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Segeberg Zitterpartie für Alexander Wagner
Lokales Segeberg Zitterpartie für Alexander Wagner
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22:22 24.09.2017
Lange Gesichter bei Alexander Wagner und seinen Parteifreunden bei der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse. Quelle: Oliver Vogt
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Bad Segeberg

Hart gekämpft und doch bitter verloren. Fassungslos und schweigend sahen die Segeberger Genossen im Garten von Parteifreund Nikolai Klüppel zu, wie die ersten Hochrechnungen und Prognosen der Bundestagswahl über den Fernsehschirm flimmerten. Knapp 21 Prozent für die SPD – das schlechteste Ergebnis in der Parteigeschichte. „Nicht ganz das, was wir uns erhofft haben“, versuchte Kandidat Alexander Wagner das sich abzeichnende Desaster diplomatisch zu umschreiben.

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An mangelndem Einsatz hat es sicher nicht gelegen. In den vergangenen Wochen war der 30-Jährige mit seinen Unterstützern täglich von acht Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend im Einsatz, um Wähler zu überzeugen. Hausbesuche, Wahlkampfstände, Praktika in verschiedenen Firmen und Organisationen. „Die Stimmung im Team war gut, und ich denke, wir alle haben hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Wagner. Ob er in den kommenden Bundestag einziehen wird, ist bislang noch nicht entschieden. Um sicher ein Mandat zu bekommen, hätte die SPD ein Ergebnis von gut 24 Prozent gebraucht. Wegen der Schwäche der CDU könnte es für Wagner – er steht auf Platz sieben der Landesliste – aber dennoch reichen. Das war und ist für ihn „Plan A“. „Und einen Plan B gibt es nicht, das habe ich auch immer deutlich gemacht“, sagt Wagner, der bis zu dessen Ausscheiden aus der Landesregierung persönlicher Referent des Kieler SPD-Wirtschaftsministers Reinhard Meyer war.

Auf die falschen Themen im Wahlkampf gesetzt zu haben, weist Wagner von sich. Die soziale Gerechtigkeit sei und bleibe auch in diesen Zeiten, in denen die meisten Menschen in Deutschland mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden sind, „ein absolut wichtiges Thema. Denn es gibt trotz der guten Lage viele Menschen, denen es weiterhin nicht gut geht“. Dass die SPD künftig wohl keine Regierungsverantwortung mehr tragen wird, hält Alexander Wagner angesichts des Wahlergebnisses für „die richtige Konsequenz“.

Seinem CDU-Konkurrenten Gero Storjohann sprach Wagner zwar seine Glückwunsche für den Direktsieg im Wahlkreis 8 aus, kritisierte aber gleichzeitig, dass sich Storjohann der direkten politischen Auseinandersetzung mit ihm weitgehend entzogen habe.

Anwesend bei der stimmungsmäßig eher getrübten Wahlparty der SPD in Bad Segeberg war auch der langjährige Bundestagabgeordnete Franz Thönnes, der seit 1994 dem Parlament angehörte und nun nicht wieder angetreten ist. Gegen Storjohann hatte er 2013 noch 35,3 Prozent der Stimmen geholt. Wagner dürfte im Wahlkreis 8 jetzt knapp zehn Prozent darunter liegen. Thönnes nannte das sich abzeichnende Wahlergebnis gegenüber den LN „einen tiefen Schlag für die SPD“. Es sei der Partei augenscheinlich nicht gelungen, die Erfolge aus ihrer Regierungsarbeit deutlicher zu machen. Es werde eine wesentliche Aufgabe der kommenden Jahre sein, den Grund für diese Probleme aufzuarbeiten und zu beheben. „Die SPD und insbesondere Alexander Wagner haben aber einen tollen Wahlkampf geführt“, so Thönnes.

Die zweite schlechte Nachricht des Tages war neben dem eigenen Ergebnis das deutliche Erstarken der AfD, mit der sich die SPD in den kommenden vier Jahren aller Voraussicht nach die Oppositionsrolle teilen wird. Erstmals habe man es jetzt mit „Rechtspopulisten, zum Teil sogar Nazis zu tun, die im Parlament sitzen“, sagt Wagner. Sich gegen diese Kräfte zu behaupten, werde beiden Politikern zufolge eine der Herausforderungen der künftigen Legislaturperiode sein. Oliver Vogt

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