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Segeberg A 20: Die Geduld mit dem Land geht zur Neige
Lokales Segeberg A 20: Die Geduld mit dem Land geht zur Neige
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17:43 28.11.2018
Vor Bad Segeberg ist die A 20 zu Ende – wie lange noch? Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Bad Segeberg

Für Segebergs Landrat Jan Peter Schröder ist das Leipziger Urteil „mehr als ärgerlich für die ganze Region“. Seit 2014 sei hier nichts passiert. „Es wird jetzt weiter nichts passieren, und selbst wenn man die Heilungsverfahren, die jetzt anstehen, zügig durchführt, wird sich der Bau der A 20 weitere zwei Jahre nach hinten schieben. Man frage sich wirklich, „bekommen wir hier in Deutschland noch irgend etwas gebaut?“ Schröder: „Wir können stolz sein auf unser Artenschutzrecht, aber es macht es immer schwieriger, in Deutschland überhaupt noch größere Maßnahmen durchzuführen. Zwar habe Mecklenburg-Vorpommern andere Voraussetzungen gehabt, aber hier sei die A 20 quer durch das Land in elf Jahren gebaut worden, erinnert sich Schröder, der früher Geschäftsführer des Landkreistages in Mecklenburg-Vorpommern gewesen war. Hierzulande seien jetzt durch das Urteil und die Folgen auch die Zeitpläne für die Folgeabschnitte der Autobahn nicht mehr haltbar. Und Bad Segeberg werde weiter unter den Staus auf der B 206 leiden.

Wittenborn wartet auf Entlastung

Nicht nur in der Kreisstadt, auch in den Gemeinden entlang der geplanten A-20-Trasse von Wittenborn bis zur A 7 geht die Geduld mit den Planern zur Neige. „Wir warten dringend auf die Entlastung, die uns die Autobahn bringen wird“, sagt Thorsten Lange, Bürgermeister in Wittenborn. Den Verkehr, der heute täglich über die B 206 durch den Ort rauscht, „den hatten wir vor einigen Jahren noch bestenfalls mal zur Hauptferienzeit“. Ärgerlich sei die Verzögerung aber auch für die Hinzugekommenen „Viele, die in Lübeck oder Hamburg arbeiten, haben sich in den vergangenen Jahren in unseren Neubaugebieten angesiedelt – gerade wegen der A 20“, sagt Lange. Doch statt einer schnellen Fahrt zur Arbeit, müssten Pendler Richtung Lübeck jeden Morgen und Abend durch das Stau-Nadelöhr Bad Segeberg. Dass Leipziger Urteil habe ihn doch sehr überrascht, sagt Lange. „Ich dachte wenigstens mit dem Teilstück von uns zur A 7 gibt es keine Probleme.“

Todesfelde hofft auf wirtschaftliche Effekte

Die ganze Planung sei ein einziger Skandal, wird Todesfeldes Bürgermeister Karl-Heinz Ziegenbein deutlich. Mit dem Geld und der Energie, die in der juristischen Auseinandersetzung und den Nachbesserungen versenkt worden seien, „hätte man schon fast die halbe Autobahn gebaut“. Vieles, was jetzt von den Leipziger Richtern moniert worden sei, hätte bei einer vernünftigen Planung längst berücksichtigt werden können. Todesfelde sei sicher nie erfreut über die Trassenführung direkt am Ort vorbei gewesen, stellt Ziegenbein klar. „Aber die meisten haben sich inzwischen damit abgefunden, dann muss die A 20 aber nun auch mal kommen.“ Zudem seien die positiven Effekte für die Wirtschaft, auch für die Wirtschaft im eigenen Ort, inzwischen unstrittig.

Rückschlag für Schmalfelder Gewerbegebiet

Ähnlich sieht es Schmalfelds Bürgermeister Klaus Gerdes. Er persönlich sei als Landwirt zwar nicht direkt traurig darüber, dass die A 20 nun noch ein paar Jahre länger auf sich warten lassen wird. Als Bürgermeister seh er aber auch die andere Seite. So hänge der Erfolg des geplanten Gewerbegebiets in Schmalfeld direkt mit dem Bau der A 20 zusammen. „Das wirft uns jetzt natürlich auch in unseren Planungen zurück.“ Kritiker in Schmalfeld würden die Verzögerungen natürlich begrüßen. „Viele haben sich inzwischen aber auch damit arrangiert, dass die A 20 kommen wird – und wollen nun auch endlich mal darauf fahren.“

Rolf Jünemann vom Umweltverband BUND stellt angesichts mancher verbalen Angriffe auf die Umweltverbände klar: „Es geht hier nicht um Verhinderung der A 20.“ Es gehe darum, den Sachverstand der Umweltverbände in die Planung mit einfließen zu lassen. Verkehrsminister Bernd Buchholz hätte das Planfeststellungsverfahren aussetzen können, die Fehler auf den ihn die Umweltverbände ihn hingewiesen haben, ausbügeln können. Stattdessen sei das Verkehrsministerum sehenden Auges in diese Situation geraten. „Wir haben jedes Verfahren, das die A 20 angeht bislang gewonnen. Ich finde es bedauerlich, dass das in der Debatte keine Rolle spielt.“

Wolfgang Glombik und Oliver Vogt

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