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Segeberg Zerwürfnis in Goldenbek: Schulleiterin quittiert den Dienst
Lokales Segeberg Zerwürfnis in Goldenbek: Schulleiterin quittiert den Dienst
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06:41 01.06.2018
Sie sprechen von einem schlechten Arbeitsklima und offener Ablehnung im Kollegium: Schulleiterin Simone Kaletsch (r.) und Lehrerin Anne Kruse haben ihren Dienst an der Grundschule Goldenbek mit sofortiger Wirkung quittiert. Quelle: Fotos: Petra Dreu
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Mit Schreiben vom 30. Mai informierte Lehrerin Ute Ahlborn die Eltern darüber, dass Schulleiterin Simone Kaletsch und Lehrerin Anne Kruse mit sofortiger Wirkung die Schule verlassen hätten. Sie sei von jetzt an die kommissarische Schulleiterin und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit. Über die Gründe oder Konsequenzen stand in dem Brief nichts.  

 

„Das ist eine unangenehme Situation. So etwas hat es noch nie gegeben. Schade ist nur, dass jetzt einzelne Personen öffentlich beschädigt werden.Jürgen Hübner Schulrat

Elternversammlung

Der Schulelternbeirat hat für Montag, 4. Juni, eine Versammlung angesetzt, für die auch Schulrat Jürgen Hübner sein Kommen zugesagt hat. Die Versammlung, an der alle Eltern der Grundschule Goldenbek teilnehmen können, beginnt um 17.30 Uhr mit einer elterninternen Aussprache. Schulrat Hübner und Lehrkräfte werden gegen 18 Uhr dazustoßen.

Von da an stand das Telefon bei Simone Kaletsch nicht mehr still, mache Eltern kamen sogar persönlich vorbei, um die Gründe für ihre Entscheidung zu erfahren. „Meine Tochter sitzt zu Hause und weint.

Sie hat gesagt: ,Was soll ich denn jetzt machen? Jetzt kann ich ja nur noch Kellnerin oder Putzfrau werden.’ Sie ist ein Kind. Können Sie sich das vorstellen?“, sagt ein Vater. Und seine Frau ergänzt: „Alles, was jung und dynamisch ist, geht wieder. Wir waren so froh, dass endlich frischer Wind in der Schule geweht hat. Die Kinder sind wieder gerne zur Schule gegangen. Das war vorher nämlich nicht mehr der Fall.“

Die Vorwürfe einiger Eltern waren damals schwerwiegend: Ängste und Sorgen seien ignoriert worden, für Kritik seien Eltern gemaßregelt worden. Schüler sollen in ihren Leistungen zurückgefallen sein.

Geändert habe sich dies, als Simone Kaletsch Schulleiterin geworden sei. Am 22. Mai 2017 hatte sie sich dem Schulleiterwahlausschuss vorgestellt. Als Lehrerin, Verwaltungsfachfrau, Buchautorin und Schulmanagerin brachte sie Fähigkeiten mit, die kaum getoppt werden konnten. Auch wenn sich eine Lehrerin der Schule um die Schulleiterstelle beworben hatte: Simone Kaletsch wurde mit großer Mehrheit zur Nachfolgerin von Gabriele Marzotko gewählt, die sich in den Ruhestand verabschiedete. Am 22. September wurde die zweifache Mutter Kaletsch, die nur wenige Schritte von der Schule entfernt in Goldenbek wohnt, offiziell in ihr Amt eingeführt. „Neue Besen kehren gut“, habe Schulrat Jürgen Hübner damals während der Feierstunde gesagt.

„Wirklich gewollt war ich vom Kollegium nicht“, beschreibt Simone Kaletsch im Gespräch mit den LN das Verhältnis zu den anderen Lehrkräften, die teilweise seit 20 bis 30 Jahren an der Schule unterrichteten. Änderungen seien nicht gewünscht gewesen. „Als ich mir Lernpläne für Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche zeigen ließ, habe ich Anweisungen für die Eltern in Händen gehalten. Aber was macht die Schule? Solche Kinder müssen gefördert werden.“

Sie erhebt schwere Vorwürfe: Die anderen Lehrkräfte des Kollegiums hätten weitergemacht wie bisher. Sie sei nicht mehr gegrüßt worden und sämtliche Informationen, über die sie hätte Bescheid wissen müssen, seien ihr vorenthalten worden. Zwischenzeitlich hat auch Kaletsch einen Brief an die Eltern verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Es ist mir leider nicht gelungen, unter den gegebenen Voraussetzungen eine positive Schulentwicklung und ein offenes sowie ausschließlich am Kind orientiertes Klima am Schulstandort auszulösen.“

„Wieso gehen Sie? Sie sind die Schulleiterin. Die anderen sollen gehen“, sagt ein Vater. Die Antwort von Simone Kaletsch überrascht: „Mein Handlungsspielraum ist sehr gering. Ich wäre gern dort geblieben, aber ich habe das Gefühl gehabt, ein totes Pferd zu reiten.“ Mit ihr ist Anne Kruse gegangen, eine Lehrerin, die noch nicht verbeamtet ist. „Das ist es mir wert. Ich arbeite nicht in einem solchen System“, sagt sie.

Schulrat Jürgen Hübner ist um Schadensbegrenzung bemüht und hat bereits neue Stellen für die beiden Frauen gefunden. „Das ist eine unangenehme Situation. So etwas hat es noch nie gegeben“, sagt er.

Hübner sieht vielschichtige Probleme. Ein Kollegium müsse lernen, gemeinsam zu agieren und pädagogisch zu handeln. „Zum Zusammenwachsen hat dieses eine Jahr gar nicht gereicht“, so Hübner. Dass der Konflikt schon länger schwele, sei ihm bekannt gewesen. Er hätte als nächsten Schritt eine Mediation vorgeschlagen. „Dazu aber kam es nicht mehr“, bedauert er. Mit den Eltern will er am Montag in Goldenbek reden.

Während einige Eltern die jetzige Situation nicht hinnehmen wollen, ist die Schulelternbeiratsvorsitzende Madeleine Tehsmann vorsichtig: „Ich will erst die anderen Seiten hören und weiß gar nicht, ob wir uns überhaupt einmischen dürfen.“

 Petra Dreu

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