Wir haben heute auf dem Markt eine Art Goldgräbestimmung. Es bildet sich daraus aber auch eine Konzentration. Wir haben in Deutschland zwei ganz große Unternehmen am Markt, etwa die Vonovia mit einem Bestand von etwa einer Million Wohnungen. Solche Investoren fallen für Stadtentwickler in den Kommunen einfach aus. Sie können mit den Mitarbeitern dieser Unternehmen vor Ort nicht darüber reden, ob sie ein Gebäude sanieren, wie sie es vermieten oder wie die Mietpreisbildung sein sollte, das dürfen die gar nicht entscheiden. Alles aggregiert sich auf ein Gesamtinteresse. Das ist nicht unserer Weg. Ein Nachbarschaftstreff wie in Plön oder eine Fahrradwerkstatt wie in Bad Segeberg, das sind keine Renditebringer, aber wir müssen sehen, dass eine Stadt funktioniert und ob wir einen Beitrag dazu leisten können.

Wie bei der Unterbringung von Flüchtlingen . . .

Knüpp: Wir machen das aus einem Grundverständnis heraus, es ist eine gesellschaftliche und damit auch eine Aufgabe der Wankendorfer. und wir müssen gucken, wie wir helfen können. Ich glaube, dass das Großinvestoren wenig interessiert. Wir sehen, dass die Gesellschaft immer diverser wird. Meine Schreckensvorstellung ist die, dass wir amerikanische oder englische Verhältnisse bekommen. Mit sogenannten Gated Areas, die ja immer häufiger entstehen, wo Wohnsiedlungen hinter Mauern entstehen. Das ist ja nur das Resultat einer nicht mehr funktionierenden Gesellschaft. Wir habe in Deutschland eine ganz andere Kultur, auf die ich stolz bin, und ich glaube, wir sind gut beraten darauf zu achten, dass es so bleibt.

Von Kiel nach Berlin, das macht meist derjenige, der beruflich durchstarten will. Sie sind 64, da denkt man eher an das Gegenteil.

Knüpp: Mir geht’s weniger um das Durchstarten, das will ich schon, aber ich bin in der glücklichen Lage, das nicht beruflich zu machen. Mein Terminbuch führe ich jetzt selber. Darauf freue ich mich. Ich bin ein urbaner Mensch, will mich weiter um Stadt- und Sozialraumforschung kümmern, bin Mitglied in verschiedenen Einrichtungen, dem Verband für Wohnen- und Stadtentwicklung, und dann bin ich dabei, mich unter anderem bei der Friedrich-Ebert-Stiftung eintragen. Mir geht es darum, mein Wissen anzureichern.

Und wie sieht es beim privaten Helmut Knüpp aus?

Knüpp: Zum einen will ich eine Ausbildung beginnen, zum Filme schneiden und zum Filme machen – ein großes Hobby von mir. Und ich bin ich ein kulturell interessierte Mensch, möchte mir auf dem Gebiet die Stadt erschließen, sie hat ein ungeheures Angebot. Dann wartet mein Motorrad auf mich und beschäftigen mich noch zwei Mädels, erstens meine Frau und zweitens mein Boot mit dem Namen „Meisje“ (holländisch für Mädchen). Ich fahre gerne Boot. Berlin ist eine Wasserstadt, wie ich kaum eine andere in Deutschland kennengelernt habe.

Es gibt das berühmte Lied vom „Koffer in Berlin“. Haben sie noch einen in Schleswig-Holstein?

Knüpp: Ja, meine Söhne leben hier, wir haben viele Freunde in Schleswig-Holstein. Und ganz ohne die Weite der Ostsee kommt meine Frau sowieso nicht aus. Was man in Schleswig-Holstein lernt, ist, dass hier alles wirklich sehr persönlich ist. Ich habe so viele auch private Unternehmer kennengelernt, die mit großem Engagement und Ehrlichkeit ihr Geschäft machen. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Hier schaffen sie in Schleswig-Holstein ein Klima, in dem man gegensätzlicher Meinung sein kann, bestreitet dabei aber nicht die Ehrlichkeit des Arguments des anderen. Ich habe hier 18 Jahre lang arbeiten dürfen. Für mich war die Wankendorfer die zwölf – der Volltreffer.

Interview: Heike Hiltrop

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Segeberg
Wir berichten über den Wahlkampf in Ihrer Straße. Informieren Sie sich über die Kandidaten Ihres Wahlkreises und stellen Sie Ihnen direkt Ihre Fragen!

Wir berichten über den Wahlkampf in Ihrer Straße. Informieren Sie sich über die Kandidaten Ihres Wahlkreises und stellen Sie Ihnen direkt Ihre Fragen!  mehr

In Kücknitz ist am Vormittag bei Bauarbeiten auf einem Firmengelände möglicherweise eine Bombe freigelegt worden.
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den September 2017.

Bundestagsparteien haben sich für eine Verlängerung der Wahlperiode von vier auf fünf Jahre ausgesprochen. Eine gute Idee?

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt.

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt. mehr

  • Shopping & Lifestyle
    Unser Lifestyle-Portal

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Urlaub & Reisen
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Karl-May-Spiele

Nachrichten zu den Karl-May-Spiele am Kalkberg in Bad Segeberg.

Kinokritik

Kurz und knapp erklärt, ob sich ein neuer Film lohnt oder nicht.