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Segeberg Wohin mit den vielen Flüchtlingen?
Lokales Segeberg Wohin mit den vielen Flüchtlingen?
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23:21 03.07.2013
Das ist derzeit ein seltenes Bild: Die Unterkünfte für Asylbewerber sind bis unter das Dach gefüllt. In Schackendorf sind alle Betten besetzt. Quelle: Foto: Fellechner
Bad Segeberg

Die Situation wird immer dramatischer. Der Kreis Segeberg bekommt Asylbewerber zugewiesen und weiß nicht mehr, wo er sie unterbringen soll. Wohnungen dringend gesucht! Landrätin Jutta Hartwieg und Rolf Meenen, Chef der Ausländerbehörde im Kreis, rufen alle Kommunen dazu auf, Wohnraum für Asylbewerber zur Verfügung zustellen. Die Gemeinschaftsunterkunft in Schackendorf platzt aus allen Nähten.

Meenen: „Hier sind seit Wochen alle Betten bis unters Dach belegt.“ Teilweise mussten Asylbewerber zur Überbrückung von Notsituationen kurzfristig in Hotels untergebracht werden. Während noch 2012 dem Kreis 185 Asylbewerber vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten zugewiesen wurden, lautet die Prognose für dieses Jahr 230 neu zugewiesene Personen. Aber auch diese Zahlen könnten schnell überholt sein. Meenen selbst rechnet bereits mit 270 neuen Flüchtlingen im Kreis: „Wir werden verstärkt Personen in Gemeinden und Städten verteilen müssen. „Das wird ein großer Kraftakt sein, diese alle unterzubringen. Er würde auch gute Wohncontainer als Unterbringung in Betracht ziehen, doch hier habe sich der Innenminister des Landes kategorisch dagegen gesperrt, diese zuzulassen.

Ministeriumssprecher Thomas Giebeler sprach auf LN-Nachfrage hingegen davon, dass die Asylbewerber „möglichst nicht“ in Containern untergebracht werden sollen. Wenn es keine andere Möglichkeit gebe, ja wenn nachweisbar eine „Notsituation“ für die Kommune bestehe, diese Menschen unterzubringen, werde auch ein Container vom Land finanziell gefördert, stellte Giebeler klar. Grundsätzlich gilt: Kommunen oder der Kreis können mit bis zu 70 Prozent der Kostenerstattung vom Land rechnen, wenn sie Wohnungen für Asylbewerber bereitstellen.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Schackendorf, die 2006 die damals nur 23 zugewiesenen Asylbewerber locker aufnehmen konnte, hat keine Kapazitäten mehr. Die Unterkunft dient auch dazu, traumatisierte Menschen zu stabilisieren, bevor sie auf die Gemeinden verteilt werden. Meenen: „Viele wirken nach der Flucht noch gehetzt.“ In Schackendorf habe man Fachpersonal, das sich kümmert, „das mit Herzblut arbeitet.“

Die Einrichtung in Schackendorf muss aber dringend saniert werden, das soll schon im kommenden Jahr passieren. Meenen: „Mir graut schon davor.“ Er weiß noch nicht, wo er die vielen Menschen während der umfangreichen Sanierungsarbeiten unterbringen soll.

Der Chef der Ausländerbehörde mahnt, dass die Neuankömmlinge dringend sprachlich gefördert werden müssen. Gerade bei Flüchtlingen aus dem Iran oder Syrien sei es sehr wahrscheinlich, dass sie Asyl bekommen werden. Angesichts der Bürgerkriegssituation in Syrien steigen hier die Flüchtlingszahlen dramatisch an. Die Menschen werden hier lange, wenn nicht für immer bleiben. Zwei Kinder von Asylbewerberinnen sind bereits jüngst im Kreis geboren worden. Meenen fordert: „Wir müssen mit den Integrationsmaßnahmen so früh wie möglich beginnen.“

Jutta Hartwieg könne da nur an die Kommunen appellieren „alle Anstrengungen zu unternehmen, um zusätzlichen Wohnraum anzumieten, damit die Menschen, die wir den Städten und Gemeinden im Kreis anvertrauen, menschenwürdig untergebracht werden“. Meenen hob hervor, darauf zu achten, dass die Familien nicht gerade dort angesiedelt werden wo Konflikte mit Nachbarn drohen, oder wo Schulen und Ärzte in weiter Ferne liegen. Kürzlich hatte sich ein iranisches Ehepaar aus der Millionenmetropole Teheran beschwert, dass man sie in einem Dorf im Ostkreis untergebracht hatte. Sie drängte es mehr nach Hamburg. . .

„Ich rufe alle Kommunen dazu auf, Wohnraum für Asylbewerber zur Verfügung zustellen.“
Landrätin Jutta Hartwieg (SPD)

Wolfgang Glombik

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