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Segeberg Zoff beim WZV zwischen Chefetage und Betriebsrat
Lokales Segeberg Zoff beim WZV zwischen Chefetage und Betriebsrat
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10:52 29.06.2017
Hinter den Kulissen beim Wege-Zweckverband brodelt es gewaltig. Quelle: Fotos: Pd (2), *hil (1)
Damsdorf

Dass es ordentlich knirscht im Gebälk des Wege- Zweckverbandes (WZV) ist seit langem bekannt. Wie tief der Graben zwischen Mitarbeitervertretung und Geschäftsführung tatsächlich ist, wurde aber noch nie so deutlich wie am Dienstag während der Verbandsversammlung auf der Deponie in Damsdorf.

Bereits im Vorwege hatte sich Negernbötels Bürgermeister Dieter Beuk dafür eingesetzt, dass der Personalvertretung ein Rederecht eingeräumt wird. In dieser Kenntnis ging auch Verbandsvorsteher Jens Kretschmer in seinem Bericht auf den Clinch mit den Mitarbeitervertretungen ein, brachte aber auch seinen Unmut über ein Treffen mehrerer Bürgermeister mit Mitarbeitern zum Ausdruck. „Ich habe nichts dagegen, wenn Sie mit unseren Mitarbeitern sprechen. Wenn ich aber über Dritte von einem Treffen höre, finde ich das nicht gut. Wir sind hier schließlich nicht beim MI5“, so Kretschmer.

Mit einem solchen Rundumschlag, wie ihn schließlich Mario Bernet-Wieblitz für den Betriebsrat verlas, hatte wohl niemand gerechnet: Der WZV sei bereit, enorme Summen an die von ihm beauftragten externen Berater zu zahlen, anstatt in die Mitarbeiter zu investieren. Auch dass eine Bürgermeisterin mit ihrem eigenen Unternehmen an der Umstrukturierung teilnehme, habe für Verwunderung bei den Mitarbeiten gesorgt. Auf der Verbandsversammlung am 6. Dezember habe der Verbandsvorsteher betont, dass er eine Beratung der Mitarbeitervertretung für wichtig und sinnvoll halte. Anfangs sei der Gutachter Dr. Meyer auch noch mit offenen Armen empfangen worden. „Als aber klar wurde, dass Dr. Meyer nicht beeinflussbar ist, fingen die Diskussionen über die Kostenübernahmevereinbarung an“, so Bernet-Wieblitz.

50 000 Euro seien bislang an Kosten angefallen. Wer diese übernehmen muss, wird am 31. August vor Gericht geklärt. Die Chance einer Mediation haben beide Seiten in Betracht gezogen, keine Einigung jedoch gab es bei der Wahl des Mediators. Auch bei einem Gespräch mit dem KG-Beirat (Pendant zum Hauptausschuss bei Tochter WZV Entsorgung mit gleicher Besetzung) gab es keinen gemeinsamen Nenner.

„Wir haben den ausdrücklichen Wunsch an den KG-Beirat gerichtet, ein Gespräch ohne Geschäftsführung zu ermöglichen. Es ist doch offensichtlich, dass eine Zusammenarbeit immer schwieriger wird“, so Bernet-Wiebitz. Dafür spreche auch das sich immer schneller drehende Mitarbeiterkarussell. Trauriger Höhepunkt sei der Weggang des Bereichsleiters für Abfallwirtschaft Torsten Höppner. Nach 30 Jahren beim WZV hat er sich nur wenige Jahre vor Rentenbeginn wegbeworben. „30 Jahre sind eine lange Zeit. Aber irgendwann kommt man zu dem Schluss, dass es so nicht weitergeht“, so die Erklärung Höppners.

„Das war für mich wie eine große Klatsche“, sagte die Vorsitzende der Verbandsversammlung Beatrix Klüver nach der Veranstaltung. „Die Art und Weise finde ich nicht in Ordnung“, meinte der Hauptausschuss-Chef Gerd Lentföhr. „Das war ein Rundumschlag, der hier erfolgt ist“, sagte Jens Kretschmer. Seit August 2014 unterstelle ihm der Betriebsrat, nicht die richtigen Unterlagen an die Beratungsfirma PwC weitergegeben zu haben. Eine Überprüfung sei höchstens 10000 bis 15000 Euro wert, nicht aber 50000 Euro. Ungeachtet der hohen Beraterkosten beim WZV bezog er sich auf eine „Vermögensbetreuungspflicht“. Schließlich ginge es um das Geld der Kunden.

 Petra Dreu

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