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„Wir mussten den Hofknicks üben“

Nehms „Wir mussten den Hofknicks üben“

Vor 50 Jahren besuchte Prinz Philip Nehms.  Hannelore Andresen und Anke Frost waren damals „Blumenkinder“. In den LN vom Sonntag erzählen sie ihre Geschichte.

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Rosafarbene Nelken erhielt der Prinz als Gast auf dem Landsitz von Ministerpräsident Helmut Lemke in Nehms – viele Kinder schauen zu.

Nehms. Vor einigen Tagen erst feierte Prinz Philip Herzog von Edinburgh seinen 95. Geburtstag – zwar im Schatten der Festivitäten zum 90. seiner Gattin Königin Elizabeth II., doch es sind Tage wie diese, an denen Anke Frost und Hannelore Andresen an den 22. Juni 1966 zurückdenken. Einen warmen Sommertag in Nehms. Die beiden sind gerade erst zehn und neun Jahre alt.

LN-Bild

Vor 50 Jahren besuchte Prinz Philip Nehms – Hannelore Andresen und Anke Frost waren damals „Blumenkinder“.

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„Das glaubt mir heute keiner mehr.“ Hannelore Andresen

Viele Mitschüler aus der Volksschule stehen damals am Straßenrand und warten auf die angekündigte Wagenkolonne aus Kiel. Prinz Philip kommt nach Nehms. Zum Landsitz des damaligen Ministerpräsidenten Helmut Lemke. Und die Mädchen Anke und Hannelore sollen den hoheitlichen Besuch persönlich begrüßen.

„Wir waren total aufgeregt“, erinnert sich Hannelore Andresen, damals noch Wulf. „Wir mussten auch den Hofknicks üben.“ Wenn sie die Geschichte heute erzählt, glauben die meisten es erst gar nicht.

Prinz Philip in Nehms einem 500 Einwohner-Dorf in Segeberg. Alles klar. Auch als die LN bei der Suche nach Hannelore Andresen in der Eutiner Schule anrufen, in der sie inzwischen arbeitet, klingt Ungläubigkeit durch am anderen Ende der Leitung. In solchen Momenten holt Hannelore dann das Beweisfoto heraus: Als junges Mädchen mit „Prinz-Eisenherz-Frisur“ im hellen Streifenkleid steht sie am linken Rand der Aufnahme, daneben Anke im Sommerdress mit großen Punkten bei der Blumenübergabe an den prominenten Prinzen. „Es waren rosa Nelken“, daran kann sich Anke Frost, damals Carstens, noch genau erinnern. Im Dorf stand das Kindervogelschießen kurz bevor. „Da gab es immer ein neues Kleid.“ Dem Prinz zu Ehren, durften die Mädchen die neuen schicken Kleidchen bereits vorher anziehen.

Aufregend war der Besuch Philips in Nehms, doch mit der Hysterie bei königlichen Auftritten von heute nicht zu vergleichen, erinnert sich Anke Frost, die inzwischen in Uetersen lebt. Dorfgespräch war der Besuch schon, aber gerissen habe sich in der kleinen Dorfschule niemand um die Übergabe der Blumen. Warum die Wahl schließlich auf die beiden Freundinnen fiel, sie wissen es nicht mehr. So wie damals wäre eine solche Begegnung heute aber mit Sicherheit nicht abgelaufen, sind sich die beiden Frauen einig. Ohne Sicherheitsabsperrung so dicht an ein königliches Mitglied heranzukommen – heute sei das wahrscheinlich undenkbar.

Genau wie der Umgang mit Prinz Philips Ablaufplan. In den LN von damals ist die genaue Fahrtroute ab dem Kieler Hotel über die B 404 und die Dörfer beschrieben, inklusive An- und Abfahrtszeiten.

Mit lautem Jubel sollen die Nehmser den Prinzen begrüßt haben, der in einem Mercedes 600 vorfuhr und einer Eskorte von acht Wagen und sieben Motorrädern. Von den aufgereihten Fahrzeugen in der Straße vor dem reetgedeckten Haus am Nehmser See hat Hannelore Wulf noch heute Fotos. Auch Anke Frost hat das Bild mit dem Prinzen und Zeitungsartikel von dem Kurzbesuch zum Dinner beim Ministerpräsidenten aufbewahrt. Auf Deutsch soll er den Kindern gedankt haben, so der LN-Chronist vor 50 Jahren.

An mehreren Tagen wurde von dem zweistündigen Besuch Philips in Nehms in der Zeitung geschrieben. In allen Einzelheiten bis hin zum Speiseplan. Ein deftiges schleswig-holsteiner Abendbrot wurde dem Prinzen kredenzt: Katenschinken, Spargel, Radieschen, in Petersilienbutter geschwenkte Kartoffeln. Dafür war eigens der Küchenchef eines Kieler Hotels engagiert worden. Mit Humor habe der Prinz die Ausrede für die zerlaufende Eisbombe zum Nachtisch aufgenommen: Das sei eine spezielle schleswig-holsteinische Abwandlung von Vanillecreme. . .

Davon haben die beiden Mädchen, deren Begegnung mit dem Prinzen auch in der Schulchronik festgehalten wurde, nichts mehr mitbekommen. Als der Prinz gegen 21 Uhr wieder nach Kiel abfuhr, waren sie schon wieder zu Hause. Aber der Reporter von damals sollte Recht behalten: Das Zusammentreffen mit dem königlichen Gast wird den Kindern lange in Erinnerung bleiben.

Der Mann im Schatten der Queen

95 Jahre alt ist Prinz Philip, Duke of Edinburgh, vor rund einer Woche geworden. Fast 70 Jahre davon lebt er an der Seite der Queen, die er 1947 heiratete. Der Prinz sorgt stets mit seinem lockeren Mundwerk für Schlagzeilen. So sagte er einmal zu einem britischen Studenten in Papua-Neuguinea: „Sie haben es also geschafft, nicht verspeist zu werden?“ Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl begrüßte der Prinz mit „Herr Reichskanzler“.“

Seine Gefühle zu zeigen, ist ihm zutiefst zuwider. Dass er für seine Frau seine vielversprechende Karriere bei der Royal Navy aufgeben musste, bezeichnete er in einem der äußerst seltenen Fernsehinterviews als „enttäuschend“. Doch mit einer Königin verheiratet zu sein, bedeute für ihn vor allem, „ihr behilflich zu sein, so gut ich kann“. Kennengelernt hatten sich der am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu geborene Sohn von Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark sowie die spätere Queen im britischen Dartmouth: Gerade 13 Jahre jung war Elizabeth, als sie 1939 bei einem Besuch der dortigen Marineschule den fünf Jahre älteren Prinzen erspähte.

 Nadine Materne

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