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Zu teuer: Bad Bramstedt verliert sein Moorheilbad

Bad Bramstedt Zu teuer: Bad Bramstedt verliert sein Moorheilbad

Verliert die Kurstadt Bad Bramstedt ihren Titel „Moorheilbad“? Für die Kliniken rechnen sich die aufwändigen Moorkuren nicht mehr, und die Stadt will sich nicht an den Kosten einer Sanierung beteiligen.

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Das 14 000 Liter fassende Moor-Rundbecken in Bad Bramstedt ist einzigartig in ganz Norddeutschland.

Quelle: Foto: Ln-Archiv

Bad Bramstedt. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach ist trotzdem optimistisch, dass der 14000-Einwohner-Stadt der Titel „Bad“ erhalten bleibt.

„Die Misere zeichnet sich seit mindestens drei Jahren ab. Hans-Jürgen Kütbach

Bürgermeister in Bad Bramstedt

„Das hat allein schon historische Gründe“, sagt Kütbach im Gespräch mit den LN. „Ebenso wie in Bad Segeberg nach Abschaffung der Solenförderung.“ Bramstedt trage den Titel „Bad“ seit 1910, und da greife eine Maßgabe des Innenministeriums einen Titel, der so fest mit dem Ortsnamen verbunden sei, nicht mehr zu ändern.

Ein Heilbad, so Kütbach, das sei die Bundesliga. „Als bloßer Luftkurort wie jetzt Bad Segeberg dürfte man sich eigentlich nicht ,Bad’ nennen – Luftkurort, das ist nicht viel mehr als Kreisliga.“

Bramstedts Bürgermeister hofft, dass man den Titel „Kneippheilbad“ erwerben könne: „Das wäre dann wenigstens die 2. Bundesliga.“

Doch auch das sei kein Selbstgänger: Bad Bramstedt verfüge über eine Kneippanlage, einen Kneippverein, sogar eine Kindertagesstätte mit dem Thema Kneipp – um aber als einschlägiges Heilbad anerkannt zu werden, brauche es zum Beispiel noch einen Arzt, der Therapien nach Kneipp anordne und überwache. „Wir bemühen uns, weiteres zu entwickeln.“

Mit dem Moorheilbad aber werde es über kurz oder lang vorbei sein. Der Betrieb eines solchen Bades sei noch aufwändiger als der eines Schwimmbades und pro Jahr mit Betriebskosten „im unteren sechsstelligen Bereich“ (Kütbach) anzusetzen. Und da sei die dringend notwendige Renovierung noch nicht einmal eingerechnet. Auf der anderen Seite nehmen die Nutzer und die Verordnungen durch die Krankenkassen und anderen Kostenträger (Siehe Infotext) immer mehr ab. Rund 10000 Moorbade-Patienten gebe es noch pro Jahr – zu wenig, um das Moorbad aufrecht erhalten zu können.

„Beide Kliniken leisten eine hervorragende und erfolgreiche Arbeit“, sagt der Bürgermeister und würdigt damit zugleich, dass bereits in den Vorjahren der Moorbadebetrieb allein durch die Einnahmen aus anderen Sparten habe finanziert werden können. Die Stadt ist zu 12,45 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt. Der Beschluss, den die Stadtvertreter mitten in der Urlaubszeit fällten, tat ihnen angesichts der Tradition des Heilbades selber weh, sei aber aus Haushaltsgründen unausweichlich gewesen: Die Stadt fällte den Grundsatzbeschluss, dass es ihr unmöglich sei, sich finanziell an Sanierung und Betrieb des Moorheilbades zu beteiligen.

„Die Misere, dass sich ein solches Bad nun einmal aus den Einnahmen finanzieren muss, es aber angesichts der Verordnungen immer schwieriger werde, zeichnet sich seit mindestens drei Jahren ab. Bisher haben wir immer noch das gallische Dorf gespielt, das gegensteuert“, sagt Kütbach.

Medikamente ersetzten heute oft die Moorbehandlung

Seit über 100 Jahren gibt es in Bad Bramstedt die Tradition der Moorbäder. Noch in den 1980er Jahren wurden täglich 40000 Liter Moor zu Badezwecken gebraucht – heute gibt es nur noch ein 14000 Liter-Rundbecken, das in seiner Größe aber trotzdem einzigartig im ganzen Norden ist. „Moorheilbad“ darf sich in Schleswig-Holstein außer Bad Bramstedt nur noch Bad Schwartau nennen.

Zwanzig Minuten bei 41 Grad – so ist die Faustregel für eine heilende Moorbehandlung. Moor war bereits vor Gründung der Klinik 1930 das bevorzugte Heilmittel bei rheumatischen Beschwerden.

Damals brachte die alte Moorbahn den Rohstoff direkt bis zur „Moorküche“. Dort wurde es aus den Loren in eine Sammelgrube gekippt, in Mühlen zerkleinert und mit Sole verflüssigt. Diese badefertige Mischung wurde in Holzwannen abgefüllt. Inzwischen gibt es aber viele Medikamente, die billiger sind. Die Krankenkassen rechnen mit spitzem Bleistift. Heute werden vermehrt Anschlussheilbehandlungen nach Operationen angeboten. Dabei wendet man meist kein Moor an, weil Frischoperierte oft noch nicht duschen dürfen.

 Lothar Hermann Kullack

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