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Wohnen mit Infraschall: „Mein Haus raubt mir den letzten Nerv“

Nehms Wohnen mit Infraschall: „Mein Haus raubt mir den letzten Nerv“

Experten bestätigen die Geräusche im Haus von Maria Borchert-Urban — doch was mag die Ursache dafür sein? die Suche dauert an - selbst Experten sind ratlos.

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Maria Borchert-Urban (53) ist verzweifelt: Seit Anfang 2015 lassen sie Geräusche im Infraschallbereich nicht mehr richtig schlafen.

Quelle: Fotos: Petra Dreu

Nehms. Das Backsteinhaus von Maria Borchert-Urban ist wie eine Puppenstube, urgemütlich mit viel altem Holz und Charme. Es steht zwischen Blunk und Nehms inmitten von Wäldern und Feldern, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die einzigen Geräusche sind im Normalfall das Rauschen des Windes und das Zwitschern der Vögel. Inzwischen jedoch ist die Idylle jäh vorbei. Das Gegenteil ist eingetreten: Permanentes Surren und ständiger Ohrendruck rauben der 53-Jährigen den letzten Nerv.

LN-Bild

Experten bestätigen die Geräusche im Haus von Maria Borchert-Urban — doch was mag die Ursache dafür sein?.

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Es fing Anfang 2015 an: Ein Dauer-Summen, ähnlich einem kontinuierlichem Fließgeräusch, und Vibrationen in allen Räumen machten sich breit. Auf unerklärliche Weise legt sich dabei ein Druck auf die Ohren der Bewohnerin. Es ist gleichbleibend rund um die Uhr. Tagsüber ist es kaum auszumachen, am Abend aber raubt es den Schlaf. „Es hört sich an, als wenn ein Kühlschrank auf Dauerkühlung läuft", sagt Maria Borchert-Urban, die ihr Bett bereits auf Vibrationsmatten gestellt hat. Geholfen hat es nicht. Sie ist nicht die einzige, die diese Veränderungen wahrnimmt. Besucher klagen ebenfalls über einen Druck auf den Ohren und ihr Hund sitzt manchmal abends in einem der oberen Zimmer und bellt die Zimmerdecke an.

„Irgendwie scheint sich hier bei mir im Giebel ein Schall zu fangen und aufs gesamte Haus zu übertragen. Das Haus ist offenbar der Resonanzkörper für irgendwas", glaubt die Hausbesitzerin, die zuerst dachte, mit ihr selbst stimme etwas nicht. Das jedoch konnte schnell ausgeschlossen werden, ihre Ärzte gaben Entwarnung. Messungen von Fachleuten hatten schnell belegt, dass die Geräusche nicht nur in der Fantasie von Maria Borchert-Urban vorhanden sind. Verschiedene Sachverständige gaben sich bei ihr bereits die Klinke in die Hand. Sogar das Landesamt für ländliche Räume hatte ein Team geschickt und Messungen vorgenommen. Dass die beschriebenen Geräusche in Form von Infraschall und niederfrequentem Schall vorhanden sind, ist unbestritten, nur eine Ursache wurde nicht gefunden.

13000 Euro hat sich die Hausbesitzerin Gutachten und Ursachenfindung bereits kosten lassen. Alles, was hätte in Frage kommen können, konnte jedoch auch wieder ausgeschlossen werden. Jedes des halben Dutzend Häuser ringsherum wurde von der Stromversorgung abgekoppelt. Sogar das nahe gelegene Blockheizkraftwerk in Blunk und die Biogasanlage wurden für einen Test abgeschaltet. Die Beeinträchtigungen jedoch blieben bestehen.

Die Geräusche und der Druck auf den Ohren sind inzwischen auch in den Nachbarhäusern zu spüren. Von den Nachbarn hat Hannelore Kuchenbecker (50) bereits ihre Konsequenzen gezogen: Nachts wandert sie aus und schläft in einer Ferienwohnung. „In meinem Haus ist es mir zuerst nicht aufgefallen. Doch dann bekam ich Schlafprobleme, wachte alle zwei Stunden auf und fand nicht mehr in die Tiefschlafphase. Dabei habe ich genau hier 50 Jahre lang schlafen können wie ein Baby“, erzählt die Architektin. Schlafprobleme hat ihr Ehemann, der pensionierte Pastor Dieter Kuchenbecker, nicht.

„Aber den Druck auf den Ohren verspüre ich auch“, sagt er.

Das Angebot ihrer Nachbarin, abends ebenfalls in der Ferienwohnung zu schlafen, hat Maria Borchert-Urban abgelehnt: „Von einem Geräusch will ich mich nicht aus meinem Haus vertreiben lassen.“

Inzwischen setzt sich auch Kreispräsident Winfried Zylka für sie ein und hat Umweltminister Robert Habeck um Hilfe gebeten. Maria Borchert-Urban indes bleibt nichts anderes übrig, als auf eigene Faust weiter nach der Ursache zu forschen. Demnächst kommt ein Team der Koordinationszentrale Digitalfunk vorbei. Der Funkturm auf dem Deponiegelände wurde nämlich zur gleichen Zeit in Betrieb genommen, als Geräusche und Vibrationen begonnen haben.

Infraschall - Frequenzen außerhalb der Hörbarkeit

Unter der Bezeichnung „Infraschall“ sind Frequenzen von etwa 16 bis 20 Hertz zu verstehen, die vom menschlichen Ohr eigentlich nicht wahrgenommen werden können. Anders ist es bei hohen „Schalldrücken“, bei denen die tieffrequenten Vibrationen durchaus gefühlt werden können.

 Aufgrund der großen Wellenlänge breitet sich Infraschall über große Entfernungen nahezu verlustfrei aus, wobei die Beschaffenheit des Geländes oder die dortige Vegetation kaum ein Hindernis darstellen. Eine Schalldämmung mit herkömmlichen Mitteln ist kaum möglich. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden sind bei Infraschall ähnlich wie bei übermäßig lauten hörbaren Schallfrequenzen. Schlafstörungen, Herz- und Kreislaufprobleme, Bluthochdruck, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, rasche Ermüdung, Kopfschmerzen, Unruhe und verminderte Leistungsfähigkeit werden oft als Folgen beschrieben. Besonders Anwohner von Windkraftanlagen klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall. In der jüngsten Vergangenheit wurden mehrere Studien dazu angefertigt. pd

Von Petra Dreu

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