Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Wie der Kreis Segeberg von Estland lernen will
Lokales Segeberg Wie der Kreis Segeberg von Estland lernen will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:48 12.03.2019
Der 101. Unabhängigkeitstag in Estland mit Delegation aus Segeberg. Quelle: Claus Peter Dieck/hfr
Segeberg

„In Sachen Digitalisierung sind sie uns um einiges voraus“, hat Landrat Jan Peter Schröder festgestellt. Und nicht nur dort. „Es gibt eine Menge Sachen, bei denen wir viel von Estland lernen können.“ Er ist gerade von einer Reise durch Estland zurück. Mit im Schlepptau hatte er Ende Februar den Patenschaftsbeauftragten des Kreises, Rüdiger Jankowski, und Kreispräsident Claus Peter Dieck.

Pioniere im E-Government

Segeberg will noch mehr von dem kleinen Land lernen. Die Esten gelten als Pioniere der Digitalisierung und Vorreiter bei elektronischer Verwaltung – sogar elektronischer Wahlen. Seit 2005 kann dort vom Wohnzimmer aus abgestimmt werden. Per E-Voting wurde am 3. März das neue Parlament gewählt. „Das scheint zu funktionieren“, sagte Schröder. Und: „Diese Partnerschaft wollten wir weiter ausbauen.“ Klare Worte am Rande des jüngsten Hauptausschusses.

In der Gemeinde Kanepi: Andrus Seeme (Bürgermeister), Piret Rammul, Claus Dieck, Kaido Koiv, Rüdiger Jankowski und Jan Peter Schröder (v.l.). Quelle: Claus Peter Dieck/hfr

Die Rundreise führte die Delegation in die südlichen Gemeinden Kanepi, Pölva und Räpina im estnischen Kreis Pölva – nördlich der Partnerstadt Vöru. Einblicke erhielten sie in Kultureinrichtungen, Schulen und Unternehmen.

„In jeder Gemeinde ist uns etwas Markantes aufgefallen“, sagte Kreispräsident Claus Peter Dieck. In Pölva bekamen sie ein top-modernes Gymnasium zu Gesicht. „Von der Architektur und vom Raumkonzept her habe ich so etwas Modernes lange nicht mehr gesehen“, schwärmte Dieck, der zuletzt vor sieben Jahren in Estland gewesen war.

Verbindung zum Handwerk aufbauen

Angedacht ist nun eine Schulpatenschaft mit dem Berufsbildungszentrum (BBZ) in Bad Segeberg. Ein Grund sind auch ähnliche Unterrichtsfächer an beiden Schulen. Der Kreis möchte die besten Jahrgangsschüler nach Deutschland einladen, im besten Fall auch Verbindungen mit dem örtlichen Handwerk schaffen. „Die Voraussetzungen haben wir hier: eine Jugendherberge, überbetriebliche Ausbildung und starke Betriebe.“

In Räpina ging es in eine Papierfabrik, das älteste produzierende Unternehmen Estlands. Eine Papiermaschine aus Deutschland sorgte 1873 dafür, dass aus der alten Papiermühle eine Fabrik wurde. „Dort wird noch wie vor 100 Jahren gearbeitet“, berichtete Dieck. Heute entstehe dort mehrlagiges Packpapier, das als Kantenschutz in alle Welt exportiert wird.

Zwei Länder – gleiche Herausforderungen

Auf der Agenda stand zudem ein medizinisches Versorgungszentrum in Pölva. In einem modernen Schlachtbetrieb in Kanepi staunten die Segeberger nicht schlecht über den hygienischen Top-Standard, der Exportverträgen mit der Schweiz – mit entsprechend hohen Bestimmungen – standhält.

Im medizinischen Versorgungszentrum in der Gemeinde Pölva: Rüdiger Jankowski, Georg Pelisar (Bürgermeister), Jan Peter Schröder und Claus Dieck (v. l.). Quelle: Claus Peter Dieck/hfr

Was die Delegation mitgenommen hat: einen breiten Austausch über Wirtschaft, Politik und Verwaltung – in Estland, aber auch zu Hause. „Wir waren gern gesehene Gäste. Deutschland und Estland haben die gleichen Herausforderungen: die typische Landflucht und Fachkräftemangel in allen Branchen“, so Dieck. „Aber in fast allen Bereichen haben wir Menschen getroffen, die für ihre Sache brennen.“ Und sich zu Europa bekennen.

Weitere Austausche sind vorgesehen mit Erzieherinnen und einem Chor mit jungen Frauen aus Estland. Zudem plant das Akkordeon-Orchester aus Trappenkamp eine Reise. „Es lohnt sich“, sagte Landrat Schröder. „Viele Schritte verstetigen die Partnerschaft.“ Mit deutscher und englischer Sprache komme man dort gut weiter.

Der Kreis Segeberg ist seit 1991 mit Estland verbunden. Die Partnerstadt ist Vöru im Südosten Estlands.

Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Achtung, kein verfrühter Aprilscherz: In Bad Segeberg möchte ein Investor in einem ehemaligen Trafo-Häuschen ein Aparthotel einrichten. Das Ein-Zimmer-Apartment hat für Karl-May-Fans eine Top-Lage.

13.03.2019

Die 28-Jährige hat in der Fernsehsendung nach fünf Wochen rund 16 Kilo verloren.

12.03.2019

Ein 19-Jähriger ist am frühen Sonnabendmorgen vor der Diskothek „Que“ in der Bad Segeberger Rosenstraße verletzt worden. Bis zu sieben junge Männer sollen laut Polizei auf ihn eingeschlagen und -getreten haben. Nach den Tätern wird gefahndet.

12.03.2019