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Segeberg Zeitzeuge Roger Cottyn in Rickling gestorben
Lokales Segeberg Zeitzeuge Roger Cottyn in Rickling gestorben
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21:21 03.02.2016
Roger Cottyn bei einem Termin mit den Lübecker Nachrichten im Mai 2012. Der Belgier starb in der vergangenen Woche. * Quelle: sd

Der ehemals im NS-Kriegsgefangenenlager Sandbostel bei Bremen inhaftierte belgische Soldat Roger Cottyn ist tot. Er sei bereits in der vergangenen Woche am Dienstag in seinem Wohnort in Rickling im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte der Leiter der Gedenkstätte Sandbostel, Andreas Ehresmann, mit.

Bei seinen Berichten, Vorträgen und Gesprächen mit Jugendlichen sei Cottyn stets ein Mahner gewesen, der immer objektiv berichtet habe und dankbar gewesen sei für die Menschen, die ihm während seiner Gefangenschaft geholfen hätten. Cottyn war während des Zweiten Weltkriegs fünf Jahre in Sandbostel inhaftiert.

Cottyn ging als 17-Jähriger zum Militär. Als am 10. Mai 1940 die deutschen Truppen in Belgien einmarschierten und das Land am 28. Mai kapitulierte, wurde die belgische Armee zu Gefangenen.

Nach einem halben Jahr wurde ein Großteil der Belgier, die Flamen waren, entlassen. „Flamen waren Germanen, die Wallonen nicht. Das war ein guter Trick der Deutschen, so schürten sie Neid unter den Belgiern“, erinnerte sich Roger Cottyn einst im LN-Gespräch. Auch Cottyn war Flame und wurde einst ins Kommandohäuschen gerufen, in dem ein Kommandoführer verschiedene Nummern vorlas, auch 21 718 — Cottyns Nummer. Doch die Gefangenennummer gab es nicht, ein Wachmann sagte, dass es sich um die Nummer 21 798 handeln müsse. Aber der Kommandoführer hatte das Sagen und hielt seinen Zettel für korrekt: Cottyn wurde nicht entlassen. Statt sechs Monate wurden es 60 Monate.

Die meiste Zeit war Cottyn während seiner Gefangenschaft bei Bauern im Einsatz und hat dort einen Einblick in die Landwirtschaft bekommen. Erst später suchte er sich einen Job im Lager, spielte sogar Geige im Lagerorchester. Das Instrument hatte er sich vom Schwager seines Bauern besorgt und mit Geld und Rauchwaren bezahlt.

Bis zur Befreiung durch britische Soldaten am 29. April 1945 durchliefen rund 313000 Kriegsgefangene, Zivil- und Militärinternierte aus mehr als 55 Nationen das Lager. Nachgewiesen ist, dass 5162 Kriegsgefangene starben. Überdies kamen etwa 3000 KZ-Häftlinge ums Leben. Wahrscheinlich ist die Zahl aller Toten höher, doch seriöse Hinweise fehlen noch.

LN

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