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Segeberg Zu nasser Sommer: Junge Störche ertrinken in Nestern
Lokales Segeberg Zu nasser Sommer: Junge Störche ertrinken in Nestern
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09:46 15.08.2017
In diesen Tagen bereiten sich die wildlebenden Weißstörche im Land auf ihren Zug in die Winterquartiere Richtung Süden vor. Quelle: Fotos: Hfr/dpa

Sorge um Segebergs wildlebende Störche: Über 40 Prozent der Brut sind in diesem Jahr Opfer des zu nassen Sommers geworden, der immer wieder von Starkregen geprägt war. Damit sind die Bedingungen für Adebar im zweiten Jahr in Folge schlecht, nachdem 2016 zu wenig Mäuse für Futterknappheit sorgten und bei Revierkämpfen durch späte Heimkehrer Jungvögel getötet und Gelege zerstört wurden, bedauert Jörg Heyna von der Nabu-Arbeitsgruppe Storchenschutz.

Über 40 Prozent der Brut hat in diesem Jahr in Segeberg nicht überlebt.

Das Bild, das sich Segebergs „Storchenvater“ Holger Möckelmann nahe Kisdorferwohld bot, ist ein grausiges: im Horst ertrunkene Jungvögel. „Eigentlich waren sie schon sehr weit, doch das Wasser konnte nicht abfließen, so dass sie umkamen“, erklärt Möckelmann. Der Storchenvater sieht eine Bedrohung für den Bruterfolg im Segebergischen und die Bestandserhaltung des Nabu-Wappenvogels, wenn sich die Wetterbedingungen weiter so negativ entwickeln. Für ihn eine klare Folge des Klimawandels und den damit verbundenen steigenden Niederschlag.

Obwohl die Anzahl der Storchen-Brutpaare in Schleswig-Holstein und damit auch im Segebergischen leicht angestiegen ist, fällt die Bilanz schlechter aus als im Vorjahr. Die fütterungsabhängigen Standorte in Hitzhusen und im Wildpark Eekholt nicht mitgezählt, schlüpften bei den 35 im Kreis lebenden Wild-Storchenpaaren (im Vorjahr waren es 32) 80 Junge, doch nur 44 von ihnen wurden großgezogen – 2016 waren es 49 von 61. Ein Vogel fiel in diesem Jahr aus dem Nest und konnte im Wildpark Eekholt flügge werden.

Nicht nur der Starkregen forderte Opfer. So wurde das Gelege eines Storchenpaares in Mielsdorf durch Graugänse zerstört und in Bark verunglückte ein Storch tödlich. Für den Verbliebenen, der noch einen neuen Partner fand, war es laut Möckelmann jedoch zu spät für eine Brut. Ein weiterer Vogel kollidierte mit einem Zug der AKN und starb. Außerdem seien bei Revierkämpfen durch späte Heimkehrer Jungvögel getötet, beziehungsweise Gelege zerstört worden – ein Problem, das landesweit bereits aus dem Jahr 2016 bekannt ist. Hintergrund ist laut Nabu die Zunahme der Störche, die über die mit 4000 Kilometer vergleichsweise kurze sogenannte Westroute aus Nordafrika, aber auch aus Spanien in den Norden kommen und damit früher hier sind als diejenigen, die über die bis zu
10 000 Kilometer lange Ostroute kommen. Wenn die so genannten „Westzieher“ Nester belegen, die eigentlich den „Ostziehern“ gehörten, kann es mitunter zu heftigen Kämpfen zwischen den Tieren kommen.

Extrem starke Regenfälle Ende Juni haben indes zu Totalverlusten der Jungstörche in Bredenbekshorst, Damsdorf, Kisdorferwohld, Lentföhrden, Oering, Pettluis, Seedorf, Stuvenborn-Brook, Stuvenborn (Sether Weg) und Struvenhütten (Mühlenstraße) geführt.

Aber es gibt auch kleine Erfolge zu verzeichnen. So haben sich in Bredenbekshorst, Oering, Stuvenborn und Struvenhütten fünf neue Paare angesiedelt. Und ganz besondere Bruterfolge konnten Möckelmann und die anderen Storchenbetreuer in Voßhöhlen verzeichnen, wo gleich vier Jungvögel bei einem Brutpaar erfolgreich gepäppelt wurden. In Bimöhlen, Itzstedt, Seth, Struvenhütten-Deich und Weddelbrook kam es zu Dreierbruten.

Am 28. Februar war das erste Storchenpaar aus Spanien in Segeberg angekommen. Bis zum 20. Mai waren dann alle 35 Brutstandorte im Kreis Segeberg besetzt. Die späte Ankunft der aus dem Osten ziehenden Störche hatte jedoch dazu geführt, dass beispielsweise in Hagen kein Brutbeginn erfolgte, wie Storchenvater Holger Möckelmann in seinem Jahresbericht bedauert.

Leichter Anstieg

358 Jungstörche sind in diesem Jahr in Schleswig-Holstein laut Nabu flügge geworden, 2016 waren es 344 Jungvögel. Zum vergleich: 2015 wurden mehr als 500 Jungvögel gezählt. 278 Storchenpaare brüteten in diesem Jahr. Aktuell machen sich die Schreitvögel für den Winterzug bereit. An den fütterungsabhängigen Standorten in Hitzhusen und dem Wildpark Eekholt haben dieses Jahr 42 Brutpaare insgesamt 66 Jungvögel großgezogen. hil

 Heike Hiltrop

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