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Zeltdorf als Zeichen der Solidarität

Bad Segeberg Zeltdorf als Zeichen der Solidarität

Zigtausende sitzen in Flüchtlingslagern – traumatisiert, ohne Perspektive. Mit Liedern, Plakaten und Gesprächen bei einer Zeltnacht in Bad Segeberg hat der Verein „alleineinboot“ Bürger auf die Situation aufmerksam machen wollen. Rund 80 Menschen kamen zusammen.

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Mit einem Zeltcamp vor St. Marien machten der Verein alleineinboot und andere auf die Flüchtlingssituation aufmerksam.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Bad Segeberg. „Flüchten ist kein Urlaub“, steht in dicken, türkisen Buchstaben auf einer Pappe, die an einem Nylon-Iglu lehnt, das auf der Wiese vor St. Marien steht. 20 Zelte sind hier aufgeschlagen. Das Camp mitten in der Stadt soll nach Vorstellungen von „alleineinboot“ eine Plattform zum Kennenlernen, für Gespräche, Austausch und Informationen sein. Das Motto: „Du bist nicht allein“. Die Idee dazu sei durch die Bilder des Fotografen David Lohmüller aus dem Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos entstanden, sagt Jan Simowitsch, Kirchenmusiker und Mitorganisator.

LN-Bild

Zigtausende sitzen in Flüchtlingslagern – traumatisiert, ohne Perspektive. Mit Liedern, Plakaten und Gesprächen bei einer Zeltnacht in Bad Segeberg hat der Verein „alleineinboot“ Bürger auf die Situation aufmerksam machen wollen. Rund 80 Menschen kamen zusammen.

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Musik zur Aktion

Der Song mit dem Titel „Du bist nicht allein“ ist fertig. Text: Ulf Werner, Musik: Jan Simowitsch, Gesang: Mira Drews. Am Video dazu arbeiten Johannes Hoffmann Norbert Wilm und Jürgen Hensel.

Die ersten jungen Leute kamen Freitag am frühen Abend auf der Kirchenwiese an. „Nein“, sagt einer, Zelten im April bei Regen und frösteligen Temperaturen, das sei kein Spaß. Doch das ist die Realität für Millionen Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten auf der Flucht sind, noch viel weniger.

„Die Atmosphäre wird auch in Deutschland für Flüchtlinge immer schwieriger. Die Luft bei vielen Ehrenamtlichen ist raus, die Gesetze werden schärfer. Der Rassismus nimmt zu“, fasst Mitorganisator Lennert Pasberg von alleineinboot seine Sicht der Dinge zusammen. Die evangelische Kirche, Mitglieder der Gemeinde Gottes, Pfadfinder und andere, die sich solidarisch zeigen wollen, hatten sich angeschlossen. Mit etwa 15 Zelten habe er gerechnet, so Pasberg, „nun sind es doch ein paar mehr geworden. Ein Erfolg.“

Am Lagerfeuer, in der großen Jurte der Pfadfinder, wurde bis in die frühen Morgenstunden geredet und gesungen – auf deutsch, persisch und englisch. Flüchtlinge erzählten, wie es sie nach Schleswig-Holstein verschlagen hat, Leute aus der Helferszene tauschten sich aus. Und tatsächlich schauten auch einige Bürger vorbei, die von der Kampagne gehört hatten. „Die Nacht war sehr kurz, das gemeinsame Beisammensein lang. Es war ein großes Kommen und Gehen von etwa 80 Leuten“, fasst Jan Simowitsch zusammen.

Gestern zeigten jedoch nur wenige Stadtbummler Interesse. „Ich finde das gut. Man kann so etwas machen, um die Leute wachzurütteln, aber ich hätte hier kein Zelt bei dem Wetter aufgestellt“, befand beispielsweise Heino Pfeiffer. „Auf dem Balkan sitzen Menschen, die nicht vor und zurück kommen“, mahnt Bernd Sonnenberg. Anderswo nehme man etliche Flüchtlinge auf, während Europa sich um 100000 streite, kritisiert er im Gespräch mit Bürgern.

In einem nächsten Schritt soll ein Musikvideo entstehen – mit den Aufnahmen aus der Aktion und einem extra komponierten Song.

 Von Heike Hiltrop

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