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Wohnung, acht Zimmer, dringend gesucht

Trappenkamp Wohnung, acht Zimmer, dringend gesucht

Die Großfamilie Mohr aus Trappenkamp braucht eine neue Bleibe - doch Vorurteile behindern die Suche.

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Großfamilie Mohr aus Trappenkamp: Nicole und Christian Mohr mit ihren Kindern Denise (16, oben links), Jacqueline (15, oben rechts), John (14, unten von links), Florian (12), Mina (11); es fehlt Kevin (19).

Quelle: Nadine Materne

Trappenkamp. Als Mitglied einer Großfamilie muss man sich wohl ein dickes Fell zulegen. Im Alltag gebe es viele Vorurteile, berichten Nicole und Christian Mohr aus Trappenkamp, Eltern von sechs Kindern. „Der erste Spruch ist dann meist, ob man denn keine anderen Hobbys habe“, sagt die 39-Jährige. Als Großfamilie werde man schnell als asozial eingestuft, sagt Christian Mohr. „Das Fernsehen macht das ja auch seit Jahren vor“, sagt er ärgerlich. Ein Image, das der Familie bei der Wohnungssuche besonders im Weg stehe, glauben sie. Seit über einem Jahr versuchen Mohrs eine neue Wohnung zu finden – vergeblich.

200 Quadratmeter hat ihr gemietete Haus an der Gablonzer Straße. Acht Zimmer. Aber energetisch ist es nicht auf dem neusten Stand, auch deshalb suche man bereits länger nach einer neuen Bleibe.

Außerem habe der Vermieter Eigenbedarf angemeldet. Bis Ende November müsse die Familie ausziehen.

Mitunter gibt es nicht

mal eine Rückmeldung

Wohnungsgesellschaften, Zeitungsannoncen, Internetportale. So ziemlich alles durchsuchen die beiden Eltern regelmäßig. Und werden eigentlich auch fündig. „Meine Frau schreibt den Vermietern immer gleich, was Sache ist und wie viele wir sind“, berichtet Christian Mohr. „Dann gibt es aber entweder gleich die Absage oder gar keine Rückmeldung.“ Der 42-Jährige bleibt im Erstkontakt mit Vermietern lieber vage, was die Größe der Familie angeht – „damit wir es überhaupt zur persönlichen Vorstellung schaffen“. Wenn dann aber bei der Besichtigung die Sprache auf die Anzahl der Familienmitglieder komme, „ist ein Schlucken deutlich zu hören“. Zumal Mohrs auch noch Tiere mitbringen: zwei Hunde und zwei Katzen. So sei es kürzlich erst bei einem Termin in Kleinkummerfeld gewesen. „Da rechne ich auch mit einer Absage.“

Absagen sind die beiden gewohnt. Über 50 seien es inzwischen. Meist diplomatisch formuliert. Es habe aber auch schon einen Immobilienverwalter gegeben, der ihnen ins Gesicht gesagt habe, sechs Kinder seien „selbstgemachtes Leid“. „Da musste ich kurz schlucken“, schildert Nicole Mohr. „Auffällig ist, dass die Leute auch immer meinen zu wissen, wie viel Platz wir brauchen.“ 160 Quadratmeter, das sei doch zu klein, heiße es dann zum Beispiel. Man habe sich ein älteres Ehepaar als Mieter vorgestellt. „Bei acht Zimmern“, schnaubt Christian Mohr. Dabei haben Mohrs bereits auf 130

Quadratmetern gelebt. Allerdings suche man eine Wohnung, die mindestens 160 Quadratmeter und fünf oder mehr Zimmer hat.

Am liebsten würde die Familie in Trappenkamp bleiben, wo die Kinder zur Schule gehen. Aber auch in Rickling und Wahlstedt suchen sie. „Den Wohnraum gibt es“, weiß Mohr durch seine Recherchen.

Auch am Geld dürfte es nicht scheitern: 1350 Euro Miete zahle die Familie aktuell im Monat, sagt er. Denn noch so ein Vorurteil laute: Großfamilien lebten von Hartz IV und die Eltern seien arbeitslos. „Ich habe immer gearbeitet“, betont Nicole Mohr. Sie führt in Trappenkamp eine Kneipe, ihr Mann, gelernter Gas-Wasser-Installateur, macht aus gesundheitlichen Gründen derzeit eine Umschulung im kaufmännischen Bereich. „Ich bekomme mein Übergangsgeld.“

In Trappenkamp haben sich Mohrs inzwischen an die Verwaltung gewandt, die vermittelte die Familie an den Sozialausschussvorsitzenden Winfried Greiner, der im Ort bekannt ist, sich für soziale Fälle einzusetzen.

Problem begleitet die Familie schon seit Jahren

„Ich war erschrocken, was die Familie erzählt hat und mit welchen Argumenten sie bedient werden“, sagt Greiner. Gemeinsam mit der Familie ging er zur Wankendorfer Baugenossenschaft, die ein paar Großwohnungen hat. Eventuell wird eine demnächst frei, doch das sei noch nicht klar. Es habe gut getan, dass sich mal einer die Sorgen angehört habe, sagt Christian Mohr. Wohnraum ist derzeit knapp, das wisse er. Aber das Problem begleite die Familie schon seit vielen Jahren.

Inzwischen versucht Nicole Mohr bereits Immobilienverkäufer zur Vermietung zu überreden. Bisher ohne Erfolg. „Kaufen kommt für uns aber nicht in Frage“, sagt Christian Mohr. So dicke sitze das Geld dann doch nicht. Außerdem brauchten sie den vielen Platz ja nicht ewig. Die Kinder – drei Mädchen, drei Jungen – sind zwischen elf und 19 Jahre alt. Der Älteste mache eine Ausbildung. In den nächsten Jahren ziehen die ersten Kinder also aus: „Wir würden auf Jahrzehnte Platz abzahlen, den wir dann gar nicht mehr brauchen.“

Wer kann helfen? Angebote und Hinweise per E-Mail an: mohr.trappenkamp@gmx.de

Vermittlung schwierig

Der Mieterbund Schleswig-Holstein hat mit Fällen wie dem der Mohrs kaum Erfahrung. „Acht Personen, das ist schon selten“, sagt Geschäftsführer Carsten Wendt. Er könne sich aber vorstellen, dass es bei einigen Vermietern Vorurteile gebe. Bei Großfamilien werde wahrscheinlich eine erhöhte Lärmbelästigung erwartet. Die Vermieter wüssten auch, dass die Rechtsprechung bei Kinderlärm großzügiger sei. Natürlich müsse ein Vermieter darauf achten, dass seine Immobilie nicht überbelegt werde, doch eine Großfamilie an sich sollte kein Grund sein, eine Vermietung zu verweigern, so Wendt.

 Nadine Materne

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